1
Mai
2011

Ein Kompliment

Verwegen nennt er mich und es gefällt mir.
War ich doch lang genug verlegen.


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1329 mal erzählt

25
Apr
2011

Ostermontagsfrieden

Dort, wo mein Fahrrad ein wilder Rappe war und ich Drachen steigen ließ,
wo ich Waldtschick rauchte und Türken und Obst stahl, wo mein Piratenschiff vor Anker lag,
wo ich über die Wiesen rollte, Purzelbäume schlug und mich im Kreis drehte, bis die Welt mein Karussell war, wo ich meine beiden treuen Freunde belehrte, wo ich Vögel beobachtete und Blumen bestimmte, wo ich mir selbst Märchen erzählte, in der Wiese lag und träumte, wo ich später heimlich rauchend spazierte, voll verzweifelter Wut und Liebe zu irgendwem.
Dort ist der Park mit dem kleinen Teich und tut so, als wäre er schon immer da gewesen.

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Und ich sitze auf der kleinen Mauer und schaue ins Wasser. Dizzy Gillespie hat der Zufall für mich aufgelegt. Die Sonne wird im Teich zu einem Kristall, die Wolken erinnern an die Scherenschnittfilme meiner Kindheit, sie zeichnen mir unendlich schöne Bilder. Manchmal höre ich Vögel zwitschern. Die Goldfische schleichen träge knapp unter der Wasseroberfläche herum. Die Musik ist schön. Und langsam kann sich das traurige kleine Mädchen wieder im letzten Winkel meiner Seele schlafen legen. Die Tränen trocknen. Ein Flugzeug fliegt durch den kleinen Teich. Tropfen zeichnen konzentrische Kreise. Ein Erpel schwimmt vorbei. Glück steht auf meinem Ärmel. Ein friedlicher Ort. Ich schaue ins Wasser und alles ist gut.

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1151 mal erzählt

24
Apr
2011

Die Auferstehung und das Leben

„Frohe Ostern hat die Frau gsagt, he, die Frau hat mir frohe Ostern gwünscht“, ruft das kleine Mädchen durch den Park. Ich bin etwa 20 Meter von ihr entfernt, weit genug, um für sie weg zu sein. Eben noch habe ich mir neben ihr an dem kleinen Brunnen die Hände gewaschen, wir haben uns kurz angelächelt und in die Augen gesehen, schöne blaugrüne Augen. „Frohe Ostern“, habe ich gesagt, "Frohe Ostern", hat sie geantwortet.

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Drei Stunden bin ich durch meine Vergangenheit flaniert. Mit dem Bus wie früher in die Stadt, am Inn entlang - dort haben wir geraucht, dort Fotos gemacht - durch den Hofgarten, wo ein Pärchen einen blühenden Kirschbaum betrachtet und der Baum dankbar Blüten schneien lässt - und wir einst geraucht und geküsst haben, wo kleine Lieben begannen und verblühten - in die Altstadt. Im Dom, wo ich gefirmt wurde, entzünde ich eine Kerze für den Vater, wie er es mich gelehrt hat auf all den Reisen in den Kirchen, wo wir Kerzen für die Toten entzündeten; jetzt eben für ihn und die anderen, meine Toten.

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Touristin unter den Touristen spaziere ich über die modern umgestaltete Prachtstraße in das Kaffeehaus, in dem die junge Mock Turtle einst residierte, ein bisschen Lolita, ein bisschen verhurtes Gretchen, ein bisschen altkluges Geschöpf. Ich trinke ein Glas Wein auf der Terrasse, der Kellner kommt aus der Slowakei. Alles rundherum hat sich verändert, dort stand einst der Brunnen mit den Harfen. Fremd. Immer wieder schaue ich in Gesichter, versuche Vertrautes zu entdecken, Bekannte, Freunde von damals, die mich wieder erkennen könnten und mir beweisen, dass ich es war, die einst hier lebte.

Vorbei an der alten Schule, Osterferien, auch hier sieht alles anders aus und doch dort drüben habe ich mir am Auspuff der KTM des Schilehrer-Schulkollegen das Wadl verbrannt und kurz kann ich das verbrannte Fleisch riechen und höre mich gegen den Schmerz anlachen, Monate blieb die Narbe. Vor der Polizeidirektion werfe ich Ahorn-Hubschrauber in die Luft. Ich gehe durchs Villenviertel, das mich stets an den ersten Mann in meinem Leben erinnert. Am Vortag fuhr der Taxler an der Wohnung vorbei, wo ich zur Frau wurde. Kurz biege ich ab zum Haus in dem mein Freund, der Fotograf gelebt hat. Bei seinem Totenmahl war ich zuletzt dort. Sein Name steht noch immer an der Klingel, darunter der Name der liebenden Frau an seiner Seite. Ich überlege ob ich läuten soll, hebe sogar den Finger, später suche ich die Telefonnummer und nehme mir vor einen Brief zu schreiben.

Mit dem nächsten Bus fahre ich in meinen Heimatort, bis ganz hinauf zum Sanatorium und mache mich auf den Weg nach unten. Da hat der Komponist gewohnt, da der christliche Freund, dort war ich auf einem Grillfest. Und dann der letzte Weg, den ich an meines Vaters Arm gegangen bin. Ich lächle und die wenigen Menschen, die mir begegnen, antworten mit einem Lächeln, einem angedeuteten Gruß. Vorbei am Marterl, das die kleine Turtle wohl tausendmal gelesen hat zu jenem Platz, wo ich mit meinem Papa bin.

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Und da sitze ich und fühle Frieden und denke an Ostern. „Ich bin die Auferstehung und das Leben“, fällt mir ein. Ich nehme denselben Weg wie immer, ich gehe weiter, ich gehe die Schritte, die mein Vater nicht mehr gegangen ist, die meine Mutter nie mehr gehen wird. Am Straßenrand liegt eine leere Zigarettenschachtel, immer wieder Chesterfield, alls lei wegen die Chesterfield. Karsamstag.

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„Frohe Ostern“, wünscht euch die Frau.
1519 mal erzählt

21
Apr
2011

Zu ebener Erd und im vierten Stock

Es kehrt Leben ein im Treppenhaus von Wien zu ebener Erd und im vierten Stock. Unten, im Parterre, und in den prächtigen Kellergewölben sind zwei Lokale eingezogen. Das eine hat bereits eröffnet und bietet der Turtle schon jetzt Gelegenheit, sich vor dem Aufstieg in ihr Nest ganz oben noch ein wenig zu stärken. Schön sind die Räume geworden, die einst ein Kaffeehaus beherbergt haben für die Ärzte im AKH und die Juristen im Landesgericht.

Als wir eingezogen sind, war hier ein Autozubehörladen, später ein Altwarentandler. Jetzt stehen am frühen Abend Tische und Stühle auf der Gasse, und buntes, fröhliches, junges Personal serviert Espresso und Prosecco. Wirte sind zwei junge Männer, die nach vielen Jahren Internetbranche mit richtigen Menschen zu tun haben wollen. „Wir machen es gerne“, sagt der eine, als ich bei einem Glas Wein auf mein Taxi warte: „Und was man gerne macht, macht man gut.“ Ich nicke zur Bestätigung und schau ihm in die schönen blauen Augen. Schon vor einer Woche war die Nachbarschaft zur Eröffnung geladen, da war viel Wärme und Lachen und Herzlichkeit in den Räumen und wenig anonyme Großstadt. Wir werden uns wohl öfter treffen hier herunten, nicht immer bloß im Treppenhaus.

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Vom kleinen Schanigarten kann man auch die anderen Jungwirte im Haus sehen, die noch an ihrer Weinbar zimmern, auch sie fröhlich und sympathisch, bei der Eröffnung der Nachbarn haben sie auch vorbei geschaut. Stetig sind sie am Werken, heute wurden die Fenster geputzt. Man kennt sich schon, lächelt sich zu, wechselt ein paar Worte. Ich fühle mich daheim im Grätzel.

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Oben im vierten Stock ändern sich die Räume nur langsam, der eine oder andere Gegenstand zieht aus. Und doch ist irgendwie neues Leben eingezogen, die Zimmer wirken anders, so wie auch ich, wenn ich mich in einen der Spiegel sehe, mich mit anderen Augen betrachte, mit neuen.Und das geschieht auch mit den Räumen. 15 gemeinsame Jahre in ihnen haben genauso ihre Spuren hinterlassen wie diese 20 Jahre Partnerschaft in mir; Spuren, die ich weder tilgen kann, noch will. Der Queue ist derselbe, doch das Spiel spiele ich anders.

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Nebenan wird die Wohnung von Herrn Walter und seiner Püppi renoviert. Die Badewanne, in der er gestorben ist, steht am Gang. Preisboxer am Heumarkt sei er gewesen, erzählt mir der andere Nachbar beim Nachbarschaftsfest und sie, Püppi, gut verheiratet, vorher. Dramen hätten sich abgespielt. Das Hufeisen an der Türe hängt verkehrt, bemerke ich erst jetzt. Kein Wunder, dass das Glück rausgefallen ist. Die Frau mit dem schönen Namen wird auch ausziehen, der Philosoph hat seine Sachen schon gepackt, wir anderen rücken halt näher zusammen. Zu ebener Erd und in vier Stockwerken.

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1309 mal erzählt

17
Apr
2011

Die Jugend im goldenen Rahmen

Seit Jahren blickt sie auf mich herab von ihrem Platz an der Wand. Halb so alt wie ich heute, wenn überhaupt. Die Jugend im goldenen Rahmen. Gestern hat sie mir zugelächelt, da bin ich mir sicher.

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Mein Freund der Fotograf mochte nicht, wenn ich lächelte. Er selbst lächelte ja auch nie; er mochte die sinnlichen Blicke über vollen Lippen und das Androgyne in mir. Deswegen hatten wir diese Bilder auch in einem Herrenklo geschossen, Glencheck-Hose, Hosenträger und der Pünktchen-BH seiner Freundin. Ich hatte so was nicht, brauchte ich auch nicht wirklich.

Zwischen den Geschlechtern, rasierend vor dem Spiegel, lässig ans Pissoir gelehnt, stolz und verletzlich und ein wenig trotzig. Heute trage ich wieder dieselben Ringe, die anderen habe ich abgelegt, sie passen nicht mehr. Auch die Frisur ähnelt der des Mädchens auf dem Bild. Ein Leben mit Locken, keinen kleinen feinen, eher wilden, unzähmbaren.

Nein, ich wollte nicht Modell werden damals, hin und wieder ein paar Dirndlfotos, um die Kassa aufzubessern, nichts weiter. Prostitution sei das, meinte mein damaliger Freund, Eitelkeit, Äußerlichkeiten und das war dann Grund genug, die Zwischen-den-Geschlechtern-Bilder zu machen. Die haben wir nur für uns gemacht, der Fotograf und ich, wie noch eine Session, Jahre später; und diese Bilder haben so viel für mich getan seither. Sie sind mir Antidepressivum und Begegnung mit dem jüngeren Selbst.

Sie war schön, das Mädchen auf dem Bild. Sie spürte ihre Macht durch und ihren Hunger auf Liebe und Lust, Großes wollte sie vollbringen, Burgtheaterdirektorin oder ORF-Generalintendantin werden, der Mann an ihrer Seite würde nicht der Mann ihres Lebens sein, das wusste sie schon damals. Es würden andere kommen, auch das wusste sie. Dass es einen Mann ihre Lebens geben würde, konnte, wollte sie kaum glauben. Dass sie zehn Jahre später heiraten würde, hat sie sich nicht gedacht, dass eine Liebe zwanzig Jahre währen kann, auch nicht. Dass Ihr Freund, der Fotograf sich Jahre später erhängen würde, ahnte sie nicht.

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Sie war auf dem Sprung nach Wien, endlich erwachsen, Theaterwissenschaft und Publizistik, die erste Wohnung mit Klo am Gang, aber auch die schon im Achten; nur ein paar hundert Meter entfernt von dem Bett, in dem ich an diesem Samstagmittag frühstücke, als sie mir zulächelt. Von einer Wohnung mit Billardtisch hatte sie geträumt, von Erfolg, selbstbestimmtem Leben, einem jüngeren Liebhaber vielleicht, von der Bühne soundso immer.

Es ist ein glücklicher Samstag und ich begegne meiner Jugend im goldenen Rahmen. Nein, nie mehr wieder möchte ich so jung sein, aber die Träume, die Tatsache, dass alles offen ist und das Gefühl, alles zu wissen, über alles urteilen zu können, nutzen sich ab im Lauf der Jahre. An diesem Samstag habe ich das Gefühl vor ihrem Urteil bestehen zu können, ich hab den Eindruck, sie ist fast ein wenig stolz auf mich.

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Abends lesen (und tanzen) die toll3sten Weiber in Mistelbach, ein Lächeln begleitet mich durch Tag und Nacht, immer neue faszinierende Begegnungen, fast wie damals, als das junge Mädchen in die Hauptstadt aufgebrochen ist, fühlt es sich an, alles ist offen und ich weiß, dass ich nie genug weiß, um urteilen zu können.

Bevor ich einschlafe, lächle ich ihr noch einmal zu: Es ist viel passiert, dass du dir in deinen kühnsten Träumen nicht hättest vorstellen können, Wundervolles und Schreckliches. Was du damals nicht gewusst, nicht wirklich geahnt hast, ist, wie glücklich dein Leben im Endeffekt sein wird, ein Geschenk voll wunderbarer Menschen und Erlebnissen, so viel Liebe, so viel Spaß, so viel Gutes, so viel Lernen, Abenteuer. Die Schmerzen, das Leid, die Enttäuschungen und den Kummer hast du damals geahnt. Das Glück nicht. Insofern ist mein Leben glücklicherweise aus dem Rahmen gefallen…..
1548 mal erzählt

14
Apr
2011

Die p.t. Gäste

Eben sind sie abgereist. Die Wohnung ist leer ohne sie. Schon jetzt fehlt mir die sanfte schweizerische Sprache von Frau Frogg und dem Kulturflanuer. Ich höre uns noch lachen am Frühstückstisch, ich schmecke noch das „Hendl“ – „wieder ein neues österreichisches Wort gelernt, Poulet heißt das bei uns“ -, das die beiden für mich in meiner Küche zubereitet haben. Und den Zweigelt, den „Naziwein“, und den Veltliner.

Wir sind ein Jahrgang, Berufskolleginnen mit sehr verwandten Werten und Idealen, wilde, linke Herzen; eine ideale Kollegin, so wie das Wort „Kolleg‘“ in meiner Heimat für Freund, Kumpel steht. Wie ein junges Mädchen wirkt sie mit dem Struppelhaar, wenn sie morgens leise durch die Wohnung schlurft, wie ein Lausbub, wenn sie lacht, irgendwie wie George aus den fünf Freunde Büchern meiner Kindheit, erwachsen geworden, meistens. Und der Kulturflaneur, ein ruhiger Navigator, ein weises Lächeln scheint seinen Mund zu umspielen, das manchmal zum trocken verwunderten Lachen wird, z.B. in der Begegnung mit dem Wienerischen. „Die p.T. Gäste werden darauf hingewiesen“ liest der Herr Flaneur im Cafe Hummel halblaut mit großen Augen ein Schild an der Wand. „Pleno titulo“, erklärt der Ober: „mit vollem Titel, so dass sich alle Betitelten angesprochen fühlen.“ Und ich bin so stolz auf mein Wien, wo die Ober Latein sprechen.

Schnell werden wir eine gemütlich kleine Wohngemeinschaft auf Zeit und ich freu mich schon, wenn die beiden von ihren Streifzügen heim kommen und ergänze ihre Reiseführerinformationen mit Einheimischenwissen und Anekdoten. Manchmal flanieren wir auch gemeinsam und ich zeige und erkläre und weise hin. „Dort hat Oskar Werner gewohnt, da isst man gut, hier werden oft Filme gedreht, dort war einst ein Bordell.“ Irgendwann fotografiere ich ein Graffity mit meinem Handy. „So also“, lächelt die Fröschin.

In der Küche steht noch der große rote Topf, in dem ich den Tafelspitz, das weißer Scherzerl für die beiden zubereitet habe. Er begeister meine Gäste, die auch erfreut sind, dass sich eine Salatschleuder und eine Geflügelschere (und gar ein Käsehobel) in meinem Besitz befinden. Den Tafelspitz wollten sie ursprünglich im Rindfleischtempel essen. Selbst gekocht sei aber immer besser, freuen sie sich. Und ich freu mich aufs Kochen.

Ab dem Spätnachmittag war die Wohnung von wohligem Suppenduft erfüllt. Semmelkren gibt’s, selbstgebackene alte Semmeln wurden darin verwertet und bei Schnittlausauce, Apfelkren und Röstkerdäpfel helfen die beiden eifrig mit. Und dann tafelen wir, geben uns ganz dem Genuss hin, politisiereen, tauschten Berufserfahrungen aus und philosophiereen. Alte Freundinnen, ein guter Freund. Das hast du damals vielleicht gelesen; Oh, das war da; ach, der;vieles ist nicht mehr erklärungsbedürftig, vieles erklärt sich erst jetzt, die Stimme zu den Worten, die Blicke, die Körpersprache. Es wird spät und unsere Köpfe werden schwer, aber wir können kaum voneinander lass und machen am nächsten Morgen dort weiter, wo wir am Vorabend aufgehört haben. So vieles hätte ich den beiden Stadtwanderern noch so gerne gezeigt; es wird ein nächstes Mal geben.

„Schani trag den Garten aussi“, kichert der Kutlurflaneur zum Abschied.

Die p.t. Gäste können wieder kommen und statt eines Titels erhalten sie ein Prädikat – besonders wertvoll.
Schön, dass ihr da wart.

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2088 mal erzählt

11
Apr
2011

Vom Sex der Buchstaben

Ach, wie geht es mir gut, wenn ich mich so treiben lasse im Rhythmus meines Lebens.

Rhythmus ist so ein schönes Wort, vor allem, wenn richtig geschrieben. Und ich gebe zu, manchmal bin ich selbst unsicher. Obwohl es so einfach ist, auf die h kommt es an, die fast stummen, phallischen h, die den Rhythmus erst ausmachen. So ist das nämlich.

Und deswegen ist Orthographie sexy. Schauen Sie sich das Wort nur an: Orthographie. Das hungrige O am Anfang, ein sanft rollendes r, ein t spuckt kurz aus, fast tadelnd und wieder ein o – kleiner als das erste - und ich lege auf Groß- und Kleinschreibung wert – ein kurzes Pressen, Kehllaut g, rrrrollend erzittert die Zunge, aaaalles ist offen, noch zeigt das p nach unten, aber im h richtet es sich auf und wird zum Zischlauft ffffffffffffffffffff, ausatmen ein kleines i sprüht seinen Punkt ins Weltall. E(h klar).

ORTOGRAPHIE ist halb so schön und auch der ortografie fehlt einiges.

Orthographie hingegen ist definitiv sexy, q.e.d.

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Bemused...
2000 mal erzählt

10
Apr
2011

Ich bin so frei

Und dann ist endlich wieder Freitag, die Sonne scheint auf meinen Platz am Musenpodest am gelben Sofa und die Plattenspieler werden ausgezogen und angeworfen. Zur Feier des Tages, der Heimkehr des Erstgeborenen aus der anderen, der Kärntner Heimat, ein Fläschchen Fabelhaft, der sich so wunderbar an den Soul schmiegt, der mittlerweile den Raum füllt.

Ein junger Mann flattert herein, schelmisch, man kennt sich schon. Gerade eben war er drei Monate in Asien. Ob die 100 Jahre denn nun fertig seien, will er wissen und wir lachen. „Bald“, sage ich, nur noch ein paar Umschnitte und Änderungen und blinzle dem Erstgeborenen zu. “Geschichte verändert sich eben stetig, erkennen wir. Später dann höre ich, dass Tom Dooley dazu gekommen ist, eine meiner Lieblingsschallplatten dort im Teppichwunderland, abgespielt am Marienkäferplattenspieler. So fasziniert war die kleine Turtle von der blutrünstigen Geschichte, dass sie sie sogar zum Besten gab, als der Schulinspektor in der Volksschule die Kinder aufforderte ihr Lieblingslied zu singen.

Jetzt ist die Ballade Teil der 100 Jahre, ganz artig bedanke ich mich beim Erstgeborenen, auch für das Weihnachtsgeschenk, das er mitgebracht hat, “Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber“. Treffsicher wie stets, der Freund und Gastgeber und voller Liebe.

Ein schöner junger Mann wird von einem anderen mitgebracht, gelangweilt blickt er im Raum herum, bleibt außen vor, checkt ab. Der Erstgeborenen registriert es und langsam und geschickt spinnt er ihn ein und holt ihn an den Tisch. Ob das so weiter ginge, wenn man älter würde, das Leben als Fest, fragt der Schöne. Wie alt er sei, will ich wissen. 1974 geboren. Es geht weiter so, lachen wir. Es wird besser, versichere ich ihm. Ich weiß das. „Man muss immer weiter Ausatmen“, sage ich. Da lächelt der schöne Mann „Ausatmen.“ Freitag.

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1631 mal erzählt
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Mock Turtle

Sit down, both of you, and don't speak a word till I've finished

Who sits there?

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