Prinzessin Mausezahn
Sie lachen. Alle schauen sie das kleine Mädchen an. Ganz großer Auftritt für Prinzessin Mausezahn. Aber Mama hat Tränen in den Augen. Mama weint oft. Beim Lachen. Prinzessin Mausezahn weint auch oft. Wenn sie zornig ist. Dicke Tränen hängen an den Schneewittchenwimpern, die eben noch verführerisch geklimpert haben. Die grünen Augen füllen sich mit Wasser. Der kleine Mund, der gerade noch begeistert geplaudert hat, verzieht sich nach unten. Das Kindergesicht wird zur Maske der griechischen Tragödie. Es ist das Gesicht der griechischen Tragödie. Die großen Tragödien sind Familientragödien. Der ganze Schmerz des Kinderlebens, ein Gegengewitter zu den kleinen Blitzen, die den Raum durchzucken. Kleine Nadelstiche der Eheleute. Vater und Mutter verletzen sich. Da hilft nur ein "kleiner Wirbelwind". Und die andere Welt, die inszenierte.
"Sag ma, du bisch die große Schwester und I die Kloane". Ihre Augen blitzen mich unter den unglaublichen Wimpern an. Bezaubernd. Wie der Vater, meine allererste große Liebe. Beim Papst wollten wir um eine Ausnahmegenehmigung ansuchen, um heiraten zu dürfen. Schließlich waren wir ja Cousin und Cousine. Vielleicht war es aber auch vor allem mein Plan. Wegen dieser Augen und weil er mein kleiner Bruder war, Verbündeter und Verbundener. Seinen Zorn habe ich ertragen, tagelanges Schweigen, Hasserfüllte Blicke. Ich kannte diesen Zorn sehr gut. Es war auch mein Zorn, aber ich war der "kleine Wirbelwind" und versuchte die Welt für ihn, für uns zu inszenieren.
Sie lebt im Paradies. Einzige Tochter wohlhabender Eltern. Wohlig geborgen, hoch willkommen. Das ganze Glück der Eltern. Bildhübsch, reich beschenkt, gefördert, geliebt. Verwöhnt und gleichzeitig wohl erzogen. Kleinfamilienidylle im Großfamilienschoß - perfekte Inszenierung.
Man muss sie zum Lachen bringen. Das funktioniert am besten. Weinen und Schreien ist nur im absoluten Notfall anzuwenden. Da gehen sie erst recht aufeinander los. Besser ist, wenn sie lachen. Dann lachen sie sich manchmal an. Dann bewundern sie mich und sind lieb. Nicht nur zur Prinzessin Mausezahn. Auch zu sich. Aber das ist nicht immer einfach. Ich muss sie sehr genau beobachten, muss sie beschäftigen. Ich weiß nie, wann sie zu blitzen beginnen. Oder Schweigen. Oder einen drücken und herzen. Und weinen.
Da hilft es, kleine Schwester zu sein. Oder eine große Schwester zu haben. Oder einen kleinen Bruder. Oder zumindest so zu tun, als ob.
Und kann doch nicht helfen.
"Sag ma, du bisch die große Schwester und I die Kloane". Ihre Augen blitzen mich unter den unglaublichen Wimpern an. Bezaubernd. Wie der Vater, meine allererste große Liebe. Beim Papst wollten wir um eine Ausnahmegenehmigung ansuchen, um heiraten zu dürfen. Schließlich waren wir ja Cousin und Cousine. Vielleicht war es aber auch vor allem mein Plan. Wegen dieser Augen und weil er mein kleiner Bruder war, Verbündeter und Verbundener. Seinen Zorn habe ich ertragen, tagelanges Schweigen, Hasserfüllte Blicke. Ich kannte diesen Zorn sehr gut. Es war auch mein Zorn, aber ich war der "kleine Wirbelwind" und versuchte die Welt für ihn, für uns zu inszenieren.
Sie lebt im Paradies. Einzige Tochter wohlhabender Eltern. Wohlig geborgen, hoch willkommen. Das ganze Glück der Eltern. Bildhübsch, reich beschenkt, gefördert, geliebt. Verwöhnt und gleichzeitig wohl erzogen. Kleinfamilienidylle im Großfamilienschoß - perfekte Inszenierung.
Man muss sie zum Lachen bringen. Das funktioniert am besten. Weinen und Schreien ist nur im absoluten Notfall anzuwenden. Da gehen sie erst recht aufeinander los. Besser ist, wenn sie lachen. Dann lachen sie sich manchmal an. Dann bewundern sie mich und sind lieb. Nicht nur zur Prinzessin Mausezahn. Auch zu sich. Aber das ist nicht immer einfach. Ich muss sie sehr genau beobachten, muss sie beschäftigen. Ich weiß nie, wann sie zu blitzen beginnen. Oder Schweigen. Oder einen drücken und herzen. Und weinen.
Da hilft es, kleine Schwester zu sein. Oder eine große Schwester zu haben. Oder einen kleinen Bruder. Oder zumindest so zu tun, als ob.
Und kann doch nicht helfen.
katiza - 1. Jan, 20:48
10 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
1557 mal erzählt
dfw - 2. Jan, 16:33
mäusezähne haben so ihre eigenen inszenierungen, da können wir nicht helfen. ist so - meistens.
ConAlma - 3. Jan, 09:04
Selbst vier Geschwister, wirkliche und keine so-als-ob, helfen nicht gegen die Ohnmacht angesichts verzahnter Eltern, helfen nicht gegen das Gefühl, allein zu sein.
katiza - 3. Jan, 16:45
So bleiben die Kinder letztendlich allein?
nixcik - 4. Jan, 01:30
Nein, sie sind nicht allein, nicht so lange Mutter und Vater da sind, wenn auch abwechselnd, weil es gemeinsam nicht mehr geht.
Sie sind allerdings allein und ohne Chance, wenn sie versuchen in Vorgänge einzugreifen, die nicht ihrem Platz in dieser Welt entsprechen. Eltern tun NIE etwas, um ihren Kindern zu schaden. Wenn sie sich ineinander verzahnen, wenn sie neben sich stehen, wenn sie versagen - dann können sie nicht anders. Und Kinder können nicht anders als das stoppen zu wollen - aber sie schaffen es nicht. Nur die Eltern können es schaffen, es betrifft SIE.
Ich hoffe für Prinzessin Mäusezahn, dass sie es einmal schafft geschehen zu lassen. Und neugierig zu sein.
Sie sind allerdings allein und ohne Chance, wenn sie versuchen in Vorgänge einzugreifen, die nicht ihrem Platz in dieser Welt entsprechen. Eltern tun NIE etwas, um ihren Kindern zu schaden. Wenn sie sich ineinander verzahnen, wenn sie neben sich stehen, wenn sie versagen - dann können sie nicht anders. Und Kinder können nicht anders als das stoppen zu wollen - aber sie schaffen es nicht. Nur die Eltern können es schaffen, es betrifft SIE.
Ich hoffe für Prinzessin Mäusezahn, dass sie es einmal schafft geschehen zu lassen. Und neugierig zu sein.
katiza - 4. Jan, 09:57
Das seh ich anders: Vater und Mutter sind nicht da, sie sind meist das Problem. Eltern tun genug, um Kindern zu schaden (siehe Zeitungsmeldungen und Missbrauch hat viele Gesichter), wenn auch meist nicht in böser Absicht, sondern, weil sie nicht anders können. Weil sie nämlich ihr Leben leben (müssen). Kinder lieben die Eltern mehr als die Eltern die Kinder. Deswegen "versuchen sie in Vorgänge einzugreifen".Die kleine Prinzessin will nur überleben. Neugierig ist sie schon längst.
nixcik - 4. Jan, 12:51
Nein, Eltern tun NIE etwas UM ihren Kindern zu schaden. Aber sie schaden ihnen oft. Das ist ein mir sehr wichtiger Unterschied.
(Fügen nicht sehr oft liebende Menschen einander in bester Absicht Schaden und Schäden zu? Plötzliche wie langfristige?)
Mit Neugier meinte ich eine andere.
Wenn Eltern NICHT DA sind, geht alles ins Leere. Nicht da oder nicht bei sich - dasselbe, oder?
(Fügen nicht sehr oft liebende Menschen einander in bester Absicht Schaden und Schäden zu? Plötzliche wie langfristige?)
Mit Neugier meinte ich eine andere.
Wenn Eltern NICHT DA sind, geht alles ins Leere. Nicht da oder nicht bei sich - dasselbe, oder?
katiza - 4. Jan, 13:36
Darf ich kurz daran erinnern, dass 60 Prozent des sexuellen Missbrauchs in der Familie stattfinden, Eltern ihre Kinder töten, schlagen, verhungern lassen? Nicht aus Liebe! Nicht in bester Absicht, wage ich zu vermuten - zumindest nicht immer. Nicht um den Kindern zu schaden, sondern aus Egoismus - übrigens meiner Ansicht nach auch der Grund, warum sich Liebenden Schaden und Schäden zufügen. Alles geschieht in guter Absicht - für einen selbst - denn über die anderen, und wenn es unsere Kinder sind, wissen wir nichts.
In der Geschichte der Prinzessin Mausezahn geht es nicht darum, da geht es nur um den alltäglichen Kinderschmerz und nicht mehr. Es geht nicht einmal um die Eltern, nur um das Kind.
In der Geschichte der Prinzessin Mausezahn geht es nicht darum, da geht es nur um den alltäglichen Kinderschmerz und nicht mehr. Es geht nicht einmal um die Eltern, nur um das Kind.
Trackback URL:
https://katiza.twoday.net/stories/4576048/modTrackback