Heimaten
Wieder Innsbruck. Wie eine Touristin, eine Fremde, sitze ich in einem Straßencafe in der Altstadt mit Blick aufs „Goldene Dachl“. Asiatische Urlauber schießen heitere Gruppenbilder. Ob Japaner dabei sind, frage ich mich und wie es denn urlaubenden Japanern ging und geht in diesen Tagen, aber dann schiebe ich die Frage wieder weg und halte Ausschau nach bekannten Gesichtern, nach irgendjemand Vertrauten. Doch ich sehe nur Fremde und bleibe selbst fremd.

Wie anders waren die letzten Tage in der kleinen Stadt am See umgeben von Bergen. Ständig sind mir vertraute Gesichter begegnet wie es bei Tagungen eben so ist, wenn sich eine Menschengruppe über einen Ort ergießt, man trifft sich beim Hotelfrühstück, auf den Straßen, im Kongresszentrum, bei Essenseinladungen und schließlich spät nachts in den Bars und Diskos – und über allem liegt ein wenig Landschulwoche. Ich habe (m)einen Platz gefunden in der Arbeitswelt, als eine Art seltsamer Satellit im Dienst der guten Seite…
Und irgendwie habe ich mich in der anderen, fremderen Bergwelt dieser Tage geborgener, angekommen und mehr zu Hause gefühlt als hier in der Ursprungsheimat.
Und dann mit dem Steinmetz über das Vatergrab sprechen – es wird Zeit es in Auftrag zu geben. Durch die Gedanken der Mutter schleicht der Tod, die schwindenden Kräfte machen ihr Angst, der Lebenswille muss immer härter erkämpft werden. Nachts, wenn sie wach wird, so erzählt sie mir, plane sie nun eine Reise nach Äthiopien zu den Brunnen, die sie dort bauen lässt für Mimi mein Gotlkind, ihre Bauchmutter, die Frauen dort. Wie sie über Frankfurt nach Addis Abeba fliegt, stellt sie sich vor und von dort übers Land nach Jimma fährt. Alles malt sie sich aus, sogar die Kakerlaken und Wanzen im Hotel – „aber das ist halt so“ – und einen Reisebegleiter, weltgewand und klug genug für die kleine Expedition. Kurz biete ich mich an. Doch das hört sie nicht einmal. Und während wir – wie bei jedem meiner Besuche – den vertrauten Weg vom Friedhof in ihre Heimatstadt spazieren, erklärt sie mir, fest eingehängt in meinem Arm, dass es gut möglich wäre, dass sie dort sterbe in Äthiopien: „Dann lass mich gleich unten begraben.“ Unterwegs unterbricht sie sich immer wieder selbst mit den mir so vertrauten Ergänzungen und Erklärungen: Hier steht das Haus des tüchtigen Cousins, dort will ein schönes Stück Handwerk bewundert werden und da möchte sie nicht in einer Wohnung wohnen. Und dann, als wir unten ankommen, erklärt sie – wie stets: „Nach Wien könnte ich nicht mehr.“


Wie anders waren die letzten Tage in der kleinen Stadt am See umgeben von Bergen. Ständig sind mir vertraute Gesichter begegnet wie es bei Tagungen eben so ist, wenn sich eine Menschengruppe über einen Ort ergießt, man trifft sich beim Hotelfrühstück, auf den Straßen, im Kongresszentrum, bei Essenseinladungen und schließlich spät nachts in den Bars und Diskos – und über allem liegt ein wenig Landschulwoche. Ich habe (m)einen Platz gefunden in der Arbeitswelt, als eine Art seltsamer Satellit im Dienst der guten Seite…
Und irgendwie habe ich mich in der anderen, fremderen Bergwelt dieser Tage geborgener, angekommen und mehr zu Hause gefühlt als hier in der Ursprungsheimat.
Und dann mit dem Steinmetz über das Vatergrab sprechen – es wird Zeit es in Auftrag zu geben. Durch die Gedanken der Mutter schleicht der Tod, die schwindenden Kräfte machen ihr Angst, der Lebenswille muss immer härter erkämpft werden. Nachts, wenn sie wach wird, so erzählt sie mir, plane sie nun eine Reise nach Äthiopien zu den Brunnen, die sie dort bauen lässt für Mimi mein Gotlkind, ihre Bauchmutter, die Frauen dort. Wie sie über Frankfurt nach Addis Abeba fliegt, stellt sie sich vor und von dort übers Land nach Jimma fährt. Alles malt sie sich aus, sogar die Kakerlaken und Wanzen im Hotel – „aber das ist halt so“ – und einen Reisebegleiter, weltgewand und klug genug für die kleine Expedition. Kurz biete ich mich an. Doch das hört sie nicht einmal. Und während wir – wie bei jedem meiner Besuche – den vertrauten Weg vom Friedhof in ihre Heimatstadt spazieren, erklärt sie mir, fest eingehängt in meinem Arm, dass es gut möglich wäre, dass sie dort sterbe in Äthiopien: „Dann lass mich gleich unten begraben.“ Unterwegs unterbricht sie sich immer wieder selbst mit den mir so vertrauten Ergänzungen und Erklärungen: Hier steht das Haus des tüchtigen Cousins, dort will ein schönes Stück Handwerk bewundert werden und da möchte sie nicht in einer Wohnung wohnen. Und dann, als wir unten ankommen, erklärt sie – wie stets: „Nach Wien könnte ich nicht mehr.“

katiza - 27. Mär, 09:34
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