19
Apr
2010

Zerfall

Erst war es sein Computer, dann der eine Monitor, zwischendurch die Avokadopflanze und schließlich meine Festplatte, die den Geist aufgab und mich fast zwang mit Netbook, Monitor und Tatstatur zu übersiedeln. Der Laptop hörte nur Tage später au,f verlässlich seinen Dienst zu tun und dann ist da noch das Licht im Backrohr, das nicht mehr leuchtet. Selbst die Narzissen – geschenkt im Bemühen – begannen bereits kurz nachdem sie in einer Vase auf meinem Schreibtisch Platz gefunden hatten, zu verblühen.

Es ist ein großes Enden hier drinnen und draußen ist Frühling.

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13
Apr
2010

Und ich?

Im Foyer des Planetariums tanzen eine blonde Elfe und ihr Faun zu Brasil, während sie auf ihre Garderobe warten. Junge Menschen, höchstens Anfang 20 und beide klein und zart gewachsen, sie in einer blauen Tunika, schönes, langes, blondes Haar, er mit modischen Bärtchen. Es wirkt, als wäre die Musik für die beiden geschrieben und ihre Bewegungen versprechen einander noch viel für diese Osternacht. Es ist ein magischer Moment, den ich da betrachten darf, einen Cocktail in der Hand, an der Wand hinter dem DJ-Pult lehnend. Neben mir der Gatte. Der Erstgeborene ist längst wieder im Getümmel verschwunden. Der Faun lässt sich das Plattencover zeigen, vielleicht wird es „ihr“ Lied. Und dann versagt mein Kreislauf.

Tage später beim Erstgeborenen roll ich mich behaglich auf meinem Musenpodest zusammen. Wieder und wieder wird das Jahrhundertprojekt verändert. Eartha Kitt mit „C`est si bon“ kommt dazu – „Keine Ahnung, wo das her kommt, aber es muss rein“, erklärt der Erstgeborene.

Bilder tauchen auf von einer kleinen Bühne vor 25 Jahren. Woody Allens "Gott, ein Drama" und "C`est si bon“ von Spike Jones ist Pausenfüller, von uns im Playback hüftschwingend und fingerschnippend vorgetragen…

“Oh ja“, sag ich: “Es muss.“ Stolz zeigt mir der Erstgeborene einen Tonbandabschließer. Es ist Freitag.

Und ich?
Zu viel vom zu wenig!

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1
Apr
2010

Welcome to the wonderland

Das Wetter war, glaube ich, ähnlich, gestern vor 20 Jahren, als ich im Auto unterwegs in mein heutiges Leben war, regnerisch trüb. Ich war unterwegs nach Bratislava, um dort Privatradio zu machen. In Österreich war das damals nicht möglich, wegen der Monopolstellung des ORF und so mussten wir in die Stadt hinter dem eisernen Vorhang, der erst kurz zuvor hochgegangen war, ausweichen. Wir: ein Häufchen Irre, handverlesen.

Ich hatte bereits Radioerfahrung, beim Monopolisten im Regionalfunk, manchmal sogar ein Beitrag österreichweit und war dabei als Seitenblickerin Fuß zu fassen und kellneriert habe ich auch noch, als mir die Anzeige in die Hände gefallen ist, mit der GR ein Team für einen neuen Radiosender suchte. GR, dessen Brummton im „Wecker“ mich für die Schule geweckt hat. Mr. Hard Rock, der mir so manches „Scheibchen“ nahe gebracht hat. Und Radio, das geliebte Medium, das durch die Ohren in den Kopf dringt und zärtlich Bilder aus dem Gehirn massiert. Ganz wild und neu und nicht öffentlich rechtlich, wie ich es kannte, mit Tontechnikern in weißen Mäntelchen und gefährlichen Intrigen.

Ich hatte es geschafft, drei Castingrunden überstanden, inklusive Kampftrinken und saß an diesem Samstagmorgen in meinem weißen R4 und hörte die vertraute Stimme auf 101,8 Megaherz. Zugegeben der Opener war ein wenig peinlich…aber es folgten die wohl schönsten Jahre meines Lebens. Sex&Drugs&Rock’n Roll – was waren wir für eine einzigartige Mannschaft, die im noch ostblockgrauen Bratislava arbeitete, lebte und liebte.

Der Altvater GR, der so manchen Rausch dirket auf der Redaktionscouch ausgeschlafen hat, der uns erwählt und zusammengeschweißt hat, „Moderatoren bekommen Schweigegeld. Ihr seid Wurstsemmelverkäufer, nicht mehr. Zeit ansagen.“ Der große weiße Vogel, seine tierverrückte Assistentin, blond und lang beinig , von ihm verehrt, heiter und gütig, die Wüstenspringmäuse, die Perserkatze. Fatzka. Der Kopf des schönen Herrn G. auf meinem Schoß. Herr Locke und die Liebe. Pete, the animal, und Rudi Rüpel, beide mit Austropopvergangenheit. Der Wurmige mit seinen Frauen und später der Schurl als Chef und der Stadelmann. Hermine mit so viel Seele und das kehlige Lachen von Doris, Püppchen schien sie mir und ist so eine tolle Frau geworden. Marieli und Herr F. Und Pippi. Und Miss As Küsse. Und Axel, der fein gebildete und Sträußel, unsere Techniker der schlaue Jan, die aufgeweckte Vera und Roman, der Ruhige… und …und… und…Frühschichten und Schneechaos, Vyprazany syr und Becherovka, Ronnie Urini und Ballroom Blitz und die Sweet selbst, lieve in Bratislava am 1. Mai 1990 - alte Männer in engen Hosen...und ..und…und heiße Küsse und tanzen am Tisch, sich unter den selbigen trinken, Huren und Pabstbesuch…Leben im Hotel, in Wohnungen in Häusern und manchmal in Wien. Meist dazwischen. Der Liebste seit damals an meiner Seite, und auch den Erstgeborenen habe ich dort wieder gefunden, im Wonderland.

Und Radio machen, Radio machen, Radio machen: chaotisch, improvisiert, erfindungs- und einfallsreich, mit Lachkrämpfen und Spontanübersetzunegen, Beitragsübermittlung aus der Telefonzelle und heruntergebrochene Tonbänder, ganz nah bei den HörerInnen, auch wenn wir im Bauch der umgekehrten Pyramide, das ferne Wien nur ahnen konnten. Wir fühlten uns ein wenig wie PiratInnen und die Leute mochten uns. Wir bekamen Fan-Post und gute Quoten, auch denn es der ORF nicht wahr haben wollte.

Später dann gings auf und ab, mit der Bezahlung, mit den slowakischen Regierungen, mit dem Sender. Als wir in Mörtels Einkaufszentrum übersiedelten, war ich nicht mehr dabei.

Viele der Menschen von damals sind mir geblieben, sie und die Erinnerungen an "Mein privates Radio!"

Skandal
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26
Mrz
2010

Bucheckern

„Buchecker", antwortete ich sofort, als mich die Metallbildhauerin aufforderte ein Symbol für mich in der Natur zu finden und ich beschrieb ihr den kleinen Fingerhut, innen samtweich außen rau, fast stachelig. Nahrung könne daraus werden, wenn die weise Frau das kleine Mädchen lehre, die Bucheckern einzusammeln und zu mahlen, versicherte ich ihr, mehr ahnend als wissend.

Als ich wenige Tage später in der Schmiede der Meisterin der stahlharten Liebe zur Seite stehen durfte, fand ich viele Bucheckern am Boden. Sie half mir, doch es fühlte sich wie Zermahlen werden an. Nicht nur eine Schmiede gibt es dort, auch Mühlen, neben einer wohnt sie gar, auch sie betrieben von heilsamen Tränenströmen.

Abends dann ein gutes Essen, gekocht von einem, der Wohlgemutheit auf seine Fahnen heftet.

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25
Mrz
2010

Eine Bitte:

Ihrsolltelachen
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24
Mrz
2010

treffpunkt TANZ im pfarrsaal

Heute schon was vor?

Tanzim-Pfarrhaus
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16
Mrz
2010

Und was sagt Jesus 2010?

Jesusu2010

Teufel auch, da wird man im Vatikan aber ganz schön staunen.



"Mehr kann ich im Nachhinein leider nicht tun...."
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14
Mrz
2010

…sing nicht ihre Lieder…

Lachen mit dem Erstgeborenen und Herrn Doppel T - Herzeblut-Muffins und immer wieder die Schmuddelkinder. Die 1960er Jahre ergreifen uns drei stets besonders, die Zeit rund um das eigene Werden, die eigene Geburt. Wieviel von diesen Melodien und Stimmen, Songs und Reportagen haben wir damals schon gehört, unbewusst wahr genommen? Den Degenhardt habe ich jedenfalls viel später bewusst gehört, an einem besonderen Abend. Erst als mir der Erstgeborene seine Geschichte zu diesem Lied erzählt, entsinne ich mich meiner, die doch immer irgendwie da ist, da war, wenn der Song läuft.

Damals hatte ich zwei Adjudanten, Theaterfreunde, beste Freunde, Kommunist der eine, im Pfarrgemeinderat der andere. Eine Zeitlang waren wir unzertrennlich, ich war Publikum ihrer Diskussionen, war Versuchskaninchen für Psychologisches und Gruppendynamisches, das sie auf der Uni gerade gelernt hatten - Lehramt, der Kommunist, Jus der Katholik - und hab im Gegenzug meine sexuelle Anziehungskraft an ihnen ausprobiert – nicht ohne stetig zu betonen, dass ich um unser Freundschaft willen, keinen von beiden erhöhren könne, wolle.

An jenem Abend waren wir beim Kommunisten daheim, in der bürgerlichen Wohnung seiner Eltern, er, der Katholik und C, der ein paar Monate später, der erste Mann war mit dem ich geschlafen habe. Er war ein schöner Mann, androgyn, auch am Theater, Objekt der Begierde unseres Prinzipals. Sie hätten einmal eine Beziehung gehabt, wurde gemurmelt, verrieten mir meine Freunde. Er hatte die Dietrich gespielt. Jetzt war er Regieassistent bei dem Stück, in dem wir drei auftraten. Kassetten liefen mit Italienischem, Buona Notte, Fiorellina , Avanti Populi, Wolf Biermann und schließlich Degenhardt sangen für uns an diesem Abend, selbstgewuzelte, ein Hauch von Gras. Ich lag am Boden, ein wenig betrunken, die Beine weit über meinen Kopf an ein Bücherregal gelehnt. C. neben mir, seitlich auf seine Hand gestützt, er betrachtete mich, Schneewittchenwimpern über braunen Augen, wir sprachen über Theater, verstecktes Theater, glaub ich. Ich spielte mit einer großen Tixorolle, rollte sie über meinen Körper bis hinauf zu den Zehenspitzen und wieder retour, ich hob wohl das Becken dabei, im Rhythmus der Musik. Es muss gewirkt haben, denn C küsste mich und das hat gewirkt. Ich hab ihn dann, Monate später, gebeten mit mir zu schlafen. Wir hatten keine Beziehung, nicht mal ein richtiges Verhältnis, wir hatten Sex, hin und wieder...und ich liebte ihn lange Jahre dafür.

All das und mehr sehe ich, immer wenn die Schmuddelkinder laufen und mir der Erstgeborene Türen in meine Leben öffnet…Sie geben mir Trost die Kopffilme, die vom ungeheuren Reichtum an Erlebtem erzählen, den mein Leben über mir ausgegossen hat.

„Am Morgen noch Traube / am Mittag Rosine / am Abend schon Wein", singt Biermann in meinem Kopf.

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Mock Turtle

Sit down, both of you, and don't speak a word till I've finished

Who sits there?

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Im Bilde

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