8
Jun
2008

WEWG

Wir sind vor der Fanzone in die Wochenend-Wohngemeinschaft geflohen. So wurde der Freitag dennoch eine Art Freitag, wenn auch anderer Prägung. Fast hätten wir die Euro vergessen können, dort draußen am Lande, wo ich mich ausgeschlafen hab, um am Morgen dann Zähne putzend durch den gewaltigen Garten lustzuwandeln. Die andern schlafen noch. Sogar der Hund. Die Vögel zwitschern. Später dann körperliche Arbeit. Es gilt Schutt wegzuschaffen und so schaufeln wir zehn Säcke voll und bringen apokalyptische Unruhe in die Welt der Asseln, Spinnen und Ameisen – ach ja, die Weinbergschnecken haben wir gerettet. In Nachbars Garten haben sie es besser. Am Nachmittag dann Ausflug in einen verwunschenen Park, ein altes Swimmingpool, bunte Betonplatten und ein entführter Jasminstrauch. Ein Notenschlüssel über allem.

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Gemeinsam arbeiten, gemeinsam trinken und lachen, gemeinsam kochen. Seit Jahren wohnen wir bei in solchen Wochenend-Wohngemeinschaften, tauchen ein in eine Herde aus Wahlverwandten, Kindern, Hunden. Lange Jahre war das Loft Homebase des Glücks – fast schon fester Wohnsitz zum Feste feiern, Fenster putzen, Boden schrubben, ausmalen, kochen. Irgendwann in den Schlafsack gehüllt einschlafen auf einer zweifelhaften Matratze, irgendwo das letzte Bier, während irgendeine Band bis zum Morgengrauen jammt, dann aufwachen, als Erste, viel zu früh und daher leise über Bierleichen steigen und erst die Hunde raus lassen. Draußen in der Morgensonne die erste Zigarette rauchen, eine Flasche Mineral ist ja noch übrig geblieben, später Kaffee. Am Nachmittag dann fahren wir dann zum Baggersee, im Wasser tollen und sauber werden.

Heute rauch' ich nicht mehr und in der Wochenendwohngemeinschaft dieses Lebens bereitet man uns ein Lager, echte Bettwäsche, auch wenn wir die Schlafsäcke dabei haben. Abends kann es schon vorkommen, dass wir gemeinsam fernsehen. Ich putze wieder Fenster, hab ich schon immer gerne getan, auch damals im Loft. Daheim in der Stadt macht das der gute Geist gegen Bezahlung, hier verwende ich Seite um Seite der am Morgen gestohlenen Zeitungen um die schmutzigen Scheiben sauber zu reiben. Dazwischen schnappe ich Schlagzeilen auf, die mir beim üppigen Frühstück entgangen sind. Paul Weller hat eine neue Platte. Aus dem Haupthaus klingt Jazz. Das Herrenunterhemd, das ich trage, riecht nach Schweiß, nach Arbeit. Auf einer Decke im Garten thront die Elfenprinzessin – heute in der Rolle einer Zirkusdirektorin umgeben von Stofftieren.

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Manchmal pausiere ich, um Rotwein zu trinken – St. Laurent Reserve 2005, vom Josef Dachauer in der alten Mühle in Tattendorf. Gestern gekauft, als wir den Jasmin entführt haben, heute dekantiert in der Karaffe. Und dann noch ein wenig Pizza selbst gebacken und gemeinsam belegt, die Fenster glänzen in der Abendsonne. Saubere Arbeit.

Daheim ist Fanzone – halb so schlimm…
100 mal erzählt

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rosmarin - 14. Jun, 01:30

schön. das.

katiza - 15. Jun, 22:06

Ja.

Ich bin sehr glücklich.
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