Quellgemurmel
Sie war eine der Ersten. Seit zwei Jahren halte ich Seminare für Menschen aus den sozialen Diensten. Bezahlt von der Gewerkschaft, ArbeiterInnen, AltenhelferInnen, KindergartenhelferInnen, LiebesarbeiterInnen, irgendwie. Seelenvolle, gebende Menschen, schlecht bezahlt, unbedankt, aufgerieben zwischen Klientel, Angehörigen und Systemen. Extrem Burnout gefährdet. Wer dieses Seminar bucht, hat das Schlimmste hinter sich oder weit genug vor sich. Ein, zwei werden mit geschleppt, die Bedürtftigsten sind nur „wegen einer Freundin hier“.
Sie war im ersten Kurs. Sie hatte alles hinter sich. Renate, die Wiedergeborene. Wiedergeboren als starke, selbst bestimmte Frau, Betriebsrätin. Da, „weil ich alle Kurse besuche, lernen, lernen, lernen will, ausgebrannt war, andere schützen will.“ Sieben Leben, wie eine Katze, Tausend Tode. Mißbrauchtes Kind, Alkoholiker-Eltern, -Mann, Gewalt, Verletzungen und Vogel aus der Asche. Feuerladies heißt das Foto, dass wir damals geschossen haben und wir brennen …nicht aus sondern ewig.
Heute war wieder so ein Abschiedsabend mit Steinen, Murmeln und Gesprächen und den kleinen Mädchen, die wir einmal waren. Vier Abende zu drei Stunden hatten wir Leben und Lieben erkundet, wahr genommen, was Kraft gibt und raubt und uns ausgetauscht, Lebenswelten erschlossen, Strategien verglichen, geheime Zeichen vereinbart. Ich bin nur die Bergführerin, weiß, was zu tun, wenn das Wetter schlecht ist, weise auf Wunder hin und halte die Expedition bei Laune. Und wir sind wieder einmal weit gekommen: Die zukünftige Ex-Frau, die noch immer nicht von ihm lassen kann, die rumänischen Schwestern, so leidenschaftlich engagiert die Ältere, so lasziv gelassen die Jüngere, mein Sonnenschein, optisch fast geschlechstlos und little Buddah in der Simmeringer KiTa, die kleine Stille voll schlängelnder Schlauheit, die Abenteurerin, deren Mann unter Wasser und an der Theke als Buddy versagt. Gelacht, geweint und geschrien. Von Renate habe ich auch erzählt, irgendwann. Ohne Namensnennung, wie versprochen.
Die Frauen haben den Tisch reich gedeckt mit selbst gemachten Aufstrichen und Krapfen und Sekt. Kindergarten in der Vorstadt. Meine Auftragsgeberin, Betriebsrätin mit beeindruckender persönlicher Entwicklung und ebenfalls „Energiequellen-Erfahrung“ erzählt mir von Renates Tod, Lungenkrebs an einem Samstag im Jänner. Die Kolleginnen waren noch bei ihr. Da saß sie dann wieder neben mir, ein Gesicht voller Leben, viel weicher Körper, schön nur in der Gelebtheit nicht im herkömmlichen Sinn, aber umso mehr strahlten diese Augen voller Menschenliebe hinter den Brillengläsern, noch immer, eine rauchige Stimme und ein trockenes Lachen. Sie hat viel erreicht in ihrem Leben, ihrer Welt, ein paar Jahre der Ernte hätte ich ihr noch so gewünscht und ich werde die Augenblicke vermissen, in denen sie mich wahrlich willkommen an ihren weichen Busen gedrückt hat, ihre Stimme, ihr Lachen.Eine, die Renate heißt, kommt wieder. Bis dann.

Sie war im ersten Kurs. Sie hatte alles hinter sich. Renate, die Wiedergeborene. Wiedergeboren als starke, selbst bestimmte Frau, Betriebsrätin. Da, „weil ich alle Kurse besuche, lernen, lernen, lernen will, ausgebrannt war, andere schützen will.“ Sieben Leben, wie eine Katze, Tausend Tode. Mißbrauchtes Kind, Alkoholiker-Eltern, -Mann, Gewalt, Verletzungen und Vogel aus der Asche. Feuerladies heißt das Foto, dass wir damals geschossen haben und wir brennen …nicht aus sondern ewig.
Heute war wieder so ein Abschiedsabend mit Steinen, Murmeln und Gesprächen und den kleinen Mädchen, die wir einmal waren. Vier Abende zu drei Stunden hatten wir Leben und Lieben erkundet, wahr genommen, was Kraft gibt und raubt und uns ausgetauscht, Lebenswelten erschlossen, Strategien verglichen, geheime Zeichen vereinbart. Ich bin nur die Bergführerin, weiß, was zu tun, wenn das Wetter schlecht ist, weise auf Wunder hin und halte die Expedition bei Laune. Und wir sind wieder einmal weit gekommen: Die zukünftige Ex-Frau, die noch immer nicht von ihm lassen kann, die rumänischen Schwestern, so leidenschaftlich engagiert die Ältere, so lasziv gelassen die Jüngere, mein Sonnenschein, optisch fast geschlechstlos und little Buddah in der Simmeringer KiTa, die kleine Stille voll schlängelnder Schlauheit, die Abenteurerin, deren Mann unter Wasser und an der Theke als Buddy versagt. Gelacht, geweint und geschrien. Von Renate habe ich auch erzählt, irgendwann. Ohne Namensnennung, wie versprochen.
Die Frauen haben den Tisch reich gedeckt mit selbst gemachten Aufstrichen und Krapfen und Sekt. Kindergarten in der Vorstadt. Meine Auftragsgeberin, Betriebsrätin mit beeindruckender persönlicher Entwicklung und ebenfalls „Energiequellen-Erfahrung“ erzählt mir von Renates Tod, Lungenkrebs an einem Samstag im Jänner. Die Kolleginnen waren noch bei ihr. Da saß sie dann wieder neben mir, ein Gesicht voller Leben, viel weicher Körper, schön nur in der Gelebtheit nicht im herkömmlichen Sinn, aber umso mehr strahlten diese Augen voller Menschenliebe hinter den Brillengläsern, noch immer, eine rauchige Stimme und ein trockenes Lachen. Sie hat viel erreicht in ihrem Leben, ihrer Welt, ein paar Jahre der Ernte hätte ich ihr noch so gewünscht und ich werde die Augenblicke vermissen, in denen sie mich wahrlich willkommen an ihren weichen Busen gedrückt hat, ihre Stimme, ihr Lachen.Eine, die Renate heißt, kommt wieder. Bis dann.

katiza - 15. Feb, 23:05
3 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
570 mal erzählt