14
Mrz
2014

Der Anfang vom Ende

Drei Monate sind nun vergangen seit jenem 12. Dezember, an dem die telefonisch mitgeteilte Diagnose des Gesundheitszustandes meiner Mutter mein Leben wie eine Schneekugel durchschüttelte. Drei Monate, die ich mehr in der fremden Heimat in den Bergen als in meinem wohlig eingerichteten Leben zu ebener Erd und im vierten Stock verbracht habe. Viel zu viele Nächte im Elternschlafzimmer, aus dem meine Mutter schon vor Jahrzehnten ausgezogen ist, in dem mein Vater das letzte Mal erwacht ist.

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Es bleibt uns nicht mehr viel Zeit, sagen die Ärzte, mit denen ich einst auf Teenager Parties geflirtet habe. Verliebt waren sie in mich, berichtet die Mutter stolz – so schöne blonde Haare hatte ich, setzt sie hinzu. Das letzte Weihnachten, sagt der eine von ihnen und ich verbringe es im Krankenhaus im Bett neben ihr. „Wir haben schon schlimmere Weihnachten gehabt“, sind wir uns einig bevor wir einschlafen.

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Der 1. Offizier aber kommt mit einem Bäumchen im Koffer und schenkt mir Weihnachtsfrieden. Den Jahreswechsel verbringe ich daheim am Vorderdeck; gestohlene Zeit, am 31. Dezember vier Stunden Zugfahrt heim, am 1. Jänner ebenso lange retour. Ich habe Halsweh, es schnürt mir die Kehle zu. Die Mutter wird unterdessen mit Medikamenten beruhigt, sie sollen ihr Schlaf geben. Sie brüllt wohl die Nächte durch im Krankenhaus. Ich erschrecke, als ich wieder bei ihr ankomme, direkt vom Bahnhof sie ist kaum ansprechbar, weint nach ihrer Mutter: „Mamamamamama bitte hilf mir.“ Mich nimmt sie kaum wahr. Ihre Augen machen mir Angst, ganz kalt. Und ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich sie allein gelassen habe.

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Einmal ruft mich die Mutter der Schwiegercousine an, ich warte gerade auf den Bus, wie jeden Morgen am Weg zu Mama ins Krankenhaus. Wie jeden Tag gehe ich über das Galgenfeld zum Krankenhaus, den Weg, den sie so ot gehen musste als kleines Mädchen, wie sie uns immer wieder erzählt. Mama habe sie angerufen, sagt sie und dass es ihr schlecht geht und dass sie mich anrufen soll. Sofort versuche ich sie zu erreichen, sie hebt nicht ab. An diesem Tag haste ich den Weg entlang, pansch. Als ich im Krankenhaus ankomme spaziert sie mit dem Lieblingspfleger den Gang entlang. „Mama, um Himmels Willen, was ist los?“ “Mir war langweilig“, sie grinst schelmisch.

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Sie kann sehr liebenswürdig sein, dem Lieblingspfleger schenkt sie einen Buddha-Kopf aus Holz, Jose, der sie zur CT bringt bekommt 50 Euro und soll in Brasilien an einer Bar am Meer einen Kaipirinha für sie trinken, meine Tochter kämpft für euch, erklärt sie dem Krankenhauspersonal und dass N4estle böse ist. Nur wenn ich spreche, reagiert sie genervt. Zu laut sei ich und ein Scharlatan.
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28
Jan
2014

Das R das Räudige

Rurururu lülülülülü – Sie haben es erkannt? Natürlich des Rätsels Lösung ist der Ruf des Harzer Rollers. Wie weiß Wiki? „Die Hohlrolle ist das wichtigste Element. Dabei singt der Vogel ein „r“ rollend in Verbindung mit den Vokalen „ü“, „o“ oder „u“, was dann z. B. wie „rururu“ klingt. Zur Knorre geht der Sänger in den Bass. Besonders geschätzt wird hier ein tiefes „krruruurru“. Ein Balzlaut kann es sein das RRRRRR, ein wohliges Katzenschnurrern, ein gefährliches Knurren, ein Kehllaut, mehr oder weniger gerollt, oder manchmal geknurrt. Rassig, rollig, räudig, rührig, rockig, rasend. Und Millionen Menschen sollen diesen wundervollen Laut nicht aussprechen können? Flühlingslolle. Oder eben nur Rheiternd? In Wahr(l)heit ganz anders.

R also, nahe dem bereits beschriebenen L, ist ganz tief verwurzelt wie die Rübe. Oft hören wir von ihm viel Gutes und Schlechtes: „R hat mich angelächelt.“ „R mag mich.“ „R hat mein Leben verändert.“ „R ist immer für mich da.“ „R schon wieder.“ R hat mich nicht angerufen.“ „R hat mich betrogen.“ Rschöpfend! Aber auch Rheiternd….überhaupt das R – hinten im Gaumen kitzelnd und in der RinnRung: Rückwärts, Retro, Reminiszenzen, Renaissance. Ja, und auch Rache, wie Rhonen, roten Rüben, die hier nicht unerwähnt bleiben sollen wie auch die Farbe Rot und ihre kleine Schwester Rosa. Rosmarin und Rucola, Rindssteak, Rhabarber, Rotwein und Rum, Rüden und Ratten.

Und – TRRRRRRRRRommelwiRRRRRRRRRRRRRbel: Das R hat einen eigenen Musikstil – oder fast, mit dem B halt – R’n’B. Und Rock’n Roll ja auch ein bissl.

Und dann gibt es noch meinen Ritter mit dem ich rocke, rolle und rätsle – Rewind würd ich sagen. RRRRRRRRRR.
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23
Jan
2014

L wie Litschi/Lychee

"Die schmecken wie parfümierte Schwammerl“, urteilte meine Mama über ihre ersten Litschi. Keine Ahnung, wann ich der Frucht zum ersten Mal begegnet bin. Muss wohl Ende der 1970er, Anfang der 1980er gewesen sein. Als Kompott bei den netten Chinesen vielleicht, die Taiwanesen waren und für die meine Vater die Papiere übersetzt hat? Als Bestandteil eines Geschenkkorbes sehe ich sie vor mir, exotisch – wir hätten sowas nicht gekauft. Kaki vielleicht und Kiwi wegen der Vitamine und Boskop-Äpfel fürs Kompott wie eben wieder, als Mama aus dem Krankenhaus Nachhause kam – immer Boskop, die Besten. Keine Litschi oder internationaler Lychee. Ich liebte exotische Geschenkkörbe, weil es da exotische Früchte gab und Gänseleberpastete.

Schön sind sie anzusehen die Früchte mit ihrer Echsenhaut, leicht altrosa voller kleiner zackicger Nippel und so rund und wenn man die Schale blütenförmig öffnet, schimmert einem das weiße Fruchtfleisch entgegen, glänzend wie eine Perle. Das muss man genüsslich mit der Zunge und den Lippen vom dunklen glatten Kern lösen. Es duftet sauersüßlich und schmeckt auch so.

Lychees sind verführerisch, sinnliche Früchte, wie Pfirisch, Mango, Zuckermelone. Die schöne Schauspielerin/Modell/Moderatorinnenkollegin aus Radio CD Zeiten brachte Litschi-Sackerln ins ferne Bratislava, am Naschmarkt gekauft, wie Sushi. Sie war auch mal in Japan. Lycheesaft am Kinn.Luxus, Radio.Und noch ein bisschen exotisch.

„Mein Lieblingsobst“, sagt Prinzessin Mausezahn im Running-Sushi. Aber leider kommt kein Litschi-Kompott vorbei. Das Chinarestaurant ist ein Sushi-Lokal, die Taiwanesen sind Koreaner. Statt des Bambuskalenders gibt es Delphine. Die Kinder essen Sushi, vier und zehn Jahre alt. Als ich so alt war kannte ich noch keine Litschi.

Ich mag Litschis. Jetzt gerade möchte ich sogar welche. Und sie lasziv leckend lockend verzehren, ihre drei Farben, ihre drei Schichten bewundernd. Um sich zu vermehren muss sie aus ihrer Schale befreit werden unter der das glänzende Fruchtfleich lockt. Im optimalen Fall wie einen Lutscher oder Lollipop, natürlich auch L-Word. Ich mag L-Worte: Ich liebe die Lust, die Leidenschaft, Liebe (und machen), die Lasterhaftigkeit, das Ludrige, das Laszive, das Lüsterne, das Lachen, das Lippenspiel, Lesen, Lammleber, Leitungswasser, Lieder- und manche –macherInnen, Lava und auch enzsprechende –lampen, Lyrik, meinen Loter – sagte ich schon Liebe? und Litschis.. Ich liebe. Ich lebe.

Seit 49 Jahren...
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24
Dez
2013

Weihnachtsstöckchen

Was soll man denn sonst in so einer Nacht machen, liebe Toll3ste?

1. Winterdepression?
Ich wollte es wäre der Winter. Das Leben geht seinen Lauf und manchmal auf schwierigen Wegen. Dann und wann stolpert man tränenblind und schlägt sich die Knie auf. Im Winter ist es eisig, glatt und kalt. Aber das mag ich auch. Am draußen, drinnen weniger. Drinnen kann man sich am Feuer wärmen, wenn man drauf achtet und die Glut am Leben hält.

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2. Barfuß oder Lackschuh?
Barfuß – im Sommer. Einst hatte ich lederne Fußsohlen, trainiert durch Laufen auf Stoppelfeldern. Lackschuhe habe ich auch – ein Paar hat mich einst am gesellschaftlichen Parkett ausrutschen lassen und mit gespaltener Lippe (nicht Zunge) trat ich einen neuen Lebensabschnitt an. Ein wundervolles Paar Lackschuhe hat mir eine Freundin geschenkt, fein und bequem, kompakt und schick.

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3. Rotwein oder Weißwein?
Champagner und dann Rose und dann Rot und dann Weiß. Und gerne auch Bier. Hauptsache mit Liebe gekeltert, gebraut und serviert. Habe ich schon den Champagner erwähnt?

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4. Flugzeug oder Bahn?
Keine Angst vorm Fliegen, aber gerne mit der Bahn, auch der Straßenbahn und am allerliebsten mit dem Schiff….

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5. Feminismus?
Aber sicher…und jedes Jahr ein bissl mehr davon…

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6. Vorbilder?
Auch - jetzt gerade meine Mutter, die mit 83 Jahren ziemlich krank hier im Krankenhaus liegt. Bereit zu kämpfen, gewillt zu leben, voll Kraft und Humor, Freundlichkeit und Dankbarkeit all den Menschen gegenüber, die sie hier und Zuhause unterstützen – ich weiß, ich klinge meist anders, aber vieles erkennt man als Kind nicht oder erst spät, aber rechtzeitig.

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7. Ziele?
Lieben, leben, teilen.

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8. Reisen?.
Gerne mit Backgammon, Rästel und ausreichend Proviant – vom Kaiserwasser bis St. Malo, wohin es uns so verschlägt.

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9. Glaube?
Liebe, Hoffnung…

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10. Lieblingsfilm?
Kinder des Olymp, wohl noch immer….

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Und übrigens: Frohe Weihnachten, Euch Allen – ich habe vom bestesten 1. Offizier den schönsten Christbaum der Welt bekommen – how lucky I am…
1242 mal erzählt

16
Dez
2013

Homestory

Nun also allein im Haus. Einsam vielleicht wie so oft hier … aber allein. Ich tue Verbotenes. Das sit einfach, weil hier fast alles verboten ist. Der Koffer lagert im Schlafzimmer, die Jacke hängt am Treppenpfosten – aber ich habe ein schlechtes Gewissen. Morgen werde ich die Treppe wischen. Heute habe ich gelogen, habe mit dem Geliebtesten verbotenste Dinge getan. Am Wohnzimmersofa gesessen, ohne Decke und Schlimmeres. Alles knarrt, die Mutter omnipresent. Und dann die starke kleine Frau im Krankenhaus, an Schläuchen, schwach, und doch flirtend, über Körperflüssigkeiten in Beuteln scherzen, Voller Stolz und Würde; meine Mutter.

Ich liebe sie. Ich bin stolz auf die Energie mit der sie kleine Narben einfordert, auf die Freundlichkeit, die sie dem Personal entgegenbringt – meine Tochter kämpft für euch, sie ist stolz auf mich, die Umsicht, mit der sie regiert, die Organisiertheit ihrer Welt. Endlich Frieden und wir anerkennen uns, spät aber rechtzeitig. Der 1. Offizier, mein Ritter der Stäbe, steht mir bei wie mir noch nie jemand beigestanden und egal, woher die Winde blasen, das werde ich ihm ewig danken. Auch dass er, wiewohl nicht hier, weil in meinem Auftrag unser Leben lebend durch die Räume geistert; in so vielem begnadet, auch darin.

Bilder gibt es keine, Worte müssen reichen.
1728 mal erzählt

14
Dez
2013

Aus dem Logbuch: Freitag der 13., stürmisches Eismeer

Denn erstens kommt es schlimmer, zweitens als man denkt. Stürmische Seee beutelt uns nach schönen Nächten in freundschaftlichen Häfen. Geliebte Mütter und Großmütter kämpfen um ihr Leben.

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Mein Rücken schmerzt vom Widerstand, während ich mich an den Mast klammere, gestützt vom 1. Offizier. Und dann spritzt Gischt mein Gesicht salzig nass. Mama ist krank, schwerer als erwartet. Tapfer haben wir sie letztes Wochenende kämpfen gesehen, als ich nach Hause kam, die Tante zu begraben, die Mutter im Krankenhaus stützen. Mir zur Seite der 1. Offizier, im Gepäck jede Menge Arbeit, Druck und Wertschätzungsschmerzen. Enttäuschung über die Organisation, um deren Liebe – Solidarität, wie es bei uns heißt – ich fast die Hälfte meines Lebens buhle. Eine unglückliche Liebesgeschichte, nicht so schlimm angesichts der glücklichen.

Endlich erkenne ich in meiner Mutter auch die starke Frau, die sich in den Wogen des Lebens mit so viel Humor und Menschenliebe bewährt. Ich mag ihren rebellischen Geist ihren Lebenswillen und ihre schlaue Weisheit. Deswegen schätze ich das tägliche Telefonat mit ihr. Ich weiß, dass ich schon anders geklungen habe, ich bin mir bewusst, wieviele Tränene ich wegen ihr geweint habe. Aber es war/ist mein Kinderschmerz vermengt mit ihrem.

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Heute war es da, das kleine Kind, mitten im Großraumbüro, nachdem ich mit meinem Schulfreund dem Primar telefoniert habe. Sturzbäche von Tränen, die nicht mehr versiegen wollten zwischen Schlussredaktion und Editorial. Eine Tasse Tee von meiner Assistentin, der Seelen-Guten, und kein Schulterklopfen, kein Kopfnicken angesichts verweinter Augen. Das Wort hysterisch fällt, obwohl ich meine Arbeit zufriedenstellend im zeitlichen Rahmen erledige. Spuren der Weihnachtsfeier, verlegene Grüße. Die jahrelange Produktion von Mobbing-Broschüren zeitigt ihre Wirkung.

Solidarität ist eine Zeitschrift. Soziale Kälte hat mehrere Bedutungen. Der Mensch im Mittelpunkt ist Motto der Gespräche im RaucherInnenkammerl. Und nach wie vor gilt Groucho Marx: Ich möchte nie in einem Klub Mitglied sein, der Menschen wie mich als Mitglieder nimmt. Ich wollte Mitglied sein in eurem Klub. Weil die Ideen der Organisation meinen Werten entsprechen. Weil mir meine Eltern den Respekt vor Arbeit und Bildung mitgegeben haben. Und ich will Mitglied sein, wenn ich an all die Funktionärinnen und Funktionäre denke, die mir im Lauf meiner Tätigkeit für Euch begegnet sind. Sie sind und waren mir Vorbild und Ansporn von der Putzfrau im Betriebsrat bis hin zum Behindertenpfleger. Wow, ich mag eure/unsere Arbeit und halte sie für wichtig.

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Ich mag die Art, wie ihr feiern und arbeiten verbinden könnt, auch wenn ich das in letzter Zeit nur mehr an den Spuren eurer Feste ausmessen kann. Bei Verabschiedungen und Geburtstagen bin ich zumindest dabei, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Manchmal nasche ich die Reste in eurer Küche oder profitiere vom gemeinsamen Mittagessen. Dann lege ich meistens einen Zehner in die Kassa. Ich habe oft über Arbeitskräfteüberlassung geschrieben. , Ich überlass euch meine Arbeitskraft – per Werksvertrag. Mein Werksvertragsarbeitgeber ist nicht mein Betriebsrat (auch nicht mein Coach, kein Kollege, kein Freund) – auch in dem Fall nicht. Das habe ich erst lernen müssen. Ich bin mein Betriebsrat, ein guter Rat. Ich gehöre nicht zu euch – noch immer nicht.

Ich habe das Schiff Ariadne Wiktoria wieder einmal sicher in den Hafen gelenkt. Vielleicht ist es Zeit, diesen Kaperbrief zurück zu legen und neue Meere anzusteuern. Jetzt gilt es abzulegen in Richtung Heimathafen. Die Mutter braucht mich. Ich brauche meine Mama. Der 1. Offizier hält mir den Rücken frei.

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Und doch: So viel Glück ist mir beschieden. Allzeit gute Fahrt und eine Handbreit Wasser unter dem Kiel…
1428 mal erzählt

4
Nov
2013

In freudiger Erwartung

...unseres nächsten Auftritts:

werklwarten

Leistet uns doch beim Warten Gesellschaft, Ihr seid herzlichwillkommen ..


toll3steweiber@gmx.at
www.toll3steweiber.at
1328 mal erzählt

3
Nov
2013

Alle Heiligen, alle Seelen

Friedhöfe mochte ich, so glaube ich zumindest, schon immer. Die Ruhe hat mich fasziniert und seit ich lesen kann, die Buchstaben auf den Grabsteinen, die Namen, Lebensalter und frommen Wünsche, die Bilder auf manchen von ihnen. Unser Friedhof liegt in der Geburtsstadt der Mutter, ihre Eltern liegen dort und jener viel zu früh verstorbene Bruder, dessen Namen derjenige geerbt hat, der schon im Leib der Großmutter heranwuchs, als sie ihren ersten Sohn zu Grabe trug. Oft habe ich sie gehört, die Geschichte vom Heinerle und immer hat es mich gegruselt, dass Onkel Heini neben mir stand, geboren im Sterbejahr des anderen.

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Immer schon war dieses Grab mit Efeu überwachsen. Dahinter ragt der Bettelwurf hervor, ein Familienhausberg, den die Mutter nie bestiegen hat, auch nicht der Exmann, wie jahrelang versprochen, geplant. Ich mag Allerheiligen, irgendwie auch schon immer mit Ausnahme von ein paar Jahren der Rebellion, aber auch da waren es vor allem die Heuchelei in Pelzmäntel gekleidet, die ich ablehnte, nicht den Friedhofsbesuch an und für sich. Denn der bedeutete neben Kerzen, Gräbern und dem fast gespenstigen Mantra des Rosenkranzes auch noch Familienzeit. Nachdem uns das Friedhofstor zwischen Pelzen und dunklem Loden ausgespuckt hatte, fuhren wir alle zusammen – auch wenn wir vorher an verschiedenen Gräbern gestanden waren, gemeinsam ins Wirtshaus. Nicht ohne vorher beim Süßigkeitenstand am Friedhofsvorplatz Kastanien, Schaumrollen und türkischen Honig erbeutet zu haben.

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Ein Eisenofen stand in der alten Holzveranda und es gab Köstlichkeiten, wie Schinkenkäsetoast, Pommes Frites und Saftl. – Gasthausessen mit viel Ketchup, das erst gegen Väter und Onkel verteidigt werden musste und ihnen später gnädig überlassen wurde. Dann nämlich, wenn es draußen dunkel wurde und wir mit Taschenlampen bewaffnet durch Felder und Obstgärten jagten, trotz des guten Feiertagsgewandes. Morgens mussten wir es anziehen, sorgsam ausgewählt von den Müttern, schön und ordentlich und doch auch ein wenig praktisch. Abends, wenn Schuhe verdreckt, Strumpfhosen schmutzig, Mützen verloren und die Ordnung aus den Fugen geraten war, wurde meist nicht mehr geschimpft, auch weil alle froh waren, wenn wir endlich im Auto einschliefen.

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An all das erinnere ich mich, während ich am Grab des Vater stehe, Mama aufrecht an meiner Seite, den eleganten Stock in der Hand, stolz und ein bisschen bitter.. Nie würde sie sich an einem Grabstein anlehnen oder sich gar setzen. Vielleicht kommt es mir nur so vor, aber die Zeremonie scheint kürzer geworden, der Pfarrer zitiert Kafka. Die Geschichte von der Maus. Seit fünf Jahren stehe ich an Papas Grab und gedenke meiner Toten, heute ist auch Eugenie bei mir und die, die um sie trauern. Weniger Menschen sind am Friedhof, weniger Gräber auch, kaum Pelzmäntel. Kurz flüstert mir die Mutter Anweisungen für ihr Begräbnis zu.

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Den Süßwarenstand gibt es nicht mehr und auch den Eisenofen, das Wirtshaus schon noch, die Holzveranda, diskret renoviert. Wir Erwachsenen essen Kiechl, die Kinder Toast und Pommes, bevor sie in den Feldern und Obstgärten verschwinden. Am Tisch bleiben wir, die verwandten Bergmenschen und ich und ich fühle mich fremd zwischen all den raschen Urteilen, den Prinzipien der Überzeugung genau zu wissen, was richtig oder falsch, wer gut oder böse. Ich stehle ein Stück Toast von einem Teller, trinke zu viel, verteidige mich und werde von Granatsplittern der Bosheit getroffen, verletzt. Mein Vater fehlt. Nicht nur mir, sondern den meisten hier am Tisch, habe ich den Eindruck. Mit ruhiger Stimme brachte er stets humrovolle Milde in die Strenge. Und sie lauschten ihm und ich war stolz.

Am Friedhof habe ich auf sein Grab gestarrt, die Rosen, die sich durchkämpfen, das fehlende Kreuz, wiewohl er der Gläubigste von uns Dreien war, . Erst am nächsten Tag treffe ich ihn, dort wo wir uns immer begegnen.

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Und dann daheim – am Vorderdeck, wissend, dass ich geliebt werde. So viel Glück ist mir beschieden. Allzeit gute Fahrt und eine Handbreit Wasser unter dem Kiel…
1400 mal erzählt
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Mock Turtle

Sit down, both of you, and don't speak a word till I've finished

Who sits there?

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Gruß nach drüben
Der Vater - der großartige Walter Deutsch ist am 13....
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Gruß nach drüben
Der Vater - der großartige Walter Deutsch ist am 13....
katiza - 18. Feb, 16:53
Wenn ich schon geahnt...
dass ich an jenem Zuhause angekommen bin. Ich liebe...
katiza - 22. Feb, 15:42
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