Der Anfang vom Ende
Drei Monate sind nun vergangen seit jenem 12. Dezember, an dem die telefonisch mitgeteilte Diagnose des Gesundheitszustandes meiner Mutter mein Leben wie eine Schneekugel durchschüttelte. Drei Monate, die ich mehr in der fremden Heimat in den Bergen als in meinem wohlig eingerichteten Leben zu ebener Erd und im vierten Stock verbracht habe. Viel zu viele Nächte im Elternschlafzimmer, aus dem meine Mutter schon vor Jahrzehnten ausgezogen ist, in dem mein Vater das letzte Mal erwacht ist.

Es bleibt uns nicht mehr viel Zeit, sagen die Ärzte, mit denen ich einst auf Teenager Parties geflirtet habe. Verliebt waren sie in mich, berichtet die Mutter stolz – so schöne blonde Haare hatte ich, setzt sie hinzu. Das letzte Weihnachten, sagt der eine von ihnen und ich verbringe es im Krankenhaus im Bett neben ihr. „Wir haben schon schlimmere Weihnachten gehabt“, sind wir uns einig bevor wir einschlafen.

Der 1. Offizier aber kommt mit einem Bäumchen im Koffer und schenkt mir Weihnachtsfrieden. Den Jahreswechsel verbringe ich daheim am Vorderdeck; gestohlene Zeit, am 31. Dezember vier Stunden Zugfahrt heim, am 1. Jänner ebenso lange retour. Ich habe Halsweh, es schnürt mir die Kehle zu. Die Mutter wird unterdessen mit Medikamenten beruhigt, sie sollen ihr Schlaf geben. Sie brüllt wohl die Nächte durch im Krankenhaus. Ich erschrecke, als ich wieder bei ihr ankomme, direkt vom Bahnhof sie ist kaum ansprechbar, weint nach ihrer Mutter: „Mamamamamama bitte hilf mir.“ Mich nimmt sie kaum wahr. Ihre Augen machen mir Angst, ganz kalt. Und ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich sie allein gelassen habe.

Einmal ruft mich die Mutter der Schwiegercousine an, ich warte gerade auf den Bus, wie jeden Morgen am Weg zu Mama ins Krankenhaus. Wie jeden Tag gehe ich über das Galgenfeld zum Krankenhaus, den Weg, den sie so ot gehen musste als kleines Mädchen, wie sie uns immer wieder erzählt. Mama habe sie angerufen, sagt sie und dass es ihr schlecht geht und dass sie mich anrufen soll. Sofort versuche ich sie zu erreichen, sie hebt nicht ab. An diesem Tag haste ich den Weg entlang, pansch. Als ich im Krankenhaus ankomme spaziert sie mit dem Lieblingspfleger den Gang entlang. „Mama, um Himmels Willen, was ist los?“ “Mir war langweilig“, sie grinst schelmisch.

Sie kann sehr liebenswürdig sein, dem Lieblingspfleger schenkt sie einen Buddha-Kopf aus Holz, Jose, der sie zur CT bringt bekommt 50 Euro und soll in Brasilien an einer Bar am Meer einen Kaipirinha für sie trinken, meine Tochter kämpft für euch, erklärt sie dem Krankenhauspersonal und dass N4estle böse ist. Nur wenn ich spreche, reagiert sie genervt. Zu laut sei ich und ein Scharlatan.

Es bleibt uns nicht mehr viel Zeit, sagen die Ärzte, mit denen ich einst auf Teenager Parties geflirtet habe. Verliebt waren sie in mich, berichtet die Mutter stolz – so schöne blonde Haare hatte ich, setzt sie hinzu. Das letzte Weihnachten, sagt der eine von ihnen und ich verbringe es im Krankenhaus im Bett neben ihr. „Wir haben schon schlimmere Weihnachten gehabt“, sind wir uns einig bevor wir einschlafen.

Der 1. Offizier aber kommt mit einem Bäumchen im Koffer und schenkt mir Weihnachtsfrieden. Den Jahreswechsel verbringe ich daheim am Vorderdeck; gestohlene Zeit, am 31. Dezember vier Stunden Zugfahrt heim, am 1. Jänner ebenso lange retour. Ich habe Halsweh, es schnürt mir die Kehle zu. Die Mutter wird unterdessen mit Medikamenten beruhigt, sie sollen ihr Schlaf geben. Sie brüllt wohl die Nächte durch im Krankenhaus. Ich erschrecke, als ich wieder bei ihr ankomme, direkt vom Bahnhof sie ist kaum ansprechbar, weint nach ihrer Mutter: „Mamamamamama bitte hilf mir.“ Mich nimmt sie kaum wahr. Ihre Augen machen mir Angst, ganz kalt. Und ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich sie allein gelassen habe.

Einmal ruft mich die Mutter der Schwiegercousine an, ich warte gerade auf den Bus, wie jeden Morgen am Weg zu Mama ins Krankenhaus. Wie jeden Tag gehe ich über das Galgenfeld zum Krankenhaus, den Weg, den sie so ot gehen musste als kleines Mädchen, wie sie uns immer wieder erzählt. Mama habe sie angerufen, sagt sie und dass es ihr schlecht geht und dass sie mich anrufen soll. Sofort versuche ich sie zu erreichen, sie hebt nicht ab. An diesem Tag haste ich den Weg entlang, pansch. Als ich im Krankenhaus ankomme spaziert sie mit dem Lieblingspfleger den Gang entlang. „Mama, um Himmels Willen, was ist los?“ “Mir war langweilig“, sie grinst schelmisch.

Sie kann sehr liebenswürdig sein, dem Lieblingspfleger schenkt sie einen Buddha-Kopf aus Holz, Jose, der sie zur CT bringt bekommt 50 Euro und soll in Brasilien an einer Bar am Meer einen Kaipirinha für sie trinken, meine Tochter kämpft für euch, erklärt sie dem Krankenhauspersonal und dass N4estle böse ist. Nur wenn ich spreche, reagiert sie genervt. Zu laut sei ich und ein Scharlatan.
katiza - 14. Mär, 21:49
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516 mal erzählt
la-mamma - 15. Mär, 01:11
bitte hab kein schlechtes gewissen, mehr als du tust, kann man gar nicht tun. ich denk an dich!
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