26
Okt
2010

Full Body Talk

Gierig trinke ich das Leben. Freitagnachmittag die zweite Kampf-Kunst Stunde. Zwar stellt sich wieder das ungeschickte-Mädchen-Gefühl ein, wenn ich mich anstelle wie die kmische Nummer im Ballett. Zu viel Kopf, zu viel Spiegel, links und rechts, uff. Und die Angst die freundlichen fremden Trainingspartnerinnen zu nerven mit eben dieser Ungeschicklichkeit, zu verletzen, weil ich viel zu viel Kraft in das Aneinandervorbeigleiten lege, so das es zum Rempeln wird. Tollpatschig, im wahrsten Sinn des Wortes. Und dann doch wieder die Momente, wo es fließt und mich der Rhythmus führt und der Schweiß und die Kraft und das Lächeln in den Augen gegenüber.

Zuhause dann die Schwiegercousine auf Psychologieseminar ein eigenes Problem im Gepäck. Ganz ärgerlich ist sie über eine große Chance, die sich ihr bietet, traut sich im Beruf all das nicht zu, was sie privat so gut beherrscht, hat Angst vor den Möglichkeiten. Es macht Spaß ihren Blick auf die Habenseite zu lenken, sie aus der Reserve zu locken, ihren Kampfgeist zu wecken, fast wie das Spiel der Fäuste, nur gleitender, seltener grob, Trainingspartnerin.

Und um Mitternacht im Planetarium. Der Club feiert Geburtstag und Abschied. Bei all den schönen Frauen schon im Foyer, zweifle ich kurz, ob ich richtig angezogen bin. Ein Kleid, schlicht grau-schwarz, eng mit durchgehendem Reißverschluss, knapp über Knie kurz, ein wenig Dekolletee langärmlig mir hohen, schwarzen Schnürschuhen. Der Erstgeborene legt bereits auf und die Musik erfasst meinen Körper. Ich tanze, tanze, tanze, die Schuhe schmerzen, die erst am Nachmittag so beanspruchten Muskeln ebenfalls, der Schweiß fließt, aber die Musik erfasst mich Song für Song von neuem reißt mich mit bewegt meinen Körper. All die schönen Menschen, gierige Blicke, Körper, die im Takt von Soul, Funk, R&B zueinander sprechen, einander lieben, ohne sich zu berühren. Ohne zu berühren, muss ich mehrmals klar stellen, denn die Männchen reiben sich an mir, ich genieße auch das. Da und dort vertraute Gesichter, Wohnzimmergeschöpfe, Soulkinder, Tanzpartner, Trinkgefährten, Freundinnen aus anderen Welten. Fixstern im Planetarium und im Morgengrauen nach Hause, dort wo die Welt aus der Achse ist.

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25
Okt
2010

Soulkinderstube

Vielleicht tatsächlich ein Journal führen, tägliche Einträge, wie bei Frau Koma, der Lesenswerten, das Leben wiegen, während man es lebt und nicht die Momente schilderbarerer Lust und Qual in Worte gießen und die kleinen kostbaren Wirklichkeiten im besten Fall zwischen die Seiten eines Notizbuchs quetschen oder mit der winzigen Tastatur ins Handy klopfen. Unübertragbar. Journalismus ist mein Geschäft, dort trag ich meine Sprache zum Markte, die Schere im Kopf eines der Werkzeuge, ungeliebt, Silikon für ethische Lücken, damit die Silberfischchen des schlechten Gewissens ersticken. Zum Besten. Immer zum Besten. Vielleicht also demnächst auch täglich hier. Freiwillige Selbstkontrolle.

Mittwoch war dann endlich wieder Freitag. Der Erstgeborene und ich beschließen mit dem Weinen aufzuhören und wieder zu lachen. Ein Elfengeschöpf stößt zu uns, ein Soulsugar-Kind aus der Sammlung des Erstgeborenen – „mein Mentor“ nennt sie ihn. Große Augen, wirres Haar und einen erschreckend dürren Körper hat sie, die plappernd ins Zimmer wirbelt. Freundlich stellt sie sich vor und an die Nennung ihres Namens schließt sie gleich eine lange und komplizierte Rechtfertigung für diesen. Benn fällt mir ein. Ständig entschuldigt sie sich, erklärt ihre Worte, ihr Handeln mit einem Redeschwall die Hände mit den langen dünnen Fingern reden mit, vor der knochigen Brust gekreuzt..

„Wie eine Elfe auf Speed“, denke ich mir, doch das sei nicht ihre Droge, betont sie später in einem anderen Monolog. Ich bringe ihr Kürbissuppe und dränge ihr Brot auf, das Kind ist doch so mager. „Das hast du gebacken und gekocht? Du bist also so eine richtige FRAU“, sagt sie. Der Erstgeborene lacht: „Nicht immer.“ Das freut mich.

Ich sitz am gelben Sofa, erste Reihe fußfrei. Manchmal stellt sie mir eine Frage. Die Antworten interessieren sie nicht wirklich. D-Jane ist sie, Artistin nennt sie es, Bürgerkind wie ich, der Name bekannt aus der Radiowerbung. Sie war mal im Fernsehen beantwortet sie meine diesbezügliche Frage und weist mit der Hand auf die Stelle, an der sie Soulsugar tätowiert hat. Zwei Handbreit über jener Stelle, die ihren Künstlernamen bezeichnet, heiß heiße der Zuname auf Spanisch, ergänzt sie und dabei bleibt es zu jenem Thema. Ich muss schmunzeln, weil ihr Künstlername weit mehr Erklärungsbedarf hätte als der eingangs genannte.

Das Kind, das sich nur sehr dunkel an Zeiten des Anrufbeantworters erinnern kann, versinkt in Kisten mit Vinyl, das älter ist als seine Eltern. Wir könnten seine Eltern sein. Es weiß genau wie wir Soulpeople sind. Ich weiß nicht, ob ich zu diesem wir gehöre, sie wohl auch nicht. Der Erstgeborene hält Hof im Wohnzimmer.

„Wir rauchen auf hohem Niveau“, erklärt der Gastgeber dem Mädchen,
„Wir trinken auf hohem Niveau“, ergänze ich.
„Wir hören auf hohem Niveau.“
„Wir scherzen auf hohem Niveau.“
„Wir reden auf hohem Niveau.“
Rehauge bleibt wachsam; und dann der Erstgeborene: „Aber wir lieben unter jeder Kritik.“
Das Kind lacht mit. Dann hört es Schallplatten, das Kind wird kaufen.

Immer kostbare Begegnungen im Wohnzimmer.

Ich habe mich oft gefragt und keine Antwort gefunden,
woher das Sanfte und das Gute kommt,
weiß es auch heute nicht und muß nun gehn.


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569 mal erzählt

17
Okt
2010

Body-Talk

Auf meinen Körper kann ich mich verlassen, er versteht es zu somatisieren. Damals etwa, als die Mock Turtle ihre Bühne im Beisl hatte. Sie fühlte sich voll Begierde angestarrt und doch nicht wahr genommen. „Nothing but a pretty face“, hämmerte es in ihrem Kopf an manchem Morgen danach und „Ich muss meine Haut retten.“ Bis sie dann mit dieser Schildkrötenhaut an der Stirn erwachte, gar nicht pretty und die Augen, die zu (ver)zaubern verstanden, die gerne Dinge versprachen, die die Turtle nicht halten wollte, versanken unter rauen und schuppigen Lidern. Wer sich nun für mich interessierte, interessierte sich für mich. Meine Haut rettete mich.

Oder damals, als der Job die Mock Turtle ankotzte, die Scheinheiligkeiten, die Gemeinheiten, die Kälte, der Verrat. Da erwachte sie fast täglich im MorgenGrauen mit diesem bitterscharfen Geschmack im Hals und erbrach grünliche Galle. Und auch später schlug mir manches auf den Magen, anderes war schlicht zum Scheißen. Als ich mich nicht mehr begehrt fühlte, versiegte der Rhythmus meiner Weiblichkeit. Heuschnupfenanfälle dämpfen meine Sinne. Die Mock Turtle zieht sich in ihren Schildkrötenpanzer zurück. Die Augen jucken, die Nase ist verstopft, nimmt keine Gerüche mehr wahr, der Mund kribbelnd, beißend, dem Geschmack verschlossen. Ich muss mich nach innen wenden, das Außen wird unzugänglich, das Innen in einem Nebel aus Rotz und Tränen abgeschirmt. Und dann das Niesen, lautes, gewaltsames, zwerchfellerschütterndes Ausatmen, das die Ohren verschließt und die Muskeln kontrahiert. Allergie ist eine Abwehrreaktion des Immunsystems.

Jetzt, da ich an so vielem zu kauen habe, da ich emotional am Zahnfleisch gehe, ist es der verfluchte Zahn. Natürlich bin ich selbst verantwortlich; Trägheit beim Putzen, mehr Achtsamkeit auf die Zähne gelegt, die offensichtlich der Welt entgegen lachen und nur flüchtig die bedacht, die im Dunkel verborgen schwerer erreichbar sind. Das kleine Loch dort hinten kennt meine Zunge schon länger. Mehr als einmal hat sie den ziehenden Schmerz ausgekostet, der entsteht wenn sie sich gegen die Zahnwurzel drückt. Dann bemühte ich mich wieder beim Putzen, die Stelle beruhigte sich, falscher Alarm. Vor gar nicht langer Zeit war ich bei der Mundhygiene, Flecken entfernen, Lebensspuren verwischen, das Lächeln polieren. Ich hab gehofft, dass das kleine Loch dabei entdeckt wird, gesagt hab ich nichts, ganz „mündige Patientin“. Zuviel Angst vor einer Wurzelbehandlung, davor dass der Zahn gerissen werden muss, den Schmerzen, dem Aufwand, den Kosten, dem bleibenden Schaden, Trennungsschmerz. Also hab ich zugewartet, hab den Schmerz weiter genutzt, um zu fokussieren, weil eben nie zwei Schmerze gibt, sondern immer nur einen, an dem man sich festhält.

Freitagabend dann setzt sich der Schmerz endlich durch. Von der Seele, dem Kopf, dem Herzen, von seiner dumpfen Alllgegenwart bündelt er sich scheinbar an jener Stelle in der Mundhöhle.
Samstagvormittag sitzen acht Menschen im Warteraum des diensthabenden Zahnarztes, die Schmerzen verbünden uns, wir sind freundlich und geduldig miteinander, drücken der sonnig blonden Zahnarztassistentin – meine Mutter war das auch einmal – die E-Card in die Hand, füllen Anamnesebögen aus , gehen zum Röntgen, es geht schnell und still und ich lese „Zahnarzt“-Magazine, heische auf Facebook um Mitleid und vertiefe mich im mitgebrachten Buch. Der dicke Klischeewiener neben mir, flirtet wohl und kurz frage ich mich, welcher der wenigen verbleibenden Zähne in seinem breiten Lächeln wohl weh tun könnte. Er hat Probleme mit dem „ungeduldigem Menschen“, der ihn chauffiert, wie er mir mitteilt, nachdem wir alle es schon in einem Telefonat gehört hatten. Die altmodische Art der Mitleidsheische.

„Komplett vereitert“, stellt der hübsche Zahnarzt fest. Wie gut aussehend all diese Zahnärzte sind, denke ich keine dicken, grauhaarigen Herren wie in meiner Kindheit. Als reich galten sie immer, jetzt sind sie auch noch schön. Und er entdeckt ein tiefes Loch bis weit in die Wurzel. Im Moment ließe sich nichts machen, zu vergiftet vom Eiter verschwollen seien der Zahn, das Kiefer; der ganze Mund, alle Zähne, möchte es mir scheinen. Der Zahn muss raus, dann wenn die Schwellung weg ist, er verschreibt mir Schmerzmittel, Antibiotika, Mundspülung. Wie eine Amputation, dachte ich vor kurzem. Ein Zahn der gerissen werden muss, ein Stück von sich, das man hergeben muss, das fehlt, das ersetzt werden kann, ein Zahn nur.

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1171 mal erzählt

10
Okt
2010

Herdflucht

Eben zur Wahl geschritten: wie verhältnismäßig einfach ist es, seine Stimme für ein kleineres Übel abzugeben, im Vergleich zu Entscheidungen auf anderen Ebenen. Dort bedeuten sie, das Schwert aus der Scheide zu ziehen, Schnitte zu setzen und zu verletzen. Doch da wie dort gilt es Verantwortung für das eigene Leben anzunehmen.

Als ich den Hof des alten AKH betrete, wo ich mich hin fliehe, um im Rest der Oktobersonne Ruhe und Worte zu finden, sehe ich zwei Männer den Weg entlang kommen, Stangen in den Händen, der eine rollt eine Weltkugel mit seinen Füßen vor sich her. Wie ein Zeichen scheint die Szene, aber sie hat nichts zu bedeuten. Ebenso wenig wie das warme Lächeln der Frau, die mir am Weg entgegen kommt.

Gestern um diese Zeit habe ich meine Hände in Teig gegraben. Im weichen warmen Germteig habe ich all die Trauer, die Schmerzen, die Ängste, den Hunger, die Sehnsucht, die Geilheit, die Liebe verarbeitet. Es treibt mich an die Feuerstelle, den Herd. Wie besessen schäle ich Äpfel, schneide Gemüse, komponiere Gewürze. Kürbissuppe und Apfelstrudel und Carta da Musica und kleine knusprige Foccaccias, die er gerne mag. So gebe ich, was ich anders nicht geben kann, mag. Immer ein wenig süß, immer ein wenig sauer und Chili. Ich, die nie Kinder wollte, in der Rolle der Nährmutter.

Das Kochen gibt mir Trost und Wärme. Es hilft, die Zwiebel präzise zu schneiden und Avocados zu würfeln, durch die Küche zu wirbeln auf der Suche nach Zutaten. Da fehlt noch Salz, dort würde Ingwer passen. Wir brauchen Wärme. Das alles lenkt ab von den quälenden Gedanken, die mich vor den Schirmen und auf den Wegen anfallen, die nicht zu Ende gedacht werden können und daher kreisen, kreisen, kreisen. Sie hören auf, wenn die Hände im Teig versinken, sich durch die weiche Masse graben, wenn sie verraten, dass es gut wird, weil ich alles richtig gemacht habe und wenn die 100 Jahre aus dem CD-Player tönen. Das Projekt des Erstgeborenen verleiht mir Abstand zur Gegenwart und meinem kleinen Leben. Das kann der geliebte Soul jetzt nicht (Farewell Solomon Burke), Soul legt den Finger auf die Wunde, die Helden auch. Also Freddy und Frauengold. Und kneten und schneiden. Und dann entsteht etwas und es schmeckt. Zuviel von allem wir können es nicht essen, nicht schlucken, nicht verdauen. Zugeschnürte Kehlen. Ich verschenke, friere ein, bemühe mich die Suppe auszulöffeln , die ich mir eingebrockt habe.

Die Liebe auf Vorrat einkochen, geht mir durch den Kopf, der Winter kann sehr kalt werden.

Kueche
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8
Okt
2010

Über die Scham...

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1726 mal erzählt

1
Okt
2010

U2 und Helden

Gestern in der U2 auf dem Weg zum Zweitarbeitsplatz, auf der Flucht vor so vielem; „Wir sind Helden“ im Ohr, Dornen im Hals, Trauer im Herzen und Tränen in den Augen.

Er muss es gespürt haben, ein hübscher Bursche, dunkelhäutig, ein sympathisches offenes Gesicht.
„Ich arbeite für dich“, schreit er mich plötzlich an: „Du lebst von meinem Geld.“
Ich nehme die Kopfhörer aus den Ohren und schau ihm in die Augen.
„Ich arbeite für dich, damit du leben kannst.“ Ich nicke; ich wundere mich nicht, sehe nur seine Augen und fühle seinen Schmerz.
„Weißt du wie verbittert du aussiehst?“ fragt er mich und ich weiß es.
„Zwei mal hab ich dir das Leben gerettet…“
Er meint nicht mich, er meint eine andere, wird mir erst jetzt wirklich klar und da löst er den Blick, macht sich bereit zum Aussteigen.
„Ohne mich wärst du krepiert“, er dreht sich noch einmal um: „Adrenalin haben sie dir gespritzt…“
Dann verschwindet er ohne sich umzudrehen in der aussteigenden Menge.

Alle starren mich an. Schräg gegenüber sitzt ein junger Mann in grauer Arbeitsmontur, der hebt den Kopf: „I hab zerst dacht, der geht mi an. Dem hätt i…wenn der ihnen was tan hätt, i wär sofort aufgsprungen. Der war auf Drogen.“
"Ich hab ihm in die Augen gesehen“, sage ich, dann setze ich die Kopfhörer wieder auf. Da ist nichts, was wir tun könnten….


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1088 mal erzählt

21
Sep
2010

.Dort

Roemerpark

Ich war heute wieder an jenem Ort. Als die Mock Turtle klein war, hat sie dort gespielt. Dort waren ihr Piratenschiff und ihr Indianerlager, dort hat sich ihr Fahrrad in einen wilden Rappen verwandelt. Mit ihren Freunden G. und R. rauchte die kleine Turtle Waldtschick und briet gestohlenen Türken – wie man den Mais in der Heimat nennt - über dem Lagerfeuer. Mit der zauberhaften Amelie und ihren Brüdern erlebte sie Abenteuer in erdachten Welten. Im Brunnen unter dem Marterl beobachteten die Kinder wie sich Löwenzahnstiele kringelten. Über jenes Feld neben dem großen Obstgarten waren der Vater, als er ein kleiner Bub war, seine Mutter, die große Nenn-Tante und Frau Mariann zum Bunker gelaufen. Bombenalarm, die Tante verlor die Tasche und der kleine Bub sammelte alles wieder ein. Oft hab ich mir das vorgestellt und dann manchmal Angst gehabt, wenn Flugzeuge übers Haus flogen, dass wieder ein Krieg käme und man dort hinüber laufen müsste. Ich war im Winter dort rodeln und im Sommer hab ich Drachen steigen lassen, einen ganz besonderen, einen Drachenflieger, der hat sich ausgeklinkt und ist langsam zu Boden gesegelt.

Heute ist alles anders. Der Park ist schön, ein kleiner See, ein Trinkwasserbrunnen, Bänke, Bäume, Schaukeln, ein Fußballplatz, ein Eisstockplatz… die kleine Hütte, dort. Viele Menschen in diesen Abendstunden. Sie sind fröhlich, ich traurig.
Nach Hause gehe ich auf meinem alten Schulweg. Ist die junge Frau, die vor mir geht und wie ich traurig durch den Park streunt aus demselben Grund hier wie ich? Ich wische den Gedanken weg und wähle den Weg durchs Waldele. Tägliche Verweilstation am Heimweg von der Schule, ein kleiner Bach am Rand ist längst in Beton gezwängt. Damals veranstalteten wir dort Rindenschiffregatten. Die Rinde stammte von den Bäumen, die noch immer dort stehen. Ich drückte mich an sie wie damals beim Versteckelex und kurz fühlte es sich an wie einst. Und dann sah ich die kleine Turtle, die die rote Schultasche mehr hinter sich her schleifte als trug, die Haare hochgesteckt im Gogl und doch in Auflösung begriffen; sie lutscht an einer Haarsträhne, schmutzige Finger und ein Lächeln. Den Weg bergab läuft sie fast; viele neue Häuser bemerke ich. Dann die Kurve, in der einst die schreckliche Bluttat geschehen war; nach einer Messerstecherei war tagelang ein dunkler Fleck auf der Straße zu sehen, die kleine Turtle hielt jedes Mal an dieser Stelle den Atem an, ich tue es noch immer. Die letzten 200 Meter. Links die kleine Schneiderei, die Mutter ließ oft schneidern, eher selten dort. Die kleine Turtle spielte dann mit dem kleinen Ballon, mit dem man die Länge markieren konnte, sammelte Stecknadeln auf und Stoffreste. Gegenüber die Arbeitersiedlung, wo die Freundin aufwuchs. Heute schmücken balinesische Wimpel die winzigen Balkone, unter denen die kleine Turtle sich versteckt hat. Und dann mein Elternhaus.

Ich war an jenem Ort. Papa..
Heimkommen?
1407 mal erzählt

19
Sep
2010

Sonntag Morgen Seufzer

Kaum eine Sekunde alllein
und so einsam.
Tausend Worte im Kopf
und so sprachlos.
Ein Bett hier wie dort
und keine Heimat.

Gitarrero
818 mal erzählt
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Mock Turtle

Sit down, both of you, and don't speak a word till I've finished

Who sits there?

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Der Vater - der großartige Walter Deutsch ist am 13....
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Gruß nach drüben
Der Vater - der großartige Walter Deutsch ist am 13....
katiza - 18. Feb, 16:53
Wenn ich schon geahnt...
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katiza - 22. Feb, 15:42
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