14
Apr
2009

Traumreise

Es sei ihr letzter großer Wunsch an ein Leben, das ihr ihrer Meinung nach kaum Wünsche erfüllt habe. Und ihr wohl auch diesen nicht erfüllen wird. In vielen einsamen Stunden träumt sie von einer letzten großen Reise. Mit einem Menschen in einem Auto möchte sie nach Süden fahren, ohne Ziel, nur fahren, fahren, fahren. Ihre Medikamente würde sie zu Hause lassen, denn eigentlich soll diese Reise mit dem Tod enden. „Die Rezepte würde ich aber mitnehmen – falls…“ sagt sie manchmal.

Dem Menschen, ein Mann sollte es sein, gerne jünger, mit Niveau würde sie dann ihr Leben erzählen.79 Jahre, da kann man eine Weile fahren. „Und er würde mir aus seinem Leben erzählen.“ Würde er wohl, die Menschen sprechen gerne mit ihr und sie mit den Menschen.

Italien vielleicht, sie spricht die Sprache, auch Portugal käme in Frage. Das Meer. „Wo es uns gefällt, bleiben wir stehen.“

„Harold und Maude“ sagt ihr Friseur. Sie kennt den Film nicht. Ich mag den Film sehr, ich werde ihn ihr wohl vorspielen.
Ich kann ihr diesen Wunsch nicht erfüllen. Ich habe ihr viele Wünsche nicht erfüllt. Ich weiß nicht einmal, wie es mir gehen würde, hätte das Schicksal ein Einsehen und würde ihr einen Reisegefährten für die große Fahrt schenken. Doch ich spüre ihre Sehnsucht und ihre Kraft zu träumen. Sie ist meine Mutter. Ich liebe sie.

...and there's a million things to be...

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760 mal erzählt

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walhalladada - 14. Apr, 19:42

Niveauregulierung...

Fahren & Stehenbleiben - was kann es Wünschenswerteres geben, liebe Katiza?

katiza - 15. Apr, 08:42

Ach, wenn das Wünschen helfen würde...
ConAlma - 14. Apr, 20:34

Das abgebildete wäre auch ein wunderschönes Auto für eine solche Fahrt! Und was für ein schöner Traum ist das auch ...

katiza - 15. Apr, 08:43

Das Wiener Kennezeichen tät sie halt stören ;-)...
nanou - 14. Apr, 21:25

Meine erste Assoziation:
Vor Jahren las ich eine Geschichte, in der ein Münchner Taxifahrer von einer alten Dame beauftragt wird, sie nach Italien zu fahren ...
Die zweite:
Es ist mein erklärtes Ziel, am Ende meines Lebens nicht festzustellen, ich hätte gar nicht richtig gelebt und immer erst meine Pflicht erfüllt, um mir später mal etwas zu gönnen. Das finde ich furchtbar.
Die dritte:
Sie haben mich bestärkt, erneut eine Reise für meine Mutter und mich zu planen; erst vorgestern sprach ich davon. Nicht warten, bis es nicht mehr geht.

ConAlma - 14. Apr, 22:06

Mutterreise ist auch bei uns heuer ein Thema - wir schenken unserer Mutter zum Achzigsten je eine Reise an einen Ort ihres Lebens: das macht fünf Reisen, von Brünn über Großarl bis Bregenz.
katiza - 15. Apr, 08:46

ad 2) Ja - leider hat sie das eine oder andere mal die Pflichten und Regeln vor das Leben gestellt. Alle beide Eltern haben manches auf ein später verschoben, das es nicht gibt, weil die Kraft fehlt, die Gesu8ndheit, der Mut.
ad 3) Tun sie es jetzt.
books and more - 15. Apr, 10:06

Ja, diese Getrenntheit von den Eltern, die Unvertrautheit mit ihrem inneren Leben (mag man auch einiges wissen). Darüber denke ich auch hin und wieder nach, oder vielmehr: spüre den Stich. Und wie ist das mit mir selbst, als Vater meiner Töchter? Ein schmaler Grat zwischen der Freude zu sehen, wie sie ihr eigenes Leben leben (beim Waldlauf das Rad der kleinen Tochter in einem Gebüsch versteckt zu sehen; zu wissen, sie hat in der Waldschlucht dahinter ein schönes Treffen, einen schönen eigenen Nachmittag mit ihren Freundinnen; oben am Weg weiterzulaufen, vorbei, und sie zu lassen) - zwischen diesem Guten also und dem schmerzenden Gedanken manchmal, wie traurig die Trennung sei. Nicht mehr zu lesen, was sie liest, nicht ihre Gedanken zu kennen, fremde eigene Welt. Und die Frage, wie das für sie wohl sei oder einmal sein wird.

Ein Getrenntsein, das vielleicht nur in der Liebe überwunden wird.
Oder gar: ein Getrenntsein, mit dessen Heilung man selbst die Liebe überfordert; das andere Wege braucht und andere Heilungen. Der Gegenbegriff zum Getrenntsein und die Suchrichtung wäre dann so etwas wie 'Einssein' und der Augenblick.

Herzlich
B&M

katiza - 16. Apr, 07:28

Lieber Books,
ich glaube, wenn Eltern und Kinder sich mit Liebe und Respekt betrachten können, dann ist das Getrenntseinganz OK und muss gar nicht so sehr überwunden werden - es reicht die Liebe. Aber ohne die Liebe?Auch die Unvertrautheit mit ihrem inneren Leben ist für mich erträglich, ich war manchmal auch zu früh vertraut mit dem inneren Leben der Mutter, das war schwieriger für mich.
schneck08 - 15. Apr, 23:13

und irgendwann dann liegt die betonung beim "noch einmal" nicht auf dem 'noch', sondern auf dem 'einmal'. wie wird man einst selbst damit umgehen?

katiza - 16. Apr, 07:30

Das frage ich mich manchmal...ich hoffe, es gelingt mir ein Leben lang "jetzt "statt "noch einmal" zu denken/leben.
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