Der Salon der Turtle

1
Mrz
2012

Polaroids

Ein Haufen Polaroids ist geblieben vom ersten Salon. Gesichter, Ausdrucke; unperfekt und genau darin perfekt diese speziellen Momente fest zu halten, zu teilen von Hand zu Hand. Kostbar die kleinen Bilder, für die es sich zu leben lohnt, für Einen, Zwei, eine Zweieinigkeit. Sie teilen mit uns, halten uns fest in den Momenten, in denen wir teilen. Schlarrrack macht die Maschinerie der Photoapparate und spuckt Bilder aus. Dann gilt es zu warten, das Photo mit dem Gesicht nach unten bis das Polaroid entstanden ist, entstanden sein muss, verfremdet in der Farbgebung, mit Einschlüssen, Aussparungen. Was für wundervolle Maschinen waren das damals, so geeignet für das schmutzige kleine Bildchen, das der örtliche Photofachhändler nicht sehen sollte durfte oder eben um den Augenblick rasch fest zu halten, die Erinnerung im Moment weiter zu geben und nicht erst umständlich viel später zu übermitteln. Ich habe noch so einen Apparat in meinem Gut Aiderbichl der Elektrogeräte und an diesem Abend wurde die alte Maschine neu gefüttert und durfte Freude spenden wie damals. Damals. Vor den Handys und den Apps, die all das heute wieder möglich machen, einfacher, billiger. Und an jenem Abend, wo das Digitale wieder einmal zum Analogen wurde übermittelten uns doch neue Medien das Alte. CDs und usb-Sticks kamen zum Einsatz, aber auch traditionelle Medien, Mittler von Lebenswertem: Bücher, feines Karamell oder eine Flasche Wein.

Einige Medienmenschen waren da, Schreiberlinge und Leserlinge, Mathematikerinnen und eine Spielerfinderin, die Elfenhäuslerin, Fratellino, ein Maler, ein Punk-Sänger - WeggefährtInnen gemischt aus den Welten und auch Lebenszeiten, ein paar waren nicht gekommen, hatten abgesagt oder auch nicht. Die, die da waren, waren die Richtigen. Und alle teilten mit festen Stimmen und blitzenden Augen, ein ums andere Mal erklang die Glocke, es wurde gefragt, gelobt, applaudiert, das hohe Lied der Freundschaft gesungen, das Landleben gepriesen, das Bandleben geschildert und das Einhorn als Haustier gewürdigt. Und es sind Bilder in mir entstanden von diesen Menschen, einmalig und wunderschön, perfekt, weil unperfekt. Der Borschtsch mundete, die Pizza schmeckte, Wein und Bier flossen in Strömen und auch noch Vodka und irgendwann entschlief ich auch im trauten Kreis und später, viel später hat mich der 1. Offizier ins Bett geleitet. Längst hatte er fürsorglich das Ruder übernommen.

Wir haben die Polaroids dann eingescannt, sie dem Digitalen zugführt und teilen das Erlebte und Ergänztes im Netz. Seit damals sind wir noch glücklicher am Vordereck. Mehr als einmal habe ich seither durch den Stapel Bildchen geblättert und mich daran erfreut, auch das kleine Buch wurde begonnen und freut sich darauf erweitert zu werden, das nächste Mal dann in vier Wochen.

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Soviel Glück ist mir beschieden - Danke!
Allzeit gute Fahrt und eine Handvoll Wasser unter dem Kiel…
1558 mal erzählt

24
Feb
2012

Saloniges: Zueignung

Einen Salon führen, das war ein alter Traum von mir und ich habe ihn schon einmal umgesetzt – vor mehr als zehn Jahren. Ein Gästebuch zeugt von bunten Abenden zwischen Reichs Orgon-Theorie, Gödel, Escher, Bach und der 1. Öffentlichen Aufführung von „The Next“ Unreal, wilder Gitarrenrock. Und nicht zu vergessen, jener denkwürdige Abend der peinlichsten Erlebnisse.

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Blättere ich durch das Buch, tauchen Bilder auf, Erinnerungen an Menschen, die nicht mehr in meinem Leben, in dieser Welt sind. Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten,
Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.
Auch an den Abend des letzten Salons zwei Jahre später kann ich mich noch gut erinnern, verwunschen war er, verwirrend, erschreckend und hatte was von „Der Meister und Margarita“. Im Wohnzimmer saß Einer, dessen trüber Blick schon fast ein Jahr von der Wand aus den Tisch beobachtet hatte, fast eine Mahnung. Gemalt hatte sein Portrait der Teufel, dass er es war, erkannte ich erst an jenem Abend. Am Sofa saß Eine, die schien einem Plattencover entsprungen, das gegenüber an einer Staffelei lehnte. Irgendwann war der Teufel weg. Irgendwann saß eine schwarze Katze vor der Türe. Dann gingen wir schlafen und der Salon war entschlafen.

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Und jetzt also wieder, angeregt von Fräulein Julie, im Vereinen meiner Welten, hisse ich die Segel für einen neuen Salon. Versuch ich wohl, euch diesmal festzuhalten? Fühl ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt Computer werden heute gerne als Metapher für unser Denken und Sein verwendet, das Leben als Festplatte. Das Internet hat mir viele neue Menschen und Möglichkeiten erschlossen, die Möglichkeit in anderer Leute Leben und Gedankenwelten zu blicken, sich auszutauschen, neue Impulse zu erfahren. Ich nutze Facebook, sehr aktiv und manchmal mehr als es diesem Blog gut tut. Ich mag die Funktion des Teilens dort, ein Klick und man schickt ein Lachen weiter, spielt einen Song, empört sich. Und andere sagen gefällt mir, ein kleines Zeichen, du bist mit einem Gedanken nicht allein oder sie kommentieren, diskutieren, scherzen, liefern Zusatzinformation. So wie ich es mir für einen Salon wünschen würde, vorstellen könnte.

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Und so habe ich zum Salon geladen. Ihr drängt euch zu! nun gut, so mögt ihr walten, wie ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt; Eine bunte Mischung aus Leuten aus meinen verschiedenen Lebenswelten, auch aus jener des 1. Offiziers, der mir heute auf der Kommandobrücke so verlässlich zur Seite stehen wird, wie schon heute morgen bei der Küchenschlacht. Borschtsch wird es geben mit Herzeblut gefärbt, „Carta da musica“ und Pizza. Ich hab mir von Robert Pfaller das Motto „Wofür es sich zu leben lohnt“ ausgeborgt und alle aufgerufen, etwas von dem mitzubringen und zu teilen, was das Leben für sie lebenswert macht. Das kann ein Buch sein, ein Bild, ein Song, eine Flasche Wein, eine Idee, ein Projekt, ein Traum, eine Geschichte, ein Photo… Wenn alles so hinhaut, wie ich es mir wünsche, kann jeder nach einem kleinen Gong greifen und seines vorstellen. Die anderen können gefällt mir signalisieren oder was dazu sagen. Es gelten die Gesetze der Höflichkeit und Menschenliebe, natürlich steht es den Menschen frei, sich in Gruppen zusammenzufinden und extra zu sprechen, in die Küche zu gehen oder Billard zu spielen. Tja, so wünsch ich es mir. Ich bin neugierig, wie viele kommen, was sie mitbringen und ganz aufgeregt vor Vorfreude…Jede, jeder von ihnen ist an und für sich schon ein Geschenk. Mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttert vom Zauberhauch, der eueren Zug umwittert.

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„Wenn man das Leben als Gabe begreift, dann behandelt man es als Geschenk, bei dem man eine Verpflichtung hat – nämlich die Verpflichtung, etwas von dem Geschenk auch weiter zugeben.“
Robert Pfaller „Wofür es sich zu leben lohnt“
1134 mal erzählt
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Mock Turtle

Sit down, both of you, and don't speak a word till I've finished

Who sits there?

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Im Bilde

2015-03-21-00-05-05

Soundtrack

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froggblog - 1. Jul, 17:52

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