15
Mrz
2014

Es war einmal....

Im Jänner wird sie entlassen, entlässt sich selbst an meinem Geburtstag, also nicht essen gehen, nach Hause fahren und das Ohr am Babyphone die Nacht durchbangen. Sie testet mich und ist zufrieden, dass ich beim kleinsten Räuspern hilfsbereit im Zimmer auftauche. Ich verwöhne sie und so hat die 24-Stunden-Betreuerin, die drei Tage später kommt eigentlich keine Chance zu bestehen. Auch weil sie „zu groß und zu dick ist“, das „Balkanweib“ wie auch ihre Nachfolgerin. Mein hektischer Arbeitsalltag mit Nebenkriegsschauplatz wird zerrissen von (an)klagenden Anrufen. Die nahe und ferne Familie gibt gute Ratschläge, aber auch die dritte Pflegerin – eine liebenswerte tüchtige Slowakin, „alt“, also in meinem Alter – kann nicht bestehen.

Ich schäme mich für sie. „Sie ist verrückt“, sagt mir die Pflegerin, als sie mich kurz ins Elternschlafzimmer – wo jetzt sie schläft, wie ich ohne Schlüssel, ohne Privatsphäre – entführt. „Ich weiß“, stammle ich und entschuldige mich: „Ihr bleibt nicht mehr viel Zeit, da kann man nichts machen.“ Heimlich bringe ich ihr wie gewünscht Desinfektionsmittel und Handschuhe – die Mutter merkt es, die Mutter merkt alles: „ich habe doch kein AIDS…“ Ich habe sie verraten, lässt sie mich spüren.
Und dann wieder ins Krankenhaus. Sie will keine Weiber mehr, nicht mehr zuhause sein, in kein Heim, ein bissl aufgebaut werden. Sie organisiert sich alles selbst, sie ist stark, ich bewundere sie. Wir telefonieren mehrmals täglich. Mein „Verehrer“ erklärt mir ihre Krankheit, die sich in ihrem Bauch manifestiert hat. Nie konnte sie loslassen. Schon als Kind, wenn sie sich fürchtete durch den kalten finsteren Gang aufs Klo zu gehen. Zur Narbe, die meine Geburt – Kaiserschnitt – verursacht hat ist jetzt eine zweite gekommen. Es schmerzt sie, sie ist noch immer eitel.

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Palliativmedizin sagen die Ärzte und Schulkollegen – ich weiß, was das ist, ich bin Journalistin, ich spiele Quizduell. Am Wochenende fahren wir sie besuchen. Angezogen, geschminkt, leicht gelb im Gesicht, empfängt sie uns. Ich sehe gleich, dass ihr meine Kleidung nicht passt. Ich sehe das immer gleich, die letzten Jahre habe ich mich oft umgezogen, um Ärger zu vermeiden. Jetzt geht es nicht. Die Haare sind auch nicht mehr blond, schon lange nicht mehr und mit kritischem Blick auf meine Leibesmitte, erwähnt sie, wie viel sie abgenommen hat. Und Modeschmuck. Dann will sie mich, uns los werden: mein „Verehrer“, der zur Visite kommt, soll mich so nicht sehen, mutmaße ich im Abgang. Am nächsten Tag bestätigt sie mir das. Wir gehen essen, alles ist gut. Eine Operation wird angedacht, die Mutter wieder verlegt und in der Röhre beschließt sie, dass sie nicht mehr will. Und ich beschließe, diese letzte Zeit mit ihr in ihrem Haus zu verbringen. Sie ist der letzte Mensch, den ich habe von meinem Blute. Der Vater ist tot, Geschwister habe ich keine, Kinder wollte ich nie.

In diesen Tagen, zufällig ausgelöst durch ein Gespräch mit einem Herzensmenschen, stolpere ich über die Antwort, des Rätsels Lösung, den Weg für diese Zeit, den Trost, die Krücke. Dass die Mutter krank ist, nicht nur körperlich in den letzten Jahren auch seelisch, habe ich stets vermutet und nie innerlich laut zu denken gewagt. Stattdessen habe ich in Therapien und Ausbildungen – stets von ihr misstrauisch beobachtet – versucht meinen Irrsinn, mein „Grundgefühl Angst“ in den Griff zu bekommen. Mit Erfolg würde ich sagen und ich habe dieser Reise zu mir so manches wert-volle Werkzeug mitbekommen.

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Die Wut, die Leere, die fast verbrennende Nähe, die unendliche Ferne der Eiswüste, die Angst – Borderline, lese ich, während ich mich schneller und schneller durchs Internet klicke; 400 km von ihr entfernt und doch voll Scham und Angs ertappt zu werden. Ich bestelle Bücher, die üblichen Klassiker zum Thema: Christine Anne Lawsons „Borderline Mütter und ihre Kinder“ und „Übersehene Kinder“ . Heimlich lese ich sie, verschlinge sie, während die Mutter im Nebenzimmer schläft, ganz ruhig und tief. Eben habe ich sie noch liebevoll zu Bett gebracht, ihr Nachthemd vorgewärmt, eine Wärmeflasche zu den Füßen gelegt, den Boiler wieder kleiner gedreht, damit er nicht durchbrennt. „Mei bist du ein braves Kind“, sagt sei und ich freue mich aufrichtig, aber das Beben in mir bleibt.

Ihre Mutter war eine schöne Frau als junges Mädchen, erzählt sie, die schönste Frau für sie, stundenlang kann sie von der großen Lieb zu ihrer Mama erzählen, an meine Kindheit, unsere Zeit erinnerst sie sich nur sehr selten. Versuche ich mich in Nostalgie, antworte sie allzu oft: „Geh, lüg doch nicht.“ Die schöne Mutter durfte bei ihrer Schwester und deren Mann, dem Abgeordneten im Alpenbad servieren. Schlechte Zeiten waren das zwischen den Kriegen. Irgendwann hat sie den Spengler dort kennen gelernt, der mein Großvater war. „auch ein schöner Mensch“, sagt die Mutter. Und das er Lehrer werden wollte nicht Handwerker und eine böse Stiefmutter hatte und einen strengen Vater. Im Jänner haben sie geheirate, im April kam meine Mutter auf die Welt; 1930. Wegen der Mitgift war es, sagt Mama, die ihre Mutter sich selbst erarbeitet hat. Und dass ihre Mutter eigentlich nie wirklich um ihre Eltern getrauert habe: „Sie konnte nicht, da war zu viel zu tun.“

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Bald kam ein weiteres Kind zur Welt, ein Bub. Beide Kinder hatten Diphterie, schwere Zeiten, der kleine Bub starb im Krankenhaus, meine Mama überlebte, eine Zeitlang blind, aufopfernd gepflegt von ihrer Mutter, die hochschwanger war und auch noch ein Geschäft führte. Ein weiterer Sohn wurde geboren, er erhielt den Namen des Verstorbenen. Später folgten noch zwei Kinder – die jüngste Tochter sehr spät, zu Kriegsende erst. Das kleine Mädchen, das meine Mutter war, arbeitet Früh im Haushalt mit, begleitete den hochneurotischen Vater, der Angst im Dunkeln, vor Plätzen, vor dem Leben hatte, bei seinen Wirtshaustouren. Immer wieder war sie auch im Alpenbad, wo sich ihre Eltern kennen gelernt hatten.

Manchmal kam der Onkel zu ihr ins Bett, auch zu ihrer Cousine seiner Tochter. Lange dachte sie, das sei der Preis für alles, das Opfer, das sie bringen musste. Erst im Alter hat sie erfahren, dass ihr Vater dem Onkel Geld geliehen hatte, damit dieser sich ein Pferd kaufen konnte. Ich glaube mich an ein Foto des Onkels zu erinnern, schnauzbärtig auf einem Schimmel sitzend, Herr und Wirt und Kinderschänder. Irgendwie hat er sie geliebt, glaubt meine Mutter, nur sie verbrachte anscheinend Zeit im Alpenbad, ihre Geschwister nicht. Der Missbrauch über Jahre hinweg hat ihre Kinderseele zerstört. Dazu kamen Gewalterfahrungen. Immer wieder erzählt sie mir die Geschichte, als ihr Vater sie so geschlagen hat, dass sie Sterne sah – ihre Mutter war mit einem Soldaten – er musste am nächsten tag an die Front – ins Kino gegangen. Mein Großvater sah offenbar keine andere Möglichkeit seine starke Frau zu bestrafen, als das Kind zu verprügeln.

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Was für ein armes kleines Mädchen meine Mutter war – und auch wenn sie ihre Eltern stets verteidigt, muss so vieles in ihr zerbrochen sein in jenen Jahren. Die Brüder wurden bevorzugt, sie musste die Schule abbrechen, um für sie da zu sei. Bis heute verteidigt sie ihre Eltern, ihre Brüder sprechen von Kälte, Lieblosigkeit und Zwang. Ein fesches elegantes Mädchen muss sie gewesen sein in jenen Nachkriegsjahren, da gab es Verehrer, aber die Erlebnisse mit dem Onkel waren wohl auch ein Tugendschutz. Sie ging als Kindermädchen nach Italien, kümmerte sich in einem reichen Haushalt um drei Buben. Gerne wäre sie dort geblieben, sagt sie. Und dass niemand sie zurück wollte. „Mein Vater?“ ergänze ich – seine Familie, um sie auszunutzen, behauptet sie.

Meinen Vater hat sie in der Straßenbahn kennen gelernt. Auch er hatte harte Zeiten hinter sich, wie wohl alle, die 1930 geboren sind. Dass sie ihn geliebt hätte, hat sie nie gesagt, dass sie irgendwann heiraten wollte ja, sie war eine späte Braut und eine noch spätere Mutter. Sehnsuchtsvoll habe sie auf ein Kind gewartet, ihre Schwägerin, die Frau des Bruders meines Vaters hatte schon zwei „scheene Kinder“ zur Welt gebracht bevor ich endlich unterwegs war.

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Vielleicht hat sie gehofft, dass endlich alles gut wird, dass sie endlich belohnt wird, wenn sie ein Kind bekommt. Ein Sohn hätte es sein sollen, um die Töchter des Schwagers zu übertreffen. Von der Schwangeren gibt es keine Bilder, auch keine Erzählungen, nur diese eine Geschichte, als sie ein, zwei Monate vor meiner Geburt fast zehn Kilometer über die Felder zu einer Wallfahrtskirche gerannt war – sie, die nicht gläubig ist, nur an die Kraft des Gehens glaubt, als Medizin gegen jedes seelische Unbill. Es schneite heftig, mein Vater suchte sie verzweifelt. Ich habe mich oft gewundert, warum sie das angeblich so sehnsüchtig erwartet Kind solchen Gefahren aussetzte.
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14
Mrz
2014

Der Anfang vom Ende

Drei Monate sind nun vergangen seit jenem 12. Dezember, an dem die telefonisch mitgeteilte Diagnose des Gesundheitszustandes meiner Mutter mein Leben wie eine Schneekugel durchschüttelte. Drei Monate, die ich mehr in der fremden Heimat in den Bergen als in meinem wohlig eingerichteten Leben zu ebener Erd und im vierten Stock verbracht habe. Viel zu viele Nächte im Elternschlafzimmer, aus dem meine Mutter schon vor Jahrzehnten ausgezogen ist, in dem mein Vater das letzte Mal erwacht ist.

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Es bleibt uns nicht mehr viel Zeit, sagen die Ärzte, mit denen ich einst auf Teenager Parties geflirtet habe. Verliebt waren sie in mich, berichtet die Mutter stolz – so schöne blonde Haare hatte ich, setzt sie hinzu. Das letzte Weihnachten, sagt der eine von ihnen und ich verbringe es im Krankenhaus im Bett neben ihr. „Wir haben schon schlimmere Weihnachten gehabt“, sind wir uns einig bevor wir einschlafen.

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Der 1. Offizier aber kommt mit einem Bäumchen im Koffer und schenkt mir Weihnachtsfrieden. Den Jahreswechsel verbringe ich daheim am Vorderdeck; gestohlene Zeit, am 31. Dezember vier Stunden Zugfahrt heim, am 1. Jänner ebenso lange retour. Ich habe Halsweh, es schnürt mir die Kehle zu. Die Mutter wird unterdessen mit Medikamenten beruhigt, sie sollen ihr Schlaf geben. Sie brüllt wohl die Nächte durch im Krankenhaus. Ich erschrecke, als ich wieder bei ihr ankomme, direkt vom Bahnhof sie ist kaum ansprechbar, weint nach ihrer Mutter: „Mamamamamama bitte hilf mir.“ Mich nimmt sie kaum wahr. Ihre Augen machen mir Angst, ganz kalt. Und ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich sie allein gelassen habe.

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Einmal ruft mich die Mutter der Schwiegercousine an, ich warte gerade auf den Bus, wie jeden Morgen am Weg zu Mama ins Krankenhaus. Wie jeden Tag gehe ich über das Galgenfeld zum Krankenhaus, den Weg, den sie so ot gehen musste als kleines Mädchen, wie sie uns immer wieder erzählt. Mama habe sie angerufen, sagt sie und dass es ihr schlecht geht und dass sie mich anrufen soll. Sofort versuche ich sie zu erreichen, sie hebt nicht ab. An diesem Tag haste ich den Weg entlang, pansch. Als ich im Krankenhaus ankomme spaziert sie mit dem Lieblingspfleger den Gang entlang. „Mama, um Himmels Willen, was ist los?“ “Mir war langweilig“, sie grinst schelmisch.

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Sie kann sehr liebenswürdig sein, dem Lieblingspfleger schenkt sie einen Buddha-Kopf aus Holz, Jose, der sie zur CT bringt bekommt 50 Euro und soll in Brasilien an einer Bar am Meer einen Kaipirinha für sie trinken, meine Tochter kämpft für euch, erklärt sie dem Krankenhauspersonal und dass N4estle böse ist. Nur wenn ich spreche, reagiert sie genervt. Zu laut sei ich und ein Scharlatan.
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28
Jan
2014

Das R das Räudige

Rurururu lülülülülü – Sie haben es erkannt? Natürlich des Rätsels Lösung ist der Ruf des Harzer Rollers. Wie weiß Wiki? „Die Hohlrolle ist das wichtigste Element. Dabei singt der Vogel ein „r“ rollend in Verbindung mit den Vokalen „ü“, „o“ oder „u“, was dann z. B. wie „rururu“ klingt. Zur Knorre geht der Sänger in den Bass. Besonders geschätzt wird hier ein tiefes „krruruurru“. Ein Balzlaut kann es sein das RRRRRR, ein wohliges Katzenschnurrern, ein gefährliches Knurren, ein Kehllaut, mehr oder weniger gerollt, oder manchmal geknurrt. Rassig, rollig, räudig, rührig, rockig, rasend. Und Millionen Menschen sollen diesen wundervollen Laut nicht aussprechen können? Flühlingslolle. Oder eben nur Rheiternd? In Wahr(l)heit ganz anders.

R also, nahe dem bereits beschriebenen L, ist ganz tief verwurzelt wie die Rübe. Oft hören wir von ihm viel Gutes und Schlechtes: „R hat mich angelächelt.“ „R mag mich.“ „R hat mein Leben verändert.“ „R ist immer für mich da.“ „R schon wieder.“ R hat mich nicht angerufen.“ „R hat mich betrogen.“ Rschöpfend! Aber auch Rheiternd….überhaupt das R – hinten im Gaumen kitzelnd und in der RinnRung: Rückwärts, Retro, Reminiszenzen, Renaissance. Ja, und auch Rache, wie Rhonen, roten Rüben, die hier nicht unerwähnt bleiben sollen wie auch die Farbe Rot und ihre kleine Schwester Rosa. Rosmarin und Rucola, Rindssteak, Rhabarber, Rotwein und Rum, Rüden und Ratten.

Und – TRRRRRRRRRommelwiRRRRRRRRRRRRRbel: Das R hat einen eigenen Musikstil – oder fast, mit dem B halt – R’n’B. Und Rock’n Roll ja auch ein bissl.

Und dann gibt es noch meinen Ritter mit dem ich rocke, rolle und rätsle – Rewind würd ich sagen. RRRRRRRRRR.
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23
Jan
2014

L wie Litschi/Lychee

"Die schmecken wie parfümierte Schwammerl“, urteilte meine Mama über ihre ersten Litschi. Keine Ahnung, wann ich der Frucht zum ersten Mal begegnet bin. Muss wohl Ende der 1970er, Anfang der 1980er gewesen sein. Als Kompott bei den netten Chinesen vielleicht, die Taiwanesen waren und für die meine Vater die Papiere übersetzt hat? Als Bestandteil eines Geschenkkorbes sehe ich sie vor mir, exotisch – wir hätten sowas nicht gekauft. Kaki vielleicht und Kiwi wegen der Vitamine und Boskop-Äpfel fürs Kompott wie eben wieder, als Mama aus dem Krankenhaus Nachhause kam – immer Boskop, die Besten. Keine Litschi oder internationaler Lychee. Ich liebte exotische Geschenkkörbe, weil es da exotische Früchte gab und Gänseleberpastete.

Schön sind sie anzusehen die Früchte mit ihrer Echsenhaut, leicht altrosa voller kleiner zackicger Nippel und so rund und wenn man die Schale blütenförmig öffnet, schimmert einem das weiße Fruchtfleisch entgegen, glänzend wie eine Perle. Das muss man genüsslich mit der Zunge und den Lippen vom dunklen glatten Kern lösen. Es duftet sauersüßlich und schmeckt auch so.

Lychees sind verführerisch, sinnliche Früchte, wie Pfirisch, Mango, Zuckermelone. Die schöne Schauspielerin/Modell/Moderatorinnenkollegin aus Radio CD Zeiten brachte Litschi-Sackerln ins ferne Bratislava, am Naschmarkt gekauft, wie Sushi. Sie war auch mal in Japan. Lycheesaft am Kinn.Luxus, Radio.Und noch ein bisschen exotisch.

„Mein Lieblingsobst“, sagt Prinzessin Mausezahn im Running-Sushi. Aber leider kommt kein Litschi-Kompott vorbei. Das Chinarestaurant ist ein Sushi-Lokal, die Taiwanesen sind Koreaner. Statt des Bambuskalenders gibt es Delphine. Die Kinder essen Sushi, vier und zehn Jahre alt. Als ich so alt war kannte ich noch keine Litschi.

Ich mag Litschis. Jetzt gerade möchte ich sogar welche. Und sie lasziv leckend lockend verzehren, ihre drei Farben, ihre drei Schichten bewundernd. Um sich zu vermehren muss sie aus ihrer Schale befreit werden unter der das glänzende Fruchtfleich lockt. Im optimalen Fall wie einen Lutscher oder Lollipop, natürlich auch L-Word. Ich mag L-Worte: Ich liebe die Lust, die Leidenschaft, Liebe (und machen), die Lasterhaftigkeit, das Ludrige, das Laszive, das Lüsterne, das Lachen, das Lippenspiel, Lesen, Lammleber, Leitungswasser, Lieder- und manche –macherInnen, Lava und auch enzsprechende –lampen, Lyrik, meinen Loter – sagte ich schon Liebe? und Litschis.. Ich liebe. Ich lebe.

Seit 49 Jahren...
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24
Dez
2013

Weihnachtsstöckchen

Was soll man denn sonst in so einer Nacht machen, liebe Toll3ste?

1. Winterdepression?
Ich wollte es wäre der Winter. Das Leben geht seinen Lauf und manchmal auf schwierigen Wegen. Dann und wann stolpert man tränenblind und schlägt sich die Knie auf. Im Winter ist es eisig, glatt und kalt. Aber das mag ich auch. Am draußen, drinnen weniger. Drinnen kann man sich am Feuer wärmen, wenn man drauf achtet und die Glut am Leben hält.

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2. Barfuß oder Lackschuh?
Barfuß – im Sommer. Einst hatte ich lederne Fußsohlen, trainiert durch Laufen auf Stoppelfeldern. Lackschuhe habe ich auch – ein Paar hat mich einst am gesellschaftlichen Parkett ausrutschen lassen und mit gespaltener Lippe (nicht Zunge) trat ich einen neuen Lebensabschnitt an. Ein wundervolles Paar Lackschuhe hat mir eine Freundin geschenkt, fein und bequem, kompakt und schick.

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3. Rotwein oder Weißwein?
Champagner und dann Rose und dann Rot und dann Weiß. Und gerne auch Bier. Hauptsache mit Liebe gekeltert, gebraut und serviert. Habe ich schon den Champagner erwähnt?

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4. Flugzeug oder Bahn?
Keine Angst vorm Fliegen, aber gerne mit der Bahn, auch der Straßenbahn und am allerliebsten mit dem Schiff….

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5. Feminismus?
Aber sicher…und jedes Jahr ein bissl mehr davon…

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6. Vorbilder?
Auch - jetzt gerade meine Mutter, die mit 83 Jahren ziemlich krank hier im Krankenhaus liegt. Bereit zu kämpfen, gewillt zu leben, voll Kraft und Humor, Freundlichkeit und Dankbarkeit all den Menschen gegenüber, die sie hier und Zuhause unterstützen – ich weiß, ich klinge meist anders, aber vieles erkennt man als Kind nicht oder erst spät, aber rechtzeitig.

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7. Ziele?
Lieben, leben, teilen.

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8. Reisen?.
Gerne mit Backgammon, Rästel und ausreichend Proviant – vom Kaiserwasser bis St. Malo, wohin es uns so verschlägt.

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9. Glaube?
Liebe, Hoffnung…

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10. Lieblingsfilm?
Kinder des Olymp, wohl noch immer….

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Und übrigens: Frohe Weihnachten, Euch Allen – ich habe vom bestesten 1. Offizier den schönsten Christbaum der Welt bekommen – how lucky I am…
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16
Dez
2013

Homestory

Nun also allein im Haus. Einsam vielleicht wie so oft hier … aber allein. Ich tue Verbotenes. Das sit einfach, weil hier fast alles verboten ist. Der Koffer lagert im Schlafzimmer, die Jacke hängt am Treppenpfosten – aber ich habe ein schlechtes Gewissen. Morgen werde ich die Treppe wischen. Heute habe ich gelogen, habe mit dem Geliebtesten verbotenste Dinge getan. Am Wohnzimmersofa gesessen, ohne Decke und Schlimmeres. Alles knarrt, die Mutter omnipresent. Und dann die starke kleine Frau im Krankenhaus, an Schläuchen, schwach, und doch flirtend, über Körperflüssigkeiten in Beuteln scherzen, Voller Stolz und Würde; meine Mutter.

Ich liebe sie. Ich bin stolz auf die Energie mit der sie kleine Narben einfordert, auf die Freundlichkeit, die sie dem Personal entgegenbringt – meine Tochter kämpft für euch, sie ist stolz auf mich, die Umsicht, mit der sie regiert, die Organisiertheit ihrer Welt. Endlich Frieden und wir anerkennen uns, spät aber rechtzeitig. Der 1. Offizier, mein Ritter der Stäbe, steht mir bei wie mir noch nie jemand beigestanden und egal, woher die Winde blasen, das werde ich ihm ewig danken. Auch dass er, wiewohl nicht hier, weil in meinem Auftrag unser Leben lebend durch die Räume geistert; in so vielem begnadet, auch darin.

Bilder gibt es keine, Worte müssen reichen.
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14
Dez
2013

Aus dem Logbuch: Freitag der 13., stürmisches Eismeer

Denn erstens kommt es schlimmer, zweitens als man denkt. Stürmische Seee beutelt uns nach schönen Nächten in freundschaftlichen Häfen. Geliebte Mütter und Großmütter kämpfen um ihr Leben.

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Mein Rücken schmerzt vom Widerstand, während ich mich an den Mast klammere, gestützt vom 1. Offizier. Und dann spritzt Gischt mein Gesicht salzig nass. Mama ist krank, schwerer als erwartet. Tapfer haben wir sie letztes Wochenende kämpfen gesehen, als ich nach Hause kam, die Tante zu begraben, die Mutter im Krankenhaus stützen. Mir zur Seite der 1. Offizier, im Gepäck jede Menge Arbeit, Druck und Wertschätzungsschmerzen. Enttäuschung über die Organisation, um deren Liebe – Solidarität, wie es bei uns heißt – ich fast die Hälfte meines Lebens buhle. Eine unglückliche Liebesgeschichte, nicht so schlimm angesichts der glücklichen.

Endlich erkenne ich in meiner Mutter auch die starke Frau, die sich in den Wogen des Lebens mit so viel Humor und Menschenliebe bewährt. Ich mag ihren rebellischen Geist ihren Lebenswillen und ihre schlaue Weisheit. Deswegen schätze ich das tägliche Telefonat mit ihr. Ich weiß, dass ich schon anders geklungen habe, ich bin mir bewusst, wieviele Tränene ich wegen ihr geweint habe. Aber es war/ist mein Kinderschmerz vermengt mit ihrem.

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Heute war es da, das kleine Kind, mitten im Großraumbüro, nachdem ich mit meinem Schulfreund dem Primar telefoniert habe. Sturzbäche von Tränen, die nicht mehr versiegen wollten zwischen Schlussredaktion und Editorial. Eine Tasse Tee von meiner Assistentin, der Seelen-Guten, und kein Schulterklopfen, kein Kopfnicken angesichts verweinter Augen. Das Wort hysterisch fällt, obwohl ich meine Arbeit zufriedenstellend im zeitlichen Rahmen erledige. Spuren der Weihnachtsfeier, verlegene Grüße. Die jahrelange Produktion von Mobbing-Broschüren zeitigt ihre Wirkung.

Solidarität ist eine Zeitschrift. Soziale Kälte hat mehrere Bedutungen. Der Mensch im Mittelpunkt ist Motto der Gespräche im RaucherInnenkammerl. Und nach wie vor gilt Groucho Marx: Ich möchte nie in einem Klub Mitglied sein, der Menschen wie mich als Mitglieder nimmt. Ich wollte Mitglied sein in eurem Klub. Weil die Ideen der Organisation meinen Werten entsprechen. Weil mir meine Eltern den Respekt vor Arbeit und Bildung mitgegeben haben. Und ich will Mitglied sein, wenn ich an all die Funktionärinnen und Funktionäre denke, die mir im Lauf meiner Tätigkeit für Euch begegnet sind. Sie sind und waren mir Vorbild und Ansporn von der Putzfrau im Betriebsrat bis hin zum Behindertenpfleger. Wow, ich mag eure/unsere Arbeit und halte sie für wichtig.

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Ich mag die Art, wie ihr feiern und arbeiten verbinden könnt, auch wenn ich das in letzter Zeit nur mehr an den Spuren eurer Feste ausmessen kann. Bei Verabschiedungen und Geburtstagen bin ich zumindest dabei, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Manchmal nasche ich die Reste in eurer Küche oder profitiere vom gemeinsamen Mittagessen. Dann lege ich meistens einen Zehner in die Kassa. Ich habe oft über Arbeitskräfteüberlassung geschrieben. , Ich überlass euch meine Arbeitskraft – per Werksvertrag. Mein Werksvertragsarbeitgeber ist nicht mein Betriebsrat (auch nicht mein Coach, kein Kollege, kein Freund) – auch in dem Fall nicht. Das habe ich erst lernen müssen. Ich bin mein Betriebsrat, ein guter Rat. Ich gehöre nicht zu euch – noch immer nicht.

Ich habe das Schiff Ariadne Wiktoria wieder einmal sicher in den Hafen gelenkt. Vielleicht ist es Zeit, diesen Kaperbrief zurück zu legen und neue Meere anzusteuern. Jetzt gilt es abzulegen in Richtung Heimathafen. Die Mutter braucht mich. Ich brauche meine Mama. Der 1. Offizier hält mir den Rücken frei.

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Und doch: So viel Glück ist mir beschieden. Allzeit gute Fahrt und eine Handbreit Wasser unter dem Kiel…
1428 mal erzählt

4
Nov
2013

In freudiger Erwartung

...unseres nächsten Auftritts:

werklwarten

Leistet uns doch beim Warten Gesellschaft, Ihr seid herzlichwillkommen ..


toll3steweiber@gmx.at
www.toll3steweiber.at
1328 mal erzählt
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Mock Turtle

Sit down, both of you, and don't speak a word till I've finished

Who sits there?

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Im Bilde

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Gruß nach drüben
Der Vater - der großartige Walter Deutsch ist am 13....
katiza - 18. Feb, 16:53
Wenn ich schon geahnt...
dass ich an jenem Zuhause angekommen bin. Ich liebe...
katiza - 22. Feb, 15:42
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viennacat - 14. Aug, 18:27
Soooo schön und berührend....
Soooo schön und berührend. Danke!
testsiegerin - 14. Aug, 15:07

Es war einmal…

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Meine Kommentare

Gruß nach drüben
Der Vater - der großartige Walter Deutsch ist am 13....
katiza - 18. Feb, 16:53
Wenn ich schon geahnt...
dass ich an jenem Zuhause angekommen bin. Ich liebe...
katiza - 22. Feb, 15:42
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datja - 18. Jul, 18:34
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