Da-Heim
So fremd fühle ich mich in diesem Haus, in dem ich doch aufgewachsen bin. Doch nicht nur in diesem Haus. Es ist, als würde ich mich in fünf Stunden Zugfahrt in eine andere verwandeln. Die Reste meines "wirklichen" Lebens sind in meinem Handheld gesichert, E-Mails, Internet, Blogosphäre, Musik, Bilder, SMSe, Termine, Symbole eines andere Seins. Wenn ich hier bin, bin ich nur bei meiner Mutter. Ich rufe niemanden an, ich treffe niemanden. Retreat der Liebe.
Als ich ankam, hat der Föhn gestürmt. Der Wind war stets Anlass und auch Entschuldigung für kleine und grosse Dramen in diesem Haus. Du spürst den Föhn, ich hab den Föhn gespürt, Föhnnudel. Auch diesmal macht uns der Wind unruhig, wie er schon morgens an den Fensterläden des alten Hauses rüttelt. So rüttelt auch die Mutter an meinem Leben, meinen Lieben. Schnell und geschickt wirft sie ein paar scharfe Worte. Ich merke wie der Wind auch an mir zerrt, wie ich versucht bin mich dagegen zu stemmen, um dann endlich auszuatmen, loszulassen. "Entschuldigung", sagt sie beim Mittagessen - Sushi wohl mirzuliebe: "Dass ich so bös war heute früh." "Ach", antworte ich und: "Der Föhn."
Nur selten betrete ich mein altes Kinderzimmer, das 25 Jahre lang kaum verändert wurde, ein Mausoleum für die entschwundene Tochter. Aber war es je mein Zimmer? An den Wänden hängen neben Kunstpostern - Klimt und Toulouse-Lautrec - ein Astronaut und König Harald von Norwegen. Ich entdecke nur wenig Spuren meiner Jugend, fühl mich nicht wohl dort.
Lieber schlaf ich im Bett des Vaters, im Elternschlafzimmer. Seine Hemden hängen noch im Schrank, nicht viel hat sich in dem halben Jahr dort verändert. In einem Silberrahmen steht sein Foto. Dasselbe wie auf der Parte, wie auf dem provisorischen Holzkreuz auf seinem Grab. Er lacht.
Wir weinen seltener.

Als ich ankam, hat der Föhn gestürmt. Der Wind war stets Anlass und auch Entschuldigung für kleine und grosse Dramen in diesem Haus. Du spürst den Föhn, ich hab den Föhn gespürt, Föhnnudel. Auch diesmal macht uns der Wind unruhig, wie er schon morgens an den Fensterläden des alten Hauses rüttelt. So rüttelt auch die Mutter an meinem Leben, meinen Lieben. Schnell und geschickt wirft sie ein paar scharfe Worte. Ich merke wie der Wind auch an mir zerrt, wie ich versucht bin mich dagegen zu stemmen, um dann endlich auszuatmen, loszulassen. "Entschuldigung", sagt sie beim Mittagessen - Sushi wohl mirzuliebe: "Dass ich so bös war heute früh." "Ach", antworte ich und: "Der Föhn."
Nur selten betrete ich mein altes Kinderzimmer, das 25 Jahre lang kaum verändert wurde, ein Mausoleum für die entschwundene Tochter. Aber war es je mein Zimmer? An den Wänden hängen neben Kunstpostern - Klimt und Toulouse-Lautrec - ein Astronaut und König Harald von Norwegen. Ich entdecke nur wenig Spuren meiner Jugend, fühl mich nicht wohl dort.
Lieber schlaf ich im Bett des Vaters, im Elternschlafzimmer. Seine Hemden hängen noch im Schrank, nicht viel hat sich in dem halben Jahr dort verändert. In einem Silberrahmen steht sein Foto. Dasselbe wie auf der Parte, wie auf dem provisorischen Holzkreuz auf seinem Grab. Er lacht.
Wir weinen seltener.

katiza - 30. Mär, 16:00
1 Kommentar - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
546 mal erzählt
yonosequepasara - 1. Apr, 13:26
Heimkommen ist immer etwas eigen...
Allerdings hat meine Mutter nicht lange gefackelt, als unsere Kinderzimmer frei wurden... Außer ein paar Bildern an der Wand erinnert nichts mehr an uns...
Ach ja, der Fön. Immerhin willkommene Erklärungsgrundlage für die "Spinnereien" der Kinder...
Hauptsache warm.
---
Mir graut schon davor. Mein Vater lebt über 9.000 km weit weg. Ein Abschied wird dann, wenn es sein wird, nicht möglich sein.
Allerdings hat meine Mutter nicht lange gefackelt, als unsere Kinderzimmer frei wurden... Außer ein paar Bildern an der Wand erinnert nichts mehr an uns...
Ach ja, der Fön. Immerhin willkommene Erklärungsgrundlage für die "Spinnereien" der Kinder...
Hauptsache warm.
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Mir graut schon davor. Mein Vater lebt über 9.000 km weit weg. Ein Abschied wird dann, wenn es sein wird, nicht möglich sein.
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