Cosa Rosa: Nachsorgetermin
Heute war ich wieder dort, noch einmal nachsehen, ganz sicher gehen, auch wenn in den letzten beiden Wochen nichts zu spüren und schon gar nichts zu sehen war. Drei Stunden muss ich warten, eingezwängt zwischen alten Frauen und Kopftuchpaaren. Manchmal kann man die Angst fast wittern, die sie teilen: Sie, die kaum versteht und neugierig uns andere Frauen mustert, er, der die fremde Sprache ein wenig spricht, der die Situation aber nicht fassen kann. Zwei, drei mal springt er auf und beschwert sich wegen der langen Wartezeit. Aber wir anderen hiesigen Frauen, unbegleitet, müssen auch warten, das beruhigt ihn. Schließlich überlässt ihm seine Frau ihren Sitzplatz. Als sie endlich aufgerufen wird, ist er nicht da. Sie wartet in der Türe der Umkleidekabine vor dem Behandlungsraum. Sie lächelt, als er mit ihr eintritt.
Fünf Tage nach der Regel soll die Frau zur Mammographie kommen, teilt der dickliche, heitere Stationsgehilfe dem bärtigen, kleinen, dunklen Mann mit, und wiederholt diese Erklärung noch einmal lauter, als er den verwunderten Gesichtsausdruck sieht. Jetzt scheint der Mann zu begreifen, was gesagt wurde, verstehen kann er es nicht, verzweifelt blickt er sich um. Dann spricht er wieder flüsternd mit seiner Frau. Auch sie schaut verwirrt, schämt sich vielleicht ein bisschen, dass über diese Dinge gesprochen wird.
Als ich später wieder vor der Ärztin liege, nach minutenlangem neuerlichen Warten in einer dieser Kabinen, die man nur mit entblößtem Oberkörper verlassen darf, frage ich mich, wo die Männer stehen, während die Fremde mit dem seltsamen Gerät über die Brüste ihrer Frauen fährt, wo sie hinsehen? Auf den Busen, die Ärztin, den Bildschirm?
"Das sieht viel besser aus", sagt die Ärztin, als sie schließlich nach einiger Suche in Inner Space die Problemzyste wieder findet: "Da kommen Sie am besten in drei Monaten wieder, wenn Sie keine besonderen Beschwerden haben." "Ich mag meinen Busen", erklär ich ihr: "Sogar die Zysten." Das sei gut, meint sie, die beste Vorsorge den eigenen Körper zu mögen, sogar wenn er einem nicht gefällt: "Das ist, wie wenn ich ein hässliches Kind habe, das lieb ich doch auch." Mein Busen ist kein hässliches Kind, nicht einmal meine Zysten sehe ich als hässliche Kinder. Aber das sage ich nicht. Nur "Danke" und dass ich wieder komme.
Schnell verlasse ich das Krankenhaus, beim Hinausgehen seh ich keine Paare, keine Wartenden, nur Hinweisschilder.
Draußen schneit es und ich bin froh.

Fünf Tage nach der Regel soll die Frau zur Mammographie kommen, teilt der dickliche, heitere Stationsgehilfe dem bärtigen, kleinen, dunklen Mann mit, und wiederholt diese Erklärung noch einmal lauter, als er den verwunderten Gesichtsausdruck sieht. Jetzt scheint der Mann zu begreifen, was gesagt wurde, verstehen kann er es nicht, verzweifelt blickt er sich um. Dann spricht er wieder flüsternd mit seiner Frau. Auch sie schaut verwirrt, schämt sich vielleicht ein bisschen, dass über diese Dinge gesprochen wird.
Als ich später wieder vor der Ärztin liege, nach minutenlangem neuerlichen Warten in einer dieser Kabinen, die man nur mit entblößtem Oberkörper verlassen darf, frage ich mich, wo die Männer stehen, während die Fremde mit dem seltsamen Gerät über die Brüste ihrer Frauen fährt, wo sie hinsehen? Auf den Busen, die Ärztin, den Bildschirm?
"Das sieht viel besser aus", sagt die Ärztin, als sie schließlich nach einiger Suche in Inner Space die Problemzyste wieder findet: "Da kommen Sie am besten in drei Monaten wieder, wenn Sie keine besonderen Beschwerden haben." "Ich mag meinen Busen", erklär ich ihr: "Sogar die Zysten." Das sei gut, meint sie, die beste Vorsorge den eigenen Körper zu mögen, sogar wenn er einem nicht gefällt: "Das ist, wie wenn ich ein hässliches Kind habe, das lieb ich doch auch." Mein Busen ist kein hässliches Kind, nicht einmal meine Zysten sehe ich als hässliche Kinder. Aber das sage ich nicht. Nur "Danke" und dass ich wieder komme.
Schnell verlasse ich das Krankenhaus, beim Hinausgehen seh ich keine Paare, keine Wartenden, nur Hinweisschilder.
Draußen schneit es und ich bin froh.

katiza - 17. Feb, 17:38
8 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
1025 mal erzählt