Bali: Götter und Dämonen
Das Meer ist eine Frau, eine Göttin. Das weiß ich schon lange und so war es für mich gar nicht verwunderlich, dass meine erste Begegnung mit dem Meer hier in Bali ausgerechnet an jenem Abschnitt des Strands von Seminyak statt findet, der religiösen Zeremonien gewidmet ist. Eine größere Gruppe weiß gekleideter Menschen hat sich dort unter Fahnen und Baldachinen versammelt. Musik und Trommeln weithin hörbar. Ganz vorne, dort, wo das Meer den Strand küsst kniet eine Frau mit Opfergaben, zwei weitere – Schwestern, Freundinnen? – stehen bei ihr. Alles ist richtig in diesem Augenblick.
Und das Meer, die See zeigt sich im Sonnenlicht in all ihrer Göttlichkeit. Sie glänzt silbern und mächtige Wellen rollen an den Strand zu und spielen zärtlich um unsere Füße, nur um sich wieder zurückzuziehen und mit neuer Wucht auf uns zu zu rasen. Ihre Kraft taucht alles in einen sanften Sprühnebel. Gefahr und Verführung ganz eng beieinander . An Schwimmen ist nicht zu denken, sie würde einen mitnehmen, die Meeresgöttin, einfach eine weitere Opfergabe neben den vielen kleinen mit Blumen gefüllten Palmkörbchen, die sie sich geholt und verschlungen hatte.
Am Strand stehen und sitzen schöne junge Balinesen, allein, selten nur zu zweit. Sie tragen Straßenkleidung, rauchen und schauen aufs Meer. Später sehen wir den einen oder anderen wieder – in Begleitung von Urlaubern, einsamen Männern. Einer davon hat sogar seine Hand um seine „Beute“ gelegt. Die Geste scheint dem jungen Mann unangenehm, nur die Geste.
Ich denke an Walter Spies, der in den 30er Jahren hierher gekommen war, voll Sehnsucht nach der Schönheit dieser Menschen, die er auf Fotografien gesehen hatte. Auf der Insel, auf der die Liebe zu Männern kein Tabu war – sondern „ein ganz normaler Zeitvertreib unter unverheirateten jungen Männern“, wie die Anthropologin Margaret Mead bestätigte -, lebte er 15 glückliche Jahre und prägte wie kaum ein anderer den Mythos Bali. Und wer es sich leisten konnte, machte sich auf, das Paradies mit eigenen Augen zu sehen: Charlie Chaplin, Noel Coward, Barbara Hutton oder Vicki Baum, die von Spies bei den Recherchen zu „Liebe und Tod auf Bali“ unterstützt wurde.
„Manchmal wird mir ein wenig schwindlig bei dem Gedanken, daß unsere kleine Insel, so alt, so einzigartig, so paradieshaft noch trotz aller Neuerungen, daß dieses unverdorbene Stück Erde durch Flugzeuge und große Dampfer und Touristenreklame so nah an all das übrige herangezogen worden ist,“ lässt Baum im 1937 erschienenen Roman Dr. Fabius sagen.70 Jahre später ist die Welt längst in Bali angekommen und Bali in der Welt. Immer mehr Reisfelder würden zugunsten von Bungalowanlagen weichen, erklärt Made, der uns von Seminyak nach Ubud fährt. Er ist mit Birgit verheiratet, einer Österreicherin, die unsere Reise hier organisiert. Seid auch Balinesen Kredite aufnehmen dürfen, würde sich jeder ein Moped kaufen, erklärt er den chaotischen Verkehr. Und so ein Moped bietet auch Vielen Hoffnung am Tourismuskuchen mitnaschen zu können. „Taxi, Driver, Transport“ bieten die Burschen und Männer lächelnd an, die auf den Straßen Ubuds sitzen, egal, ob man ihrem Nachbarn gerade mit No abgewinkt hat. Einer hat ein Schild: „You need transport?“ staht drauf in Großbuchstaben. Als ich den Kopf schüttle, dreht er es um „Maybe tomorrow?“ steht auf der anderen Seite. Er freut sich an unserem Lachen wie an einem gelungenem Streich.
Die Götter und Dämonen aber sind nach wie vor allgegenwärtig in Bali. Überall stehen Tempel und selbst vor den In-lokalen und Edelboutiquen in Seminyak liegen täglich Opferkörbchen. Immer gefüllt mit Blumen und kleinen Aufmerksamkeiten für die Dämonen: bunten Reis, Zigaretten, Crackern, Pfefferminzbonbons, sogar einem Gläschen Schnaps. Die Verkäuferin in der Boutique flicht kleine Kunstwerke aus Palmblättern – for my ceremony – während sie auf Kunden wartet. Weiter oben, auf kleinen Plattformen wird den Göttern geopfert. Täglich Göttern und Dämonen, dem Guten und Bösen, das in uns steckt, mit Opfern und Wertschätzung zu begegnen, gehört auch im modernen Bali zum Leben, erklärt uns Birgit und erzählt von Jenen, die auf der Suche nach dem Paradies hierherkamen und nicht dazu bereit waren: Sie würden krank, verrückt oder beginnen zu trinken. In ihrem Gästehaus sitzen wir abends auf der Terrasse und hören das Spiel der Gamelan-Orchester, die in dieser Vollmondnacht die Tänze im Hof des benachbarten Agung Rai Museum of Art begleiten.

Und das Meer, die See zeigt sich im Sonnenlicht in all ihrer Göttlichkeit. Sie glänzt silbern und mächtige Wellen rollen an den Strand zu und spielen zärtlich um unsere Füße, nur um sich wieder zurückzuziehen und mit neuer Wucht auf uns zu zu rasen. Ihre Kraft taucht alles in einen sanften Sprühnebel. Gefahr und Verführung ganz eng beieinander . An Schwimmen ist nicht zu denken, sie würde einen mitnehmen, die Meeresgöttin, einfach eine weitere Opfergabe neben den vielen kleinen mit Blumen gefüllten Palmkörbchen, die sie sich geholt und verschlungen hatte.
Am Strand stehen und sitzen schöne junge Balinesen, allein, selten nur zu zweit. Sie tragen Straßenkleidung, rauchen und schauen aufs Meer. Später sehen wir den einen oder anderen wieder – in Begleitung von Urlaubern, einsamen Männern. Einer davon hat sogar seine Hand um seine „Beute“ gelegt. Die Geste scheint dem jungen Mann unangenehm, nur die Geste.
Ich denke an Walter Spies, der in den 30er Jahren hierher gekommen war, voll Sehnsucht nach der Schönheit dieser Menschen, die er auf Fotografien gesehen hatte. Auf der Insel, auf der die Liebe zu Männern kein Tabu war – sondern „ein ganz normaler Zeitvertreib unter unverheirateten jungen Männern“, wie die Anthropologin Margaret Mead bestätigte -, lebte er 15 glückliche Jahre und prägte wie kaum ein anderer den Mythos Bali. Und wer es sich leisten konnte, machte sich auf, das Paradies mit eigenen Augen zu sehen: Charlie Chaplin, Noel Coward, Barbara Hutton oder Vicki Baum, die von Spies bei den Recherchen zu „Liebe und Tod auf Bali“ unterstützt wurde.
„Manchmal wird mir ein wenig schwindlig bei dem Gedanken, daß unsere kleine Insel, so alt, so einzigartig, so paradieshaft noch trotz aller Neuerungen, daß dieses unverdorbene Stück Erde durch Flugzeuge und große Dampfer und Touristenreklame so nah an all das übrige herangezogen worden ist,“ lässt Baum im 1937 erschienenen Roman Dr. Fabius sagen.70 Jahre später ist die Welt längst in Bali angekommen und Bali in der Welt. Immer mehr Reisfelder würden zugunsten von Bungalowanlagen weichen, erklärt Made, der uns von Seminyak nach Ubud fährt. Er ist mit Birgit verheiratet, einer Österreicherin, die unsere Reise hier organisiert. Seid auch Balinesen Kredite aufnehmen dürfen, würde sich jeder ein Moped kaufen, erklärt er den chaotischen Verkehr. Und so ein Moped bietet auch Vielen Hoffnung am Tourismuskuchen mitnaschen zu können. „Taxi, Driver, Transport“ bieten die Burschen und Männer lächelnd an, die auf den Straßen Ubuds sitzen, egal, ob man ihrem Nachbarn gerade mit No abgewinkt hat. Einer hat ein Schild: „You need transport?“ staht drauf in Großbuchstaben. Als ich den Kopf schüttle, dreht er es um „Maybe tomorrow?“ steht auf der anderen Seite. Er freut sich an unserem Lachen wie an einem gelungenem Streich.
Die Götter und Dämonen aber sind nach wie vor allgegenwärtig in Bali. Überall stehen Tempel und selbst vor den In-lokalen und Edelboutiquen in Seminyak liegen täglich Opferkörbchen. Immer gefüllt mit Blumen und kleinen Aufmerksamkeiten für die Dämonen: bunten Reis, Zigaretten, Crackern, Pfefferminzbonbons, sogar einem Gläschen Schnaps. Die Verkäuferin in der Boutique flicht kleine Kunstwerke aus Palmblättern – for my ceremony – während sie auf Kunden wartet. Weiter oben, auf kleinen Plattformen wird den Göttern geopfert. Täglich Göttern und Dämonen, dem Guten und Bösen, das in uns steckt, mit Opfern und Wertschätzung zu begegnen, gehört auch im modernen Bali zum Leben, erklärt uns Birgit und erzählt von Jenen, die auf der Suche nach dem Paradies hierherkamen und nicht dazu bereit waren: Sie würden krank, verrückt oder beginnen zu trinken. In ihrem Gästehaus sitzen wir abends auf der Terrasse und hören das Spiel der Gamelan-Orchester, die in dieser Vollmondnacht die Tänze im Hof des benachbarten Agung Rai Museum of Art begleiten.

katiza - 11. Aug, 08:41
2 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
1424 mal erzählt
Jossele - 11. Aug, 18:43
Ist immer ein bisserl Eindringen dabei wenn wir uns das Ferne zu eigen machen versuchen.
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