24
Okt
2013

The Return of the Mock Turtle

Ich hab Rücken; Rückgrat auch, hoffe ich. Und das tut weh. In der Röhre haben sie Bilder davon gemacht. C5/6/7 grenzwertig und irgendwas. „Nicht grenzwertig grenzwertig?“ frag ich die Ärztin. Doch meint sie und dass ich die Wände hoch gehen müsste vor Schmerzen. Ich hab eine hohe Schmerzschwelle, nicht immer, wenn es um mein Rückgrat geht, aber wenn es um den Rücken geht. Beim Halswirbel da, sitzt der Schmerz. Schief bin ich vom Taschen tragen und da ist da auch noch diese Anspannung im Unterkiefer, die die Schauspiellehrerin schon vor 30 Jahren bemerkt hat. „Warum verkrampfst du den Hals so, das Kiefer? Was willst du zurückhalten? Wogegen wehrst du dich?“ Worte wahrscheinlich. Dabei finde ich der Worte genug, Worte sind mein Leben. Aber es sind nicht immer die richtigen, die da an die Oberfläche drängen. Worte für Werte.

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Worte als Namen. Der Schmerz z.B. C5/6/7 nenne ich ihn, bläulich rot ist er in der Nacht, wenn er sich zu Wort meldet. Dumpf zischelnd ruft er zur Versammlung. Wo Schmerz ist, geht Schmerz zu. Da trifft dann der abgenutzte Körper die abgenutzte Seele. Alle sind sie da, das magere Selbstwertgefühl, die kränkelnde Eitelkeit, der verletzte Stolz und da hinten schleicht die alte Angst rum, Rädelsführerin im Schmerzensrudel. Und sie besprechen sich, erzählen sich Geschichten von früher, als sie hier viel mehr Platz hatten, von Tränenorgien und Selbstverletzung. Manchmal kommt ein neuer Schmerz dazu. Der eine drückt sich still und ein wenig schüchtern in der Ecke, der andere wird als alter Bekannter entdeckt und gleich mitaufgenommen. Da tauschen sie Bilder, Töne Worte, während ich versuche sie zu verjagen.

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Und dann erinnere ich mich wieder an die Wertschätzung, um die sich alles dreht. Weil ich glaube, dass sie mir verweigert wird, verweigere ich sie meinem Körper. He, C5/6/7, du machst einen guten Job, du hältst mich gerade und das kann ich gerade sehr gut brauchen. Zu oft habe ich das Schwere auf die leichte Schulter genommen,die Liebe in Einkaufssäcken heimgeschleppt, um sie dann in die Menschen zu stopfen, sie damit abzufüllen. Ich sollte seltener nicken und öfter den Kopf schütteln, um dich zu entlasten, gerade nach vorne schauen statt zu Boden starren. Mich öfter beugen, aber auch öfter strecken.

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Irgendwann schicken sie wieder die Mock Turtle raus, ihr Klagelied zu singen und versammeln sich alle zur Lobster-Quadrille. Ich kann sie hören, ihr hämen: „Narzissenkönigin“ nennen sich mich: „Sugar-Mami“, dumm und eitel. Der Alkohol tut sein Übriges, anstatt die Worte hinunter zu spülen, kotzt man sie aus – in einem mächtigen Schwall, der alles versaut, Unschuldige bekleckert und übel riecht, Halbverdautes, Wortbrocken, Herzeblut und Tränenspuren. „Aber“, sagt, das kleine Mädchen und „Ich wollte doch nur.“

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Ein Danke wollte ich, nicht Dankbarkeit, fürs Tun, nicht fürs Geben, einen kurzen Scheinwerfer, der zeigt, dass ich dabei war, ein gut gemacht, ein Hebammenlob, ein Lob. Enttäuscht wird nur, wer sich täuscht, predige ich. Und wer von Narzissten Lob erwartet, ein Danke, der täuscht sich gewaltig Das ist wohl überhaupt so mit erwartetem Dank. Und so hülle ich mich in das Danke des 1. Offiziers, sein Lob, seine Wertschätzung und Anerkennung, steh auf, wisch die Tränen ab, richt mir die Krone, schau gerade aus und gehe weiter. Und dann sehe ich es wieder: Es ist eine gute Welt.

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Ich höre das Spottgelächter der Schmerzen tief in mir drinnen und weiß, dass ich vielleicht morgen, wenn mich C5/6/7 weckt, in ihre dreckigen Witze miteinstimme. Und dem kleinen Mädchen flüstere ich zu: „Gut hast du das gemacht, damals und auch heute, ich weiß es, ich war dabei.“

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Und doch: So viel Glück ist mir beschieden. Allzeit gute Fahrt und eine Handbreit Wasser unter dem Kiel…
1865 mal erzählt

4
Okt
2013

Groupie forever

Das ewige Groupie in mir feiert fröhliche Urstände . Zwar sind seit dem Satz: „Wir haben in der Band beschlossen, dass sich das mit Freundinnen jetzt mal nicht ausgeht“ mehr als 30 Jahre vergangen, doch kann ich mich noch immer nicht aus dem Dunstkreis der Musikanten und auch –innen nicht lösen. Vielleicht liegt es auch an dem alten Witz: „gehen zwei Musiker an einer Bar vorbei….“Ich liebe Proberäume, immer ein wenig versifft, nach Rauch und Bier stinkend, schließlich lebte ich in einem eine wundervolle Wochenend-Wohngemeinschaft. Ich schreie und tanze mir bei Konzerten leidenschaftlich gerne die Seele aus dem Leib.

Zu einer Marianne Faithfull werde ich es wohl nie bringen und ob ich mich zur inneren Yoko Ono oder Milica bekennen will, weiß ich noch nicht. Aber ich mag es, ein wenig am Rock’n’Roll Ruhm mitzunaschen, ein bisschen Muse zu sein. Das hat sich nicht geändert seit ich den Punk-Sänger-Geliebten nach München chauffierte, um billige Musikkassetten für die 1. Tonträgerveröffentlichung zu kaufen. Ich koche gerne für MusikerInnen. Ich bin gerne Backstage – übrigens auch im wirklichen Leben, im politischen, im Kommunikativen. Vorausgesetzt, ich finde auch meine Bühne, das gebe ich zu.

Für des 1. Offiziers Band „Soushop“ www.soupshop.at darf ich mit Rat und Tat und Speis und Trank zur Seite stehen und sie am „Weg zu Weltherrschaft des Skunk-Rock begleiten – z.B. hinter den Kulissen dieses Videos – bitte anschauen und vielleicht sogar mögen und weiterverbreiten – mit Cameo-Auftritten von Bierpapst Conrad Seidl und Komiker Alf Pojer & Sex&Drugs&Rock’n‘Roll

Prost!

1549 mal erzählt

21
Sep
2013

Papa

Fünf Jahre sind es schon und auch wenn mir jener Morgen, an dem sich alles verändert hat wie gerade gestern vorkommt, scheint er gleichzeitig ein Leben weit weg. Mein Leben, das sich so verändert hat. Manche dieser Änderungen hätten dich wahrscheinlich belastet, Änderungen waren nicht so deines, du bist deinen Weg lieber gerade gegangen. Ich weiß nicht, ob ich mein Leben verändert hätte, wenn alles gleich geblieben wäre. Ich weiß nur: so wie es ist, ist es gut und es fühlt sich richtig an.

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Und auch wenn ich mir gerne einrede, dass du all das siehst und weißt, dass du mich wie eine Art Schutzengel begleitest, glaube ich nicht wirklich daran, nur daran, dass du in mir lebst, so lange ich lebe, dass ich versuche so zu leben, wie du mir das Leben vorgelebt hast, kategorischer Imperativ und so. Und so wünsche ich mir – wohl wissend wie absurd diese Wünsche sind – manchmal, dass du bei uns am Tisch sitzt oder hier im Wohnzimmer auf dem Sofa. Ich würde dir gerne den 1. Offizier vorstellen und kann mir gut vorstellen, dass und wie ihr miteinander auskommt, zwei ruhige große Männer, vorsichtig, zurückhaltend, nachdenklich, beide sanft, beide Zuhörer, vielleicht hättet ihr, hätten wir gemeinsam gerätselt. Du würdest ihn mögen.

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Und dass Mama und ich so friedlich und behutsam miteinander umgehen, hättest du wohl gerne erlebt. Unsere großen Dramen haben dich noch mehr gequält als uns. Welche Freude hättest du mit Mimi und wie stolz wärst du auf deine Frau. Ich bin stolz und glücklich deine Tochter zu sein, ich danke dir für alles, was du mir mitgegeben hast, am allermeisten für die Werte, die du mich zu leben gelehrt hast, für deinen Gerechtigkeitssinn, deine Aufrichtigkeit und deine Liebe und deinen Respekt für die Menschen. Ach, Papsch - ich könnte mir keinen großartigeren Vater vorstellen.

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1296 mal erzählt

30
Aug
2013

Logbuch – Auf hoher See

Was für ein fahrtenreicher Sommer. Reisend waren der 1. Offizier und ich unterwegs und nahezu alle Arten von Fortbewegungsmitteln haben wir auf unseren Wegen benutzt. In erster Linie war es ein Sommer auf Schienen - Züge führten uns durch Österreich und bis hinauf zu einer Hochzeit am Rhein. Viele Stunden verbrachten wir, in Gesellschaft oder allein, rätselnd oder Backgammon spielend, essend, trinkend, schlafend. Und manchmal sogar stehend. Aber nicht einmal das bringt den 1. Offizier und mich aus der Ruhe, schmunzelnd betrachten wir das Schauspiel vor unseren Augen. Immer mit viel Gepäck, immer zu viel. Und doch so wichtig: Instrumente, Seifenblasenset, Bücher, Piratenfahne, Getränke, Speisen, leer und voll, Zeitschriften, alles, um auf alles gefasst zu sein und mehr. Mittlerweile sogar ein Drachen.

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Manchmal sind wir im Auto unterwegs. Meist mit den kleinen blauweißen Smarts der Auto2-Gehen-Firma. Sie sind unsere Beiboote im Stadtverkehr, sie geleiten uns zu Zug- und Flug- und E-Boot-Häfen. Hin nutzten wir den Ferienhaus-Fuhrpark und einmal fuhren wir im Soupshopmobil, gezeichnet von den Tourneen der Band und längst in den Händen einer Fan-Freundin., hinauf in die Heimatberge des Rockstars meines Vertrauens. Zu viert gondeln wir los im gelben Bandbus. Gitarrist und Schlagzeuger wechseln sich beim Fahren ab, bei der Burger-Kette wird halt gemacht, höchstens Radler getrunken. Schön ist die Landschaft dort draußen; die Jungs so angenehme Menschen. Im Aufbruch, Väter wollen sie werden, alle beide und ihre Mädchen wollen den Nestbau auch. Männer und Frauen und doch auch einsame Kinder scheinen sie mir. In den Bergen streut man uns Rosen aufs Bett im Nobelhotel und die Bande spielte beim Charity auf.
Ich mache Bubbles am Rand des Teichs, des Geliebtestens Mutter an meiner Seite und auch ihr lacht das kleine Mädchen, das sie einmal war aus den Augen. Und Schulter an Schulter himmeln wir später mit Teenager-Gesichtern die Band an.

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Wenn wir vom Bahnhof zu Unterkunft zu Spielstätte zu Unterkunft zu Einkäufen zum Baden zum Zeitvertreib zu Spielstätte zu Bahnhof zum Bahnhof pendeln, verwandelt sich die brave Familienkarosse in einen Zirkuswagen. Wir Mädchen sitzen fast immer auf der Rückbank. Der grandiose Geräuschemacher mit den langen Beinen vorne neben dem Fahrer, dem Kapitän, Regisseur, Autor. Gepäck, Requisiten, Getränke für die kleine Bar, geschenkte Schuhe und unsere Rucksäcke Koffer, Taschen füllten die hintere Hälfte des Kombis, Gelächter, Gesang, Geblödel, Gequatsche, Gedenken die vordere. Mal obszönes Gegröle, mal Nachhaltigkeits-Gestus mit der berühmtesten Flasche der Welt, in Plastik gegossen. Nicht immer alles eitel Wonne, aber immer Theater. Und all die Dramen, abseits der Bühne. Große Eifersucht im Burghof, kleine Eitelkeiten im Schulhof. Schmerzen im Rücken und in der Seele. Und vor und nach der Komödie finden die wirklich großen Tragödien im Foyer statt, oft geprobt und erschreckend, ergreifend. Katharsis.

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Und Schiff fahren, natürlich fahren wir Schiff, schließlich sind wir die Piratenkönigin und ihr 1. Offizier. Wann immer es dieser unser dritter Kinosommer erlaubt, stechen wir versehen mit „Jolly Roger“ und feinsten Spezereien auf der Alten Donau in See. Meist im Elektroboot. Und dann packt der 1. Offizier seine rote Bubble-Pfeife aus und ich strecke meine Hand in den Fahrtwind. „Hearst Oida, is des uargeil, pack I des, hearst. Gimme five.“ Was uns auch nach mehreren Anläufen mit der Horde betrunkener Teenager gelang.

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Am Rhein sind wir gefahren in einem, frühmorgens nach einer Hochzeit in Bad Honnef. Wir trafen auf Rentner, die unsere Heimat gut kennen und uns war die ihre doch so fremd, das Nachbarland.Ja und ann die große Fähre, die uns nach Chios brachte, trunken vor Urlaubsfreude und Ouzo. Herrliche Tage auf einer Insel, deren Schutzheilige Markela ein Inzestopfer ist und wo die Bäume kostbares Mastix weinen. Reisegefährten sind wir, nicht Urlauber. Volle Fahrt voraus.

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Soviel Glück ist mir beschieden! Und so viel Liebe!
Allzeit gute Fahrt und eine Handbreit Wasser unter dem Kiel…
1380 mal erzählt

5
Jul
2013

Terra Euphorica oder Hommage an Anousch O.

„Prototypen können so rührend sein“, schrieb Anousch Mueller einst und regte mich damit zu einem meiner Lieblingstexte an. In jenen Tagen hatten wir im Netz Freundschaft geschlossen, anonyme Bloggerinnenfreundschaft – ich kommentiere bei dir, du bei mir und das per Sie. Wir waren wohl alle verliebt in die Zeppelinkapitänin, Herr Schneck, Dr. Schein und all die anderen oder viele von uns oder zumindest ich…Begeistert las ich die Texte der geheimnisvollen Herrin von Terra Euphorica. „100 Tage online. Die auf Widerruf gebloggete Zeit.“ etwa unter dem Titel: „Gemeinsam einsam“. Ingeborg Bachmann wird sichtbar am Horizont.

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Und dann der Prototypensatz und das Zeppelinbild und die Erinnerungsschätze, die dadurch gehoben wurden, gelesen, entdeckt, erst zwei Monate nach ihrem Posting. Das musste ich berichten, ihr berichten, der fremden schönen Bloggerin, der Apfelpflückerin. „Und schreiben Sie die Geschichte! Darauf freut sich: Ihre Lieblingsleserin, Anousch“ Das tat ich. Und sie mochte den Text. Anousch war immer ein wenig Francoise Hardy für mich, ob ihr die Chansons und Schlager der Französin, mit denen ich meine an sie gerichteten Worte nur allzu gerne untermalte, wirklich je gefielen, weiß ich nicht.

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Wir wurden bleiben Freundinnen und Silvester 2009/2010 war Anousch die erste Bloggerin, der ich im wirklichen Leben begegnet bin, unsere Hände verschränkten sich und wir haben nie mehr ganz losgelassen. Vieles hat sich verändert, das ist geblieben.

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Großartig hat sie gelesen, die Nicht-Schauspielerin unter so vielen Schreibenden, Spielenden nur Lesende, gestern beim Bachmannpreis, den Tagen der deutschsprachigen Literatur 2013 in Klagenfurt: Bilder der ersterbenden Liebe gemalt in Falunrot und Schmerztönen. Die Frauen am Tisch im Garten des ORF-Zentrums – in dem ich vor vielen Jahren als Studentin angeekelt war von der Arroganz des Intendanten – die Büchermenschen waren hingerissen und Blicke bestätigten die Worte der Autorin: „Vorsicht war seine Zärtlichkeit.“ Die Männer in der Jury reagierten verletzt, unmutig und ein wenig ungeduldig wie der Mann in der Erzählung. Sie machten sich an Details fest vom Segeln. „Wie immer, wenn er sprach, war es, als zitierte er Wörter und Wendungen, die er irgendwann in einem langen Repetitorium auswendig gelernt haben musste. Doch mir wurden seine Worte fremd.“ Männer wie Leo.

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Anders die Männer der Autorin, der geliebte Nerd, der bezaubernde Sohn, der mit dem ersten Roman in ihr herangewachsen und gereift ist. Gemeinsam warteten wir auf sie. Die Worte hatten ihr weh getan, das sollten sie wohl auch. Doch sie betrafen nicht die Geschichte – den „souveränsten Text bisher“ – sondern anderes, persönliches, mir schien als hätte ihr Text bei ihnen Altes wach werden lassen. „Es hatte sich eingeschlichen, zunächst nur als leichtes Kribbeln, das allmählich in ein Jucken und schließlich in ein Brennen überging.“ Wie ein Herpesvirus liegen manche Schmerzen in unseren Seelen und können allein durch die Beschreibung wieder erweckt werden.

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„Ich aber hatte ihn besiegt, indem ich ihn niederschwieg.“
Und sich, indem sie las. Anousch Muellers Roman Brandstatt erscheint am 15. Juli. Sie ist immer hin. Und ja, ich weiß es, glaube es, „die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“ und Fontane hätte sie erfunden.Ich bin immer (noch) hin (und weg).
1819 mal erzählt

1
Jul
2013

Logbuch: Jungfernfahrt mit der Hurricane Katrina

Wie sich das Leben doch gleicht. Der 1. Offizier spielt wieder Theater. Zur Jungfernfahrt ging es in den Süden, eine eine Welt voll Trachtenmoden, Möbelgeschäften, BZÖ-Plakten, seltsamen Regional-Nationalstolz und Kunst, die tapfer dagegen ankämpft. Ich habe als Smutje angeheuert, eine Foccachia im Gepäck, als Groupie mit werbendem Begleitlärm und Fotoapparat und bin doch wieder als „Mutter der Nation“ erkannt worden.

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Maria Stewart, ich grüße dich, im Herzen der Burg warst du plötzlich, endlich wieder da Ich war ein bisschen du, als das junge Mädchen an meiner Schulter weinte, weil der Freund ein Eifersuchtsdrama abseits des Stücks inszenierte. Und immer wieder Theaterwelt, voll Dramenpotential und großer Gefühle. An die schöne Clownin Geza mit dem Mondgesicht muss ich denken, während ich der Veganerin mit bühnentauglichem Namen beim Predigen lausche. Wie sie da saß und dem Tod ins Auge sah – Tschernobyl.

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Ich erinnere mich an einen Abend, an dem wir darüber sprachen, welche Opfer wir für eine Rolle bringen würden: Zur Not auch die Liebe und gerne die Scham. An das Ausloten großer Gefühle in betrunkenen Nächten. Ganz große Liebe. Der Erste. An der Kassa sitzen, Bühne schrubben, Scheinwerfer aufhängen und Bretter, die die Welt bedeuten. Jedes Stück, jede Aufführung birgt so viele andere Dramen, Tragödien, Komödien, wie gegenüberliegende Spiegel die Unendlichkeit. Das stimmt schon mit dem Kaleidoskop

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Sieben Todsünden und alle großen Mythen vor und hinter der Bühne: das war das ist mir Theater. Schließe ich die Augen kann ich sogar den Geruch meiner ersten „richtigen“ Bühne wahrnehmen. Das Innsbrucker Kellertheater. Ich fühle den Raum, spüre das Licht der stilechten mit Glühbirnen umrandeten Spiegel. Die liebevollen Geschenke der anderen zur Premiere. Das kleine Paar Schuhe meiner Choreografin, der Elfe Ann. Ich sehe bekannte Gesichter im Publikum, spiele – lebe. Und dann Applaus. Das fällt mir in dem Keller ein, in dem die Hurricane Katrina zu ihrer Jungfernfahrt in See sticht. Es ist ein anderes Theater, nicht so wild und trunken wie damals. Aber das bin ich ja auch, eine andere, nicht mehr so wild und trunken.

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Wann ich aufgehört habe, den großen Bühnentraum zu träumen, weiß ich nicht. Vielleicht nachdem ich mir neue Bühnen geschaffen hatte; vielleicht auch nie. Aber irgendwann wollte ich nicht mehr Schauspielerin werden, nicht mehr Regisseurin. Nichts Dramatisches war passiert, es war nur vorbei mit Drama. Nicht im Leben, doch im Traum. Und es ist gut so.

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Und doch – mit Max Reinhard: „Ich glaube an die Unsterblichkeit des Theaters. Es ist der seligste Schlupfwinkel für diejenigen, die ihre Kindheit heimlich in die Tasche gesteckt und sich damit auf und davon gemacht haben, um bis an ihr Lebensende weiterzuspielen.“ Solchen Menschen darf ich immer wieder begegnen: fröhlichen, traurigen, lustigen, zornigen, liebenden, einsamen, staunenden, zweifelnden, wissenden Kindern. Und für manche von ihnen darf ich meinen Bauchladen an Erfahrungen öffnen.

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Und dann stehe ich ja selbst auf der Bühne, leidenschaftlich gerne und bald wieder in ganz besonderem Rahmen: bei Nono auf Yppe

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Der wunderbaren Truppe von Sandy Shoeshine Rhapsody und mir ans Herz gelegt: Vorspiel auf dem Theater:

Laßt uns auch so ein Schauspiel geben!
Greift nur hinein ins volle Menschenleben!
Ein jeder lebt's, nicht vielen ist's bekannt,
Und wo ihr's packt, da ist's interessant.
In bunten Bildern wenig Klarheit,
Viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit,
So wird der beste Trank gebraut,
Der alle Welt erquickt und auferbaut.

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Soviel Glück ist mir beschieden!
Allzeit gute Fahrt und eine Handbreit Wasser unter dem Kiel…
1344 mal erzählt

12
Jun
2013

Logbuch: No one here get’s out alive

Es ist Sommer am Vorderdech, doch der Wind pfeift uns um die Ohren. Kein feindseliger Wind, sondern einer, der unsere Segel füllt und uns da und dorthin treibt. Der 1. Offizier hat wieder auf der „Hurricane Katrina“ angeheuert und ich mache Zeitungen fertig und lass das Zirkuspferd raus – bei toll3sten Auftritten und Podiumsdiskussionen zwischen klugen Ökonomen – die Ökonomin war erkrankt. Ich hätte sie gerne dabei gehabt – auch des Feminismus wegen. Da und dort gibt es Scharmützel zu schlagen aber daran merkt man, dass man lebt und doch segle ich so glücklich dahin, nehme mir Zeit, mein Schiff auf den Doc(k)s durchchecken zu lassen und bin mit den Ergebnissen ganz zufrieden. Sicher die alten Taue und Masten ächzen da und dort, aber ich habe ihnen doch einiges zugemutet. Wichtig ist, dass ich fröhlich auf den Wellen schaukle wie nie zuvor.

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Älter werden wir alle und manche gehen. Ray Manzarek z.B.. Aber wie sagte schon der so heiß verehrte Jimmy „No one here get’s out alive“. Sicher, ich hab es zur Kenntnis genommen, seufzend, another one gone. Und dann bin ich bei der Elfenhäuslerin und bei Herrn Glumm wieder und wieder darüber gestolpert.

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Es war ein Sommer wie heute, als ich das Buch, gekauft am Flug nach Calgary -, dem ersten nach Übersee, allein, den Vater begleitend, auf den Knien zu ihren Füßen saß. Hinten außen, wie wir den Bungalow in unserem Garten nennen. Sie lag auf der Liege und ich übersetzte, begeistert, verliebt. Ich erzählte ihr von dem Genie, meinem Idol. Auf dem Plattenspieler lag American Prayer; wie eben, dieselbe Platte.

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Später in diesem Jahr verblüffte sie einen jungen Inder auf einer Zugreise mit ihrem Wissen über den Mythos des Rockstars. Er wollte ihr nicht mehr von der Seite weichen, erzählte sie stolz. Ja, es war Jim Morrison, der für mich alles überstrahlte, weil ich das Wort stets über die Musik stellte. Wohl, weil ich mit Wörtern besser umgehen, sie besser hören kann. So war Ray Manzarek für mich eine biographische Figur. Ich glaube, ich habe ihn sogar einmal in Wien spielen gesehen, oder auf einem Festival, oder auch nicht. Schade, dass ich das nicht mehr weiß, Schön, dass es diese Musik noch immer fertig bringt, mich durch Zeit und Raum zu katapultieren, dass sie Erinnerungen und Gedanken freisetzt. RIP Ray Manzarek u&thank you for the music.

Soulkitchen ist auch mein Lieblingssong.

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Ja, zum Bloggen finde ich wieder Zeit undLust, vielleicht, weil ich bemerke, wie viele unverdrossen dran bleiben, vielleicht weil auch Neue dazugekommen sind. Doch das Leben hat Vorrang mit seinem Füllhorn voll reichhaltiger Geschenke, Beute der Liebe, die wir unter Deck verstauen und mit vollem Herzen weitergeben. Und immer wieder sterneneklare Nacht am Voderdeck.

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Soviel Glück ist mir beschieden!
Allzeit gute Fahrt und eine Handbreit Wasser unter dem Kiel…
1510 mal erzählt

9
Jun
2013

Lieber Papa,

heute hättest du Geburtstag. Und Vatertag ist auch. Ich vermisse dich so sehr.

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Eben sprichst du mit mir. Ich kopiere alte Filme und mit schlechtem Gewissen blicke ich auf mein unvollendetes Portrait von dir. Edition Lebens-Wert. Du warst wahrscheinlich enttäuscht, dass ich das – wie so vieles - nicht fertig gemacht habe. Konsequent, wie du deinen Weg gegangen bist.

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Deine erste Erinnerung: Eine Nazibombe vor der elterlichen Wohnung plaziert, ein netter Polizist, der sich später als Nazi entpuppte. Du sitzt im Garten, die Sonne scheint und hinter dir ist „die Frau“.Du lachst, als du meine Worte wiederholst: „Eigentlich ein Böser.“. Viel zu spät verbringe ich heute den Vatertag mit ddir Papa. Nach Prag bist du gereist als kleiner Junge, ganz allein mit der Mutter und hast einen Riesen gesehen. 1938 seid ihr in unser Haus gezogen, du bist mit der Straßenbahn in die Volksschule gefahren. Die gute alten Vierer. Dort habt ihr euch auch kennengelernt. Als kleines Mädchen bn ich an der Mutter ihrer Hand, den Teddybären im Arm damit in die Stadt gefahren. Ein Schnaubärtiger Schaffner und drohte dem Bären ein Loch ins Ohr zu knipsen. Lachen zwischen Furcht und Erleichterung. Und später saßen wir auf den Holzbänken einen Sack mit Büchern auf den Knien, sechs Stück, mehr gab die Bibliothekarin nicht her. „Die Brüder Löwenherz“ und „Jim Knopf“, die „Geschichte des Tiroler Freiheitskampfs“ und Auguste Lechner. Aber das ist meine Geschichte und erst kam deine, Papalatschi. Erzähl weiter.

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In der Nacht der Machtübernahme durch die Nazis haben sie Opa verhaftet und weggebracht „meinen Vater“ sagst du. Und „das war ein Rieseneinschnitt“. Und dann erzählst du wie es war, als ihr verdunkeln musstet und dabei nicht an die Herzchen in den Jalousien gedacht habt. Du malst ein Herz in die Luft. „Wir haben nicht bedacht, dass durch die Herzchen ein kleiner Lichtschimmer hinausgeht. Und dann ist der Herr Blockwart von der NSDAP gekommen, ein sehr strenger Herr, und hat uns sehr gerügt, dass wir der Verdunkelung hier nicht vollkommen nachkommen.“ Ich liebe deine Sprache, Papa, die wohl gewogenen Worte, ein wenig antiquiert und doch rein und klar. „Die waren ja ungeheuer wichtig, wichtig gemacht... Das war eine unangenehme Bespitzelung.“

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Vaterlos bist du aufgewachsen, der Vater hatte Gauverbot, kam nur einmal im Monat und es gab Telefontermine beim „Altwirt“. Als der große Bruder als Praktikant in den Allgäu ging, wart ihr allein, deine Mutter und du. „Die Mutter war ja nach den Nürnberger Gesetzes... war sie ja ...Halbjüdin“, sagst du und zögerst vor dem letzten Wort. Und setzt gleich wieder an: „Obwohl sie katholisch getauft war. Auch ihr Vater katholisch getauft war. Ihre Mutter war bis zu ihrer Eheschließung mosaisch. Und nach den Nürnberger Gesetzen galt das las Volljude von der Konzession. Das ist plötzlich herausgekommen. Wir haben ja nichts gewusst davon.“ Einen Stern hätte die Großmutter tragen müssen und auf ihrem Ausweis prangte ein großes J. Mich hat sie das Vaterunser gelehrt. Die Nachbarn, die meisten, hätten sich sehr, sehr gut benommen, versicherst du.

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Du warst „natürlich“ bei der HJ in unserem Heimatdorf. „Einer, der in die Oberschule gegangen ist, der eine höhere Erziehung genossen hat.“ Die HJ-Führung hat dich daher immer wieder zu „Gedichtaufsagen, Schaukämpfen, Boxen und dergleichen herangezogen“ erzählst du. Das „Zirkuspferd“ hab ich von dir; damals – auch - Überlebensstrategie. „Die haben mich sehr gerne mögen, weil ich verwendbar war“. Ach, Papa, das kenne ich. Zwei Tage haben sie dich untersucht, gestestet, Körperlich und geistige, den Schädel vermessen, „Und sie konnten also kein jüdisches Erbgut entdecken“, lachst du.

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Später, nachdem die ersten Bomben gefallen sind, wurden schon die Buben mit Aufgaben betraut. Du warst Schriftführer bei Musterungen, erklärst du. Und dann erzählst du dein größtes „Abenteuer“, ich kenne die Geschichte, sie hat mich als Kind sehr beeindruckt. Du wurdest aus der Schule geholt, hast einen „Sonderausweis“ bekommen und wurdest mit einem Rucksack zu Messerschmitt nach Gera geschickt. Mit gerade vierzehn. Immer wieder flogen Bomben, die Fahrt war lang und wurde häufig unterbrochen. Ein Flugzeug fliegt über den Garten.Du erzählst von der Frau, die sich als aus dem Orden vertriebene Klosterschwester entpuppte. In Halle an der Saale hat sie dir ein Quartier verschafft. „In Gera hat die Stadt gebrannt, in der Nacht war ein Fliegerangriff. Ich bin dann mit meinem Rucksack in das Werk und wurde interessanterweise wie ein Held Ich bin dann mit meinem Rucksack in das Werk und wurde interessanterweise wie ein Held empfangen.Es hat geheißen, es kommt wer und holt das ab und bringt es in die Ostmark und dort wird das verwendet.“, erzählst du und ich frage mich, wem du die Geschichte erzählt hast. Wahrscheinlich auch dir selbst in schlaflosen Nächten. „Und dann hat man mich – kann ich mich erinnern – in der Betriebsküche verköstigt. Und das war nicht nach meinem Geschmack, was wir da bekommen haben Grütze und rote Beete. Aber sie waren so lieb.“ Du hast es komisch gefunden, dass die noch fest an den Endsieg geglaubt haben, während man im heimatlichen Tirol schon gesagt hat: „Das geht nimmer lang.“ Mit schweren Musterstücken im Rucksack wurdest du nach Hause geschickt. Die Reise gestaltete sich nicht viel anders als die Hinreise. „Wie durch ein Wunder“, hat der Schnellzug in Heimat letztendlich fast vor unserer Haustüre gehalten.nach siebzehn Stunden Schlaf hast du dann am nächsten Tag deinen Auftrag vollendet. Stolz lächelt mich ein Vierzehnjähriger an, eben der Hölle entronnen sieht er das wahre Wunder im Schnellzug, der in nach Hause bringt. Ja Papa, das ist schön so. Wann hast du aufgehört an Wunder zu glauben?

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Du unterbrichst, wenn ich die Kamera verstelle, ganz Profi. Du hast viele Interviews gegeben, ein öffentliches Leben geführt, automatisch nimmst du Rücksicht, auf die hinter der Kamera. Du nennst die Daten der Bombenangriffe auf Innsbruck ohne Zögern im Fluss der Erzählung und sprichst wie gedruckt. Nur an meinen Fragen ist zu erkennen, dass hier ein Vater mit der Tochter spricht.

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Ich frage nach, wie es war, als deine Mutter ins Lager Reichenau gebracht wurde. „Warst du da ganz allein hier? „Ich war dreimal ganz allein hier. Zweimal ist sie in die Reichenau gekommen und wir konnten nur mit größeter Mühe die Abschiebung in ein VernichtungsKZ vermeiden.“ Der Vater hatte einen Nachsichtakt erreicht. “Zweimal ist sie in die Reichenau gekommen und wir konnten nur mit größter Mühe die Abschiebung verhindern.“ Du hast sie besuchen können. „Das war sehr, sehr schwer. Und dann kurz vor dem Ende des Krieges, vor dem Zusammenbruch hat man uns mitgeteilt, es ist Und dann kurz vor dem Ende des Krieges, vor dem Zusammenbruch hat man uns mitgeteilt, es ist gefährlich, die Nazis nehmen all diese Personen, sei es jetzt rassisch oder politisch belastet als Geiseln oder bringen sie um – was ja auch tatsächlich so geschehen ist.“ Es gelang dir als Teenager, die Mutter über Freunde der Familie in einem Lazarett zu verstecken. Ein Nachbar, der bei der Post war und im widerstand hatte geholfen. Als du per Auto wieder zurück bist, haben dich Wehrmachtsdeserteuer mitgenommen. Zwei hast du übernachten lassen und ihnen dann alte Anzüge deines Vaters gegeben. Du schilderst nüchtern, berichtest mehr. Geschichten, die ich nicht kenne, druckreif. Mein Vater der Held.

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Als dann die Amerikaner kamen hast du für sie gedolmetscht. Bei der Übergabe von FLAK-Stellungen. „Da hat keine Mensch englisch verstanden interessanterweise“, schiebst du ein, deine eigene Rolle relativierend.Wieder übertönt ein Flugzeug deine Worte. „Dadurch habe ich dann die amerikanische Verpflegung erhalten.“ Du zeigst die Schachtelgröße mit den Händen und freust dich. Stolz erzählst du, wie du helfen konntest, vermitteln zwischen den Amerikanern und den Nachbarn. „Charly“ haben sie dich genannt, die Regenbogendivision, vier Wochen waren sie da,

Über Vermittlung von Pater Heinrich Suso Braun gabst du Englischunterricht für Kinder. Bei einem Radausflug mit dem Pater, hält ein Auto, ein Mann steigt aus „Und es war der Vati.“

Ab 1946 warst du dann bei den Franziskanern in Hall. Du lobst sie als „welterfahren durchs Exil und keineswegs das, was man sich von einer Klosterschule erwarten würde. Im Gegenteil die waren viel aufgeschlossener als die Lehrer, die wir früher gehabt haben.“. Lachend erzählst du von Pater Martin Viktor: “Wie aus dem Bilderbuch, wohl beleibt und mit einem riesigen weißen Lockenkopf, der war immer die Güte selber.“ Er war dein Physikprofessor, der immer dann böse wurde, wenn sie ihm die Haare wieder geschnitten haben und wenn er besonders gut aufgelegt war, hat er Gitarre gespielt.

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Fragen tun sich auf, neue, damals versäumte. Fragen, die du mir nicht mehr beantworten kannst. Wie auch die größte nicht. Aber längst habe ich gelernt, dass es nicht auf alles eine Antwort geben muss. Ich gehe weiter ins Leben. Und es würde dir gefallen, wie ich es lebe. Du würdest ihn mögen meinen ersten Offizier, der mit dir manches gemeinsam hat, die dünne Haut, die gewogenene Worte oder die Liebe zum "Um-die-Ecke-denken". Ich denke oft an dich, beim Rätseln, Scrabbeln, - z.B. gerade neulich Schnecken - Essen,- z.B. Champagner - Trinken, wenn ich ein neues Restaurant entdecke, wo es gute Innereien gibt, wenn ich eines besuche, in dem wir gemeinsam waren, wenn ich einem Bettler Geld gebe, wenn ich nicht schwarz fahre, wenn ich in einer Kirche eine Kerze entzünde, wenn ich hier bin, wenn ich dort bin. Ich lebe mein Leben nach dem kategorischen Imperativ, wie du es mir vorgelebt hast und voller Liebe, Mut und Kraft, wie es mich dein Tod gelehrt hat.

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Ich halte den Konjunktiv II für eine nur selten in Gedankenwirbeln gut angebrachte grammatikalische Form. Und doch: Könntest du sehen, wie gut Mama alles meistert und wie gut wir miteinander zurecht kommen; könntest du mit dem 1. Offizier sprechen; könnte ich dich umarmen, heute an deinem Geburtstag, dem Vatertag. Danke, Papalatschi, für alles.

04-04-13-1

Ich liebe dich.
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Sit down, both of you, and don't speak a word till I've finished

Who sits there?

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