19
Feb
2009

Schwarzer Donnerstag

"Wer hat Angst vor'm schwarzen Mann?
NIEMAND!
aber wen er kommt?
Dann laufen wir davon!"

Zitiert Herr Yono im Zirkus des Herrn Direktor Alberti ein altes, selbst oft gespieltes Kinderspiel. Klingt mit Abstand betrachtet lustig in Bezug auf das traditionell "schwarz" regierte "Heil'ge Land", in dem ich aufgewachsen bin. Aber das fällt mir erst jetzt auf. Viel früher stellte ich mir den schwarzen Mann als einen aus der Schwarzmanderkirche vor. Ein ehernes Monster, das sich schwerfällig doch zielsicher auf mich zubewegt. Dass der Spielspruch etwas mit Schwarzen zu tun haben könnte, wurde mir erst später bewusst.

Als ich klein war, gab es Mohrenköpfe und Negerbrot. Nur die Negerküsse hießen Schwedenbomben. Ich las begeistert Onkel Toms Hütte und Huckleberry Finn. Im Fernsehen lief Roots und in meinem Kopf war ich ein wehrhaftes, dunkelschwarzes Sklavenmädchen.

Dort, wo ich herkomme, haben die kleinen Mädchen noch immer ganz selbstverständlich eine Negerpuppe. Ich hatte auch eine und meine Mutter vor mir.

Und während ich mich an meine kaum erinnere, habe ich die meiner Mama – wiewohl nie gesehen – ganz lebhaft vor dem inneren Auge. Negus hieß sie – "Wie der afrikanische König", erklärte Mama – und Gogus, das Gegenstück, das ihrer Cousine gehörte. Ganz ohne historischen Bezug.

Der Lieblingscousin möchte ein afrikanisches Kind adoptieren. In der Familie wird man da und dort unruhig. Ob es nicht arm wäre, das kleine Negerle, ah des darf ma ja nimma sagen, des schwarze Poppele in Tirol, fragen jene, die mit den Negerpuppen aufgewachsen sind, damals in den 1930ern. "Mohr im Hemd darf ma ja a nimmer sagen", sind sie gedanklich schon weiter: "Aber der Obama, der gfallt ma."

Und dann gibt es da noch die schwarzen Männer und Frauen, mit deren Liedern und Leben mich der Erstgeborene vertraut gemacht hat, der ja eine schwarze Seele in einem weißen Körper hat.

"Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?
NIEMAND!"


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Da da noch P., seinen Geruch, seine dunkle Haut werde ich nie vergessen.
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17
Feb
2009

Cosa Rosa: Nachsorgetermin

Heute war ich wieder dort, noch einmal nachsehen, ganz sicher gehen, auch wenn in den letzten beiden Wochen nichts zu spüren und schon gar nichts zu sehen war. Drei Stunden muss ich warten, eingezwängt zwischen alten Frauen und Kopftuchpaaren. Manchmal kann man die Angst fast wittern, die sie teilen: Sie, die kaum versteht und neugierig uns andere Frauen mustert, er, der die fremde Sprache ein wenig spricht, der die Situation aber nicht fassen kann. Zwei, drei mal springt er auf und beschwert sich wegen der langen Wartezeit. Aber wir anderen hiesigen Frauen, unbegleitet, müssen auch warten, das beruhigt ihn. Schließlich überlässt ihm seine Frau ihren Sitzplatz. Als sie endlich aufgerufen wird, ist er nicht da. Sie wartet in der Türe der Umkleidekabine vor dem Behandlungsraum. Sie lächelt, als er mit ihr eintritt.

Fünf Tage nach der Regel soll die Frau zur Mammographie kommen, teilt der dickliche, heitere Stationsgehilfe dem bärtigen, kleinen, dunklen Mann mit, und wiederholt diese Erklärung noch einmal lauter, als er den verwunderten Gesichtsausdruck sieht. Jetzt scheint der Mann zu begreifen, was gesagt wurde, verstehen kann er es nicht, verzweifelt blickt er sich um. Dann spricht er wieder flüsternd mit seiner Frau. Auch sie schaut verwirrt, schämt sich vielleicht ein bisschen, dass über diese Dinge gesprochen wird.

Als ich später wieder vor der Ärztin liege, nach minutenlangem neuerlichen Warten in einer dieser Kabinen, die man nur mit entblößtem Oberkörper verlassen darf, frage ich mich, wo die Männer stehen, während die Fremde mit dem seltsamen Gerät über die Brüste ihrer Frauen fährt, wo sie hinsehen? Auf den Busen, die Ärztin, den Bildschirm?

"Das sieht viel besser aus", sagt die Ärztin, als sie schließlich nach einiger Suche in Inner Space die Problemzyste wieder findet: "Da kommen Sie am besten in drei Monaten wieder, wenn Sie keine besonderen Beschwerden haben." "Ich mag meinen Busen", erklär ich ihr: "Sogar die Zysten." Das sei gut, meint sie, die beste Vorsorge den eigenen Körper zu mögen, sogar wenn er einem nicht gefällt: "Das ist, wie wenn ich ein hässliches Kind habe, das lieb ich doch auch." Mein Busen ist kein hässliches Kind, nicht einmal meine Zysten sehe ich als hässliche Kinder. Aber das sage ich nicht. Nur "Danke" und dass ich wieder komme.

Schnell verlasse ich das Krankenhaus, beim Hinausgehen seh ich keine Paare, keine Wartenden, nur Hinweisschilder.
Draußen schneit es und ich bin froh.

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15
Feb
2009

Spurensuche

So gerne hätte ich Kunst gemacht, irgendwas Unsterbliches, was bleibt. Und doch ist es mir nie gelungen. Die Gründe dafür sind wohl ebenso mannigfaltig wie einleuchtend: zu wenig Talent, zu wenig Zeit, zu wenig Engagement, zu wenig Konsequenz, zu wenig Leid, zu wenig Kraft.

Und so habe ich mich auf die Funktion der Muse beschränkt, um meine Spuren am Parnass zu hinterlassen. Stolz blicke ich zurück auf lautes Kreischen bei einem Live-Mitschnitt, zwei Danksagungen in längst vergriffenen Büchern, ein Zitat in einem jüngst erschienen, Credits am jüngsten Werk des Erstgeborenen – das ist mein Quäntchen an Unsterblichkeit.

Vielleicht hat der Sänger nach jener Nacht vor langer Zeit bei einem seiner Songs an mich gedacht, vielleicht hat der traurige, junge Dichter mir eines seiner verzweifelten Wortgewitter gewidmet, vielleicht hat der Maler seine Enttäuschung in Farben gegossen – das weiß ich nicht und muss ich auch nicht wissen.

Allein die Möglichkeit zählt in Fragen der Unsterblichkeit.

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10
Feb
2009

Soulfood and Soulmates

Freitag war es und zwar wirklich. Ein kleines Fest voll Reichtum und Wohlstand. Der Erstgeborene schenkte Schallplatten zum Geburtstag mit leichter Verspätung und umso mehr Seele. Sam Cookes wunderbare Welt und andere Kostbarkeiten. Ich hab Brot gebacken und Salat gemacht mit Avocado, Mango, Sellerie. Dazu tranken wir vom feinen Cremant, von der schwarzen Königin, und noch mehr. Schwarze Musik, schwarzer Humor und schwarze Gedanken zum Kärntner Wahlk(r)ampf.

Am nächsten Tag dann gleich noch einmal der Erstgeborene. Die zweite Wärmespendergala mit herzerwärmenden Suppen und ebensolcher Musik ging über die Bühne des Porgy&Bess. Viel gefiel: die schräge Gustav, Ernst Molden besser denn je und die Legende Karl Ratzer.

Mit dem Liebsten und mir eine Runde alter Freunde. Mit manchen von ihnen haben wir viel erlebt. Gemeinsam gearbeitet, gelebt, gesoffen, gefressen, Konzerte besucht, auf Fußböden übernachtet, auf Urlaub gewesen – und doch so fremd. Bin es ich, die auch die Freundin hinter einer Schicht aus flüssigem Glas, die aber kühl, nicht heiß ist, wahr nimmt? Ist es das veränderte Leben ohne Tischtuch? Oder einfach die Zeit, die uns entfernt hat, obwohl wir – dank Facebook – so gut über die Banalitäten unseres Alltags Bescheid wissen wie nie zuvor. Status Report statt Gefühlen. Später dann unten auf der Tanzfläche hab ich wieder gespürt, dass ich lebe und liebe. Noch immer.

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1
Feb
2009

Zen oder die Liebe

Allein mit der Mutter, ihrem Schmerz, ihrer Einsamkeit, ihrer Angst. Heute morgen die Erkenntnis: Es ist nicht anders als Sitzen. Einfach hinnehmen, annehmen, wozu Widerspruch, muss ich mich doch nicht verteidigen, sie wird mein Leben nicht ändern, dass sie es versucht ist legitim: Sie hat es mir geschenkt. Und so gehorche ich, nicht voreilig, eifrig und aufgeregt wie früher sondern auf Zuruf. Ich höre auf um meine Erinnerungen zu kämpfen. Auch wenn ihre anders sind, sind meine nicht mehr oder nicht weniger wahr. Wir trauern um denselben, doch jede hat ihre Trauer, jede spricht mit einem anderen, nur selten treffen wir uns. Wenn der Schmerz groβ ist, verletzt sie, das war schon immer so. Scharf und spitz werden ihre Worte dann, die sie erst nach mir und wenn das vergebens ist, nach jenen, die ich liebe, schleudert. Und doch sind diese wohlplatzierten Nadelstiche eigentlich nicht anders als das scheinbar unerträgliche Jucken an der Nasenspitze, der eingeschlafene Fuβ, wenn ich sitze. Ich atme aus. Sie ist meine Meisterin - nicht fragen, nicht widersprechen. Das hieβe nur den Affen Ego zu füttern.

Wer bin ich, zu glauben, dass ich die Mutter ändern kann, dass ich irgendjemanden,irgendetwas ändern kann. Die Zeit die uns noch bleibt, bleibt mir sie zu lieben.

Und Auszuatmen.

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28
Jan
2009

Maschinendichtung 0901: Ein ganz normaler Samstagnachmittag

Und wieder einmal Fremdarbeit aus dem Generator.

Ein ganz normaler Samstagnachmittag


Was blieb: ein Bach murmelt in C, endlch wieder Joachim-Ernst Behrendt lesen, alle Gold dieser Erde ergäbe einen Würfel, der unter den Pullover zu fahren und die Nägel.
das war besser in meinem Leben." Was, was du gesehnt, Dein, was du gestritten!
Sopran: O glaube: Du wardst nicht umsonst geboren!
Hast nicht umsonst gelebt, gelitten!
Chor: Was entstanden ist, das muss vergehen!
Was vergangen, auferstehen!

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27
Jan
2009

Glück und Glas

Wenn Väter und Söhne, Freundinnen und Seelenverwandte, gleich mehrere Generationen an einem großen Tisch mit Seele Gekochtes gemeinsam verspeisen, hat das immer etwas von einem Familienfest. Und so war es auch bei diesem Essen, das zu meinen Ehren statt fand. Viel Liebe habe ich erfahren, Wärme und Herzlichkeit. Und doch war es mir, als würden sie eine andere feiern, die wilde, lustige Grenzgängerin, die vom Kalenderbild des Vorjahres lacht.

Am Tisch saß die Tochter, die ihren Vater vermisst, der an einem Sonntag im September alle Sicherheit verloren ging, weggerissen wie in dem Zaubertrick, wo einer ein Tischtuch vom Tisch zieht und das Geschirr bleibt stehen. Man kann noch immer essen und trinken an dem Tisch, eine Milchkännchen ist vielleicht zerbrochen oder eine Zuckerdose, sonst hat sich wenig verändert. Der Klang vielleicht, Besteck und Gläser machen Geräusche, wenn man sie auf dem nun mehr unbedeckten Tisch abstellt, verschütterter Wein breitet sich aus, fließt vielleicht sogar zu Boden, würde mir das Glas aus der Hand fallen, würde es den Tisch beschädigen, wenn es an ihm zerschellt. Und davor habe ich Angst. Die Vatersangst, die mich sicher macht, während einer Rede, eines Vortrags, die mich zittern lässt im Gespräch mit Freunden.

Es könnte mir ja das Glas aus der Hand fallen. Es kann immer etwas zu Bruch gehen.
Und wenn es fällt und wenn es bricht, wird alles anders sein. Und nichts.


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19
Jan
2009

Vierer Pasch

44 ist eine fröhliche Zahl und ein wenig Fröhlichkeit könnte ich wieder brauchen in meinem so veränderten Leben. Daher gestern noch fröhlich gefeiert mit meinen beiden Lieblingsmännern und das Leben für ein paar Stunden rosa gesehen.

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Mock Turtle

Sit down, both of you, and don't speak a word till I've finished

Who sits there?

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Im Bilde

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Der Vater - der großartige Walter Deutsch ist am 13....
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katiza - 18. Feb, 16:53
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