13
Mrz
2009

Vendredi faux

Ich – überwältigt von „unseren Franzosen“ und rotem Wein: „Das Leben ist wunderbar.“
Der Erstgeborene: „Vor allem, wenn es nach zwanzig Jahren Leben endlich statt findet.“

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852 mal erzählt

9
Mrz
2009

Französisch, unprofessionell und zärtlich

Übersetzungsprojekt die Zweite:

Ensemble/Salvatore Adamo

Etrange souvenir,
Lambeau de ma jeunesse,
En leur néant sourire,
Vous revenez sans cesse.
Mon cœur balbutiait son amour
A tes yeux qui ne me voyaient pas
Mais ma main te cherchait déjà
Dans le noir de mes jours.
Et moi, je m'éveillais à la tendresse,
A ta tendresse.
Et nous avons pris le chemin ensemble,
Ensemble.

Seltsame Erinnerung,
Fetzen meiner Jugend,
Lächeln über ihre Nichtigkeit,
Ihr kehrt unaufhörlich wieder.
Mein Herz stammelte seine Liebe
Vor deinen Augen, die mich nicht sahen,
Aber meine Hand suchte dich bereits
Im Schwarz meiner Tage
Und ich, ich erwachte zur Zärtlichkeit
Zu deiner Zärtlichkeit
Und wir haben den Weg gemeinsam beschritten
Gemeinsam.


Et le jour s'est levé
Sur cette certitude
Que je te garderais
Au creux de ma solitude.
Et je sais qu'au delà de la nuit
Il y a ton amour.
Alors moi, je nais à la tendresse,
A ta tendresse.
Et depuis, ma mie, que de chemin ensemble,
Ensemble.

Und der Tag ist angebrochen
Mit jener Gewissheit,
Dass ich auf dich aufpassen werde,
Dass ich dich bewahren werde,
In der Höhle meiner Einsamkeit.
Und ich weiß, dass jenseits der Nacht,
Deine Liebe ist.
Also ich, ich wurde für die Zärtlichkeit geboren,
für deine Zärtlichkeit.
Und seitdem, meine Liebe, nur ein gemeinsamer Weg,
Gemeinsam.


Je te regarde et tes cils sont des vols d'hirondelles
Qui se balancent, éperdus, sous un ciel d'aquarelle
Et je maudis le temps où je ne te connaissais pas
Alors que dans mes rêves, je te caressais déjà,
Le temps où je vivais sans la tendresse,
Sans ta tendresse.
Alors qu'au-delà de la vie nous étions ensemble,
Ensemble, ensemble, ensemble.

Ich betrachte dich und deine Wimpern sind Schwalbenflüge,
Die sich wiegen, voller Leidenschaft auf einem Aquarellhimmel,
Und ich verfluche die Zeit, als ich dich nicht gekannt habe.
Auch wenn ich dich in meinen Träumen schon berührt hatte.
Die Zeit, als ich ohne die Zärtlichkeit lebte,
Ohne deine Zärtlichkeit.
Nun werden wir bis zum Ende des Lebens zusammen sein,
Zusammen, zusammen, zusammen.


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2454 mal erzählt

5
Mrz
2009

Französisch, unprofessionell

Liebe Frau Dr. Blubb, liebe Testsiegerin,

Französisch professionell habe ich auch nicht zu bieten - ich bin da mehr amatrice. Französisch-Nachhilfe hatte ich einst bitter notwendig und bei einer Exil-Ungarin. In die Sprache selbst habe ich mich schon früher aufgrund einer meiner ersten Lieben (Hugo -Ügoooo - aus Paris in Jesolo) verliebt, später kam dann auch noch die Liebe zu Baudelaire, Verlaine, Rimbaud, den Existenzialiten und dem französischen Chanson dazu. Tja und wenn man nichts als die Liebe hat, dann muss man eben lieben. Und so liebte ich tout la culture de la grande nation, quelques mecs en Toulouse et Saint Malo et la cuisine français. Für Liebesbriefe reichte mein Küchenfranzösisch trotz vier Jahren Unterricht und mehreren Frankreichaufenthalten nicht - tant pis.

Immerhin habe ich es diesem - für französische Ohren wohl seltsam klingenden - Gesäusel, das ich Französisch nenne, zu verdanken, dass ich einst mit Patricia Kaas am Tisch getanzt habe, nach einem Wien Konzert durfte ich ausnahmsweise mitgehen - moi, je parle français, bien sûr - und Wein und der gute Wille verstehen und verstanden zu werden, taten schließlich ihr übriges. Oh, quelle nuit - ou sont les temps.

Und plötzlich ist la france wieder ganz präsent in meinem Leben, für den Erstgeborenen, übertrage ich die Texte der Cahnsons, die wir beide lieben. Freiwillige Hausaufgaben, eine kleine Überprüfung, versteh ich wirklich oder höre ich, was ich hören möchte. Fast wie im wirklichen Leben....an jene von Euch, die diese Sprache besser sprechen, für ein wenig Unterstützung bin ich dankbar - Anregungen und Verbesserungen erwünscht:

Quand on n'a que l'amour/ Jacques Brel

Quand on n'a que l'amour
A s'offrir en partage
Au jour du grand voyage
Qu'est notre grand amour

Wenn man nichts als die Liebe hat,
Um mit anderen zu teilen
Am Tag der großen Reise,
die unsere große Liebe ist

Quand on n'a que l'amour
Mon amour toi et moi
Pour qu'éclatent de joie
Chaque heure et chaque jour

Wenn man nichts als die Liebe hat
Meine Liebe, du und ich
Um vor Freude zu zerspringen
Jede Stunde und jeden Tag


Quand on n'a que l'amour
Pour vivre nos promesses
Sans nulle autre richesse
Que d'y croire toujours

Wenn man nichts als die Liebe hat,
Um unsere Versprechen zu leben,
Keinen anderen Reichtum,
Als immer daran zu glauben.


Quand on n'a que l'amour
Pour meubler de merveilles
Et couvrir de soleil
La laideur des faubourgs

Wenn man nichts als die Liebe hat,
Um Wunder einzurichten
Und die Hässlichkeit der Vororte
Vor der Sonne zu verstecken.


Quand on n'a que l'amour
Pour unique raison
Pour unique chanson
Et unique secours

Wenn man nichts als die Liebe hat
Als einzigen Grund
Als einziges Lied
Als einzige Rettung.


Quand on n'a que l'amour
Pour habiller matin
Pauvres et malandrins
De manteaux de velours

Wenn man nichts als die Liebe hat,
Um am Morgen
Arme und Räuber
Mit Samtmänteln zu bekleiden.


Quand on n'a que l'amour
A offrir en prière
Pour les maux de la terre
En simple troubadour

Wenn man nichts als die Liebe hat,
Um ein Gebet anzubieten
Gegen die Schlechtigkeit der Welt,
Als einfacher Troubadour.

Quand on n'a que l'amour
A offrir à ceux-là
Dont l'unique combat
Est de chercher le jour

Wenn man nichts als die Liebe hat,
Um sie jenen anzubieten,
Deren einziger Kampf ist,
Den Tag zu suchen.


Quand on n'a que l'amour
Pour tracer un chemin
Et forcer le destin
A chaque carrefour

Wenn man nichts als die Liebe hat
Einen Weg vorzuzeichnen
Und die Richtung zu zwingen
An jeder Kreuzung.


Quand on n'a que l'amour
Pour parler aux canons
Et rien qu'une chanson
Pour convaincre un tambour
Alors sans avoir rien
Que la force d'aimer
Nous aurons dans nos mains
Amis le monde entier.

Wenn man nichts als die Liebe hat
Um zu Kanonen zu sprechen
Und nichts als ein Lied
Um den Trommler zu überzeugen
Dann, wenn man nichts hat,
Als die Kraft zu lieben
wird in unseren Händen,
Freunde, die ganze Welt sein.


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1727 mal erzählt

22
Feb
2009

Französische Nacht

Angefangen hat es mit Piaf, die wir beide lieben, der Erstgeborene und ich. Und so versprach er mir Franzosen und hielt dieses Versprechen auch. Adamo, Becaud, Brel, Christophe, Moustaki, Francoise Hardy - sie alle hat er in seiner Sammlung gefunden. "Ich musste sie waschen," erklärte er. "Ich weiß, Franzosen sind immer schmutzig."

Sie klingen nach Pastis und schwarzem Tabak, Rollkragenpullovern und Rimbaud, nach Paris und dem Meer, irgendwann in einem anderen Leben.

Was ich verstand, übersetzte ich für den Erstgeborenen - von Liebe und Tod, Gesichtern im Sand und leeren Rotweinflaschen. Zwischendurch sang die Dietrich von Johnnys Geburtstag und Cissy Kraner musste aus dem Milieu heraus. Ich tanzte und trank roten Wein.

Viens, viens ma brune
Viens écouter la mer
Elle murmure à la dune
Le chant d'un autre univers

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769 mal erzählt

19
Feb
2009

Schwarzer Donnerstag

"Wer hat Angst vor'm schwarzen Mann?
NIEMAND!
aber wen er kommt?
Dann laufen wir davon!"

Zitiert Herr Yono im Zirkus des Herrn Direktor Alberti ein altes, selbst oft gespieltes Kinderspiel. Klingt mit Abstand betrachtet lustig in Bezug auf das traditionell "schwarz" regierte "Heil'ge Land", in dem ich aufgewachsen bin. Aber das fällt mir erst jetzt auf. Viel früher stellte ich mir den schwarzen Mann als einen aus der Schwarzmanderkirche vor. Ein ehernes Monster, das sich schwerfällig doch zielsicher auf mich zubewegt. Dass der Spielspruch etwas mit Schwarzen zu tun haben könnte, wurde mir erst später bewusst.

Als ich klein war, gab es Mohrenköpfe und Negerbrot. Nur die Negerküsse hießen Schwedenbomben. Ich las begeistert Onkel Toms Hütte und Huckleberry Finn. Im Fernsehen lief Roots und in meinem Kopf war ich ein wehrhaftes, dunkelschwarzes Sklavenmädchen.

Dort, wo ich herkomme, haben die kleinen Mädchen noch immer ganz selbstverständlich eine Negerpuppe. Ich hatte auch eine und meine Mutter vor mir.

Und während ich mich an meine kaum erinnere, habe ich die meiner Mama – wiewohl nie gesehen – ganz lebhaft vor dem inneren Auge. Negus hieß sie – "Wie der afrikanische König", erklärte Mama – und Gogus, das Gegenstück, das ihrer Cousine gehörte. Ganz ohne historischen Bezug.

Der Lieblingscousin möchte ein afrikanisches Kind adoptieren. In der Familie wird man da und dort unruhig. Ob es nicht arm wäre, das kleine Negerle, ah des darf ma ja nimma sagen, des schwarze Poppele in Tirol, fragen jene, die mit den Negerpuppen aufgewachsen sind, damals in den 1930ern. "Mohr im Hemd darf ma ja a nimmer sagen", sind sie gedanklich schon weiter: "Aber der Obama, der gfallt ma."

Und dann gibt es da noch die schwarzen Männer und Frauen, mit deren Liedern und Leben mich der Erstgeborene vertraut gemacht hat, der ja eine schwarze Seele in einem weißen Körper hat.

"Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?
NIEMAND!"


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Da da noch P., seinen Geruch, seine dunkle Haut werde ich nie vergessen.
872 mal erzählt

17
Feb
2009

Cosa Rosa: Nachsorgetermin

Heute war ich wieder dort, noch einmal nachsehen, ganz sicher gehen, auch wenn in den letzten beiden Wochen nichts zu spüren und schon gar nichts zu sehen war. Drei Stunden muss ich warten, eingezwängt zwischen alten Frauen und Kopftuchpaaren. Manchmal kann man die Angst fast wittern, die sie teilen: Sie, die kaum versteht und neugierig uns andere Frauen mustert, er, der die fremde Sprache ein wenig spricht, der die Situation aber nicht fassen kann. Zwei, drei mal springt er auf und beschwert sich wegen der langen Wartezeit. Aber wir anderen hiesigen Frauen, unbegleitet, müssen auch warten, das beruhigt ihn. Schließlich überlässt ihm seine Frau ihren Sitzplatz. Als sie endlich aufgerufen wird, ist er nicht da. Sie wartet in der Türe der Umkleidekabine vor dem Behandlungsraum. Sie lächelt, als er mit ihr eintritt.

Fünf Tage nach der Regel soll die Frau zur Mammographie kommen, teilt der dickliche, heitere Stationsgehilfe dem bärtigen, kleinen, dunklen Mann mit, und wiederholt diese Erklärung noch einmal lauter, als er den verwunderten Gesichtsausdruck sieht. Jetzt scheint der Mann zu begreifen, was gesagt wurde, verstehen kann er es nicht, verzweifelt blickt er sich um. Dann spricht er wieder flüsternd mit seiner Frau. Auch sie schaut verwirrt, schämt sich vielleicht ein bisschen, dass über diese Dinge gesprochen wird.

Als ich später wieder vor der Ärztin liege, nach minutenlangem neuerlichen Warten in einer dieser Kabinen, die man nur mit entblößtem Oberkörper verlassen darf, frage ich mich, wo die Männer stehen, während die Fremde mit dem seltsamen Gerät über die Brüste ihrer Frauen fährt, wo sie hinsehen? Auf den Busen, die Ärztin, den Bildschirm?

"Das sieht viel besser aus", sagt die Ärztin, als sie schließlich nach einiger Suche in Inner Space die Problemzyste wieder findet: "Da kommen Sie am besten in drei Monaten wieder, wenn Sie keine besonderen Beschwerden haben." "Ich mag meinen Busen", erklär ich ihr: "Sogar die Zysten." Das sei gut, meint sie, die beste Vorsorge den eigenen Körper zu mögen, sogar wenn er einem nicht gefällt: "Das ist, wie wenn ich ein hässliches Kind habe, das lieb ich doch auch." Mein Busen ist kein hässliches Kind, nicht einmal meine Zysten sehe ich als hässliche Kinder. Aber das sage ich nicht. Nur "Danke" und dass ich wieder komme.

Schnell verlasse ich das Krankenhaus, beim Hinausgehen seh ich keine Paare, keine Wartenden, nur Hinweisschilder.
Draußen schneit es und ich bin froh.

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1097 mal erzählt

15
Feb
2009

Spurensuche

So gerne hätte ich Kunst gemacht, irgendwas Unsterbliches, was bleibt. Und doch ist es mir nie gelungen. Die Gründe dafür sind wohl ebenso mannigfaltig wie einleuchtend: zu wenig Talent, zu wenig Zeit, zu wenig Engagement, zu wenig Konsequenz, zu wenig Leid, zu wenig Kraft.

Und so habe ich mich auf die Funktion der Muse beschränkt, um meine Spuren am Parnass zu hinterlassen. Stolz blicke ich zurück auf lautes Kreischen bei einem Live-Mitschnitt, zwei Danksagungen in längst vergriffenen Büchern, ein Zitat in einem jüngst erschienen, Credits am jüngsten Werk des Erstgeborenen – das ist mein Quäntchen an Unsterblichkeit.

Vielleicht hat der Sänger nach jener Nacht vor langer Zeit bei einem seiner Songs an mich gedacht, vielleicht hat der traurige, junge Dichter mir eines seiner verzweifelten Wortgewitter gewidmet, vielleicht hat der Maler seine Enttäuschung in Farben gegossen – das weiß ich nicht und muss ich auch nicht wissen.

Allein die Möglichkeit zählt in Fragen der Unsterblichkeit.

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485 mal erzählt

10
Feb
2009

Soulfood and Soulmates

Freitag war es und zwar wirklich. Ein kleines Fest voll Reichtum und Wohlstand. Der Erstgeborene schenkte Schallplatten zum Geburtstag mit leichter Verspätung und umso mehr Seele. Sam Cookes wunderbare Welt und andere Kostbarkeiten. Ich hab Brot gebacken und Salat gemacht mit Avocado, Mango, Sellerie. Dazu tranken wir vom feinen Cremant, von der schwarzen Königin, und noch mehr. Schwarze Musik, schwarzer Humor und schwarze Gedanken zum Kärntner Wahlk(r)ampf.

Am nächsten Tag dann gleich noch einmal der Erstgeborene. Die zweite Wärmespendergala mit herzerwärmenden Suppen und ebensolcher Musik ging über die Bühne des Porgy&Bess. Viel gefiel: die schräge Gustav, Ernst Molden besser denn je und die Legende Karl Ratzer.

Mit dem Liebsten und mir eine Runde alter Freunde. Mit manchen von ihnen haben wir viel erlebt. Gemeinsam gearbeitet, gelebt, gesoffen, gefressen, Konzerte besucht, auf Fußböden übernachtet, auf Urlaub gewesen – und doch so fremd. Bin es ich, die auch die Freundin hinter einer Schicht aus flüssigem Glas, die aber kühl, nicht heiß ist, wahr nimmt? Ist es das veränderte Leben ohne Tischtuch? Oder einfach die Zeit, die uns entfernt hat, obwohl wir – dank Facebook – so gut über die Banalitäten unseres Alltags Bescheid wissen wie nie zuvor. Status Report statt Gefühlen. Später dann unten auf der Tanzfläche hab ich wieder gespürt, dass ich lebe und liebe. Noch immer.

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633 mal erzählt
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Mock Turtle

Sit down, both of you, and don't speak a word till I've finished

Who sits there?

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